„Wie die Alten sungen...

...so zwitschern auch die Jungen“


Fotos: FBi - RE - Archiv


Stefan und Helmut (insert) Bradl
Bereits seit längerer Zeit beschäftigt mich die Idee, wie viel eigentlich Söhne von einst bekannten Rennfahrern in die Fußstapfen ihrer Väter getreten sind. Bestärkt wurde ich in meiner Idee noch dadurch, dass Sport1 Kommentator Erich Mielke, pardon, natürlich Eddie Mielke in jeder Übertragung auf die verwandtschaftlichen Beziehungen von Vater Helmut und Sohn Stefan Bradl hinweist. Wenn schon Herr Mielke immer wieder auf diese Thematik fokussiert, da muss doch sicher ein Interesse bestehen, so mein Gedankengang, und ich entschloss mich, dieses Thema unter obiger Überschrift in Angriff zu nehmen.

Ohne Zweifel war die Vater – Sohn Verbindung in der Familie Roberts (Bilder oben links: Junior und rechts: Senior) aus den USA die erfolgreichste. Beide waren Weltmeister und als Besonderheit muß noch erwähnt werden, dass beide sogar den gleichen Vorname haben und nur durch das Kürzel sen. für Senior und jun. für Junior unterschieden werden. Das auf die Gene aber nicht immer absoluter Verlass ist zeigt die Tatsache, dass ein weiterer Sohn von Kenny Senior, nämlich Kurtis, zwar ein guter aber eben nicht so erfolgreicher Fahrer war wie Kenny Junior, sein älterer Bruder.

Spanien hatte sein rennsportliches Idol mit Angel Nieto Senior (Bild links). Der Junior Angel Nieto und auch die weiteren Nietos in dieser Dynastie erreichten allerdings trotz aller Leidenschaft nicht ansatzweise die Erfolge des Vaters, respektive des Onkels Erfolge.

In den Niederlanden war Piet van der Goorbergh (Bild rechts) in den frühen siebziger Jahren ein beachteter Fahrer der Achtelliterklasse. Seine beiden Söhne, besonders Jürgen van der Goorbergh, aber auch Patrick, hatten in der GP – Szene einen höheren Stellenwert als Vater Piet. Man darf aber auch nicht Cees van Dongen und dessen Sohn Jos nicht vergessen, beides Stammgäste und beide durchaus erfolgreich in der WM in der WM – unterwegs.

Aus Südafrika kamen die Ekerolds (linkes Bild). Während Vater Jon sogar Weltmeister geworden war, waren die Fußstapfen des Vaters für Sohn Johnny allerdings zu groß. Er betrieb auch begeistert den Rennsport, allein die Erfolge des Vaters konnte er nicht annähernd erreichen.

Sehr erfolgreich in dieser Richtung war und ist noch immer die Familie Rossi (Bild rechts) aus Italien. Vater Graziano war schon mit drei GP-Siegen überaus erfolgreich, wurde aber vom Sohnemann Valentino schon jetzt weit übertroffen und Vale, wie Valentino auch genannt wird, ist noch immer aktiv.

Dass die Gene nicht bei den Soloklassen halt machen zeigt Rolf Steinhausen (im Bild links unten mit Wolfgang Kalauch) bei den Gespannen. Selbst immerhin zweimal Weltmeister versuchte sich Sohn Jörg ebenfalls im Gespannsport und das durchaus sehr erfolgreich. Die Bilanz von Jörg mit zwei mal WM-Dritter und sechs Grand Prix Siegen kann sich durchaus sehen lassen. Das dies nicht noch mehr geworden sind war wohl der Tatsache geschuldet, dass die Sidecars ab etwa Beginn der neunziger Jahre leider immer mehr ein stiefmütterliches Dasein fristeten und kaum noch von den nun einmal im Motorsport notwendigen Sponsoren wahrgenommen wurden.
Geht man zu den Anfangsjahren der Motorradweltmeisterschaft zurück, so lässt sich festhalten, dass der erste Weltmeister der Achtelliterklasse ein Italiener, Nello Pagani, gewesen ist. Sein Sohn, Alberto, konnte sich später auch gut in der WM platzieren, auch wenn er an die Erfolge des Vaters, der bereits vor dem Krieg erfolgreich auf zwei Rädern unterwegs war, nie anknüpfen konnte. Eine Parallele zu den Pagani´s (Bild unten) lieferten die Graham´s aus England. Vater Leslie war erster Weltmeister der Halbliterklasse im Jahr 1949 und Sohn Stuart Graham war zwar erfolgreich, ohne an die Erfolge des Vaters je zu anknüpfen zu können.
Geht man noch weiter zurück, so findet man in der englischen Historie den Name Jack Williams. Dieser war bereits Ende der zwanziger Jahre auf europäischen Strecken bekannt. Vom Können seines Sohnes Peter konnte man sich auf den Rennstrecken in Europa in den sechziger und siebziger Jahren überzeugen.

Auch die Franzosen hatten ihr Vater / Sohn Paar. Vater George war nicht nur im Heimatland Frankreich bekannt, den Durchbruch des Familiennamen schaffte aber hauptsächlich Pierre Monneret. Der Sohn von George brachte es sogar in der WM zu zwei Grand Prix Siegen.

Selbstverständlich sind in den Überseeländern ebenfalls solche Konstellationen vorhanden. In Deutschland bekannt, zumindest bei den älteren Rennbesuchern, waren die Hinton Brüder Eric und Harry (im Bild unten von links: Harry Hinton jun,Keith Bryen, Eric Hinton und Valdemar Lundberg). Letzterer war leider noch in den Fünfzigern in Brno tödlich verunglückt. Wohl den wenigsten Rennsportanhängern dürfte aber bekannt sein, dass Vater Harry Hinton Senior nur wenige Jahre vor den Rennen der Söhne es zu WM-Punkten gebracht hatte.

In dem Zusammenhang fällt mir eine persönliche Episode ein. Mit einem Büchlein und Kugelschreiber „bewaffnet“ schlich ich mich als Jüngling in der Nähe des Hinton – Zeltes herum mit dem Ziel, ein Autogramm der beiden Hinton Brüder zu ergattern. Ich reichte mein Büchlein einem älteren Herrn hin und es war zu erkennen, dass ich ein Autogramm der beiden Hintons wünschte. Zu meinem Schreck musste ich feststellen, dass sich als erster der ältere Herr in dem Buch mit dem Namenszug (damals noch leserlich geschrieben) Harry Hinton sen. verewigte. Mein erster Gedanke war natürlich, warum „der Alte“ in meinem Buch herumgeschmiert hat. Heute bin ich froh, dass Autogramm von Harry Hinton sen. zu besitzen.

Eine ähnliche Sachlage Vater / Sohn ergibt sich bei den Australiern Quincey, auch WM-Fahrer und mit WM-Punkten versehen. Vater Maurice (Bild links oben) durfte man in den Fünfzigern in die Kategorie der besten Privatfahrer von „down under“ einstufen und er war stolz, dass sich Sohn Ray (linkes Bild unten) auch für den Rennsport entschieden hatte.Ein schwerer Unfall in ? fesselt ihn seitdem leider an den Rollstuhl.

Außer den Bradl´s und den Steinhausen´s gibt es natürlich auch in Deutschland noch viele Beispiele, bei denen die Söhne oder der Sohn in die Fußstapfen der Väter getreten sind.

Einmalig ist, respektive war und wird es sicher wohl auch bleiben, dass Vater und Sohn beim gleichen Rennen in den „Top Six“ landeten, wie es jetzt so schön auf „neudeutsch“ heißt. Die Rede ist von Ernst und Reinhard Hiller (rechtes Bild). Im günstigsten Fall hätte es sogar zu einem gemeinsamen Podestplatz beim Hockenheim Grand Prix 1973 kommen können. Dieser „Super-Konstellation“, die durchaus möglich war, machten aber technische Defekte an Reinhards Maschine zunichte und so blieb es bei einer drei – sechs Platzierung beim gleichen WM-Lauf!

Vater / Sohn Verbindungen,  das heißt wo sowohl der Vater als auch der Sohn WM – Punkte erreichten gab es noch mehrere. Da fallen mir als erste die Scheidhauer´s ein. Vater Willi als einer der bekanntesten deutschen Privatiers und Sohn Reiner. Die Saarländer erzielten beide WM – Punkte. Gleiches gilt auch für die Familie Kassner (unten von links:Vater Horst, Sohn Bernd und Helmut, Bruder von Horst). Vater Horst auf seiner Sportmax galt als eines der größten deutschen Talente in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Auch Sohn Bernd war bei vielen WM-Rennen innerhalb der Punkteränge zu finden. Das Tüpfelchen auf das I war wohl, das die Rennleidenschaft der Familie Kassner auch noch sehr erfolgreich vom jüngeren Bruder von Horst, nämlich Helmut Kassner, praktiziert worden ist. Die Krone auf dem Ganzen setzte Horst auf, der sich nicht zu schade war, auch mal als Passagier bei den Gespannen „auszuhelfen“. So legte er sich auch schon mal ins „Boot“ bei dem bekannten Schweizer Sidecarfahrer Florian Camathias. Zum Vollblutrennfahrer kamen bei Horst Kassner auch noch großartige Tuningfähigkeiten dazu.

Auch sollte man an dieser Stelle nicht Vater und Sohn Kunz (Bild unten) vergessen. Vater Rudi gehörte zu den Pionieren der 50 cc Klasse in Deutschland und war mehr als ein Jahzehnt erfolgreich in der WM unterwegs. Auch Sohn Rainer brachte es zu einigen Erfolgen in der Weltmeisterschaft.

Auch wenn es vielleicht nicht so bekannt ist, so möchte ich hier auch noch eine Vater – Sohn Paarung anführen, die es sicher noch weiter gebracht hätten, aber bei denen die besondere Umstände – sie waren aus Dresden – nicht mehr zugelassen haben. Rudi Richter, der Vater und Gespannfahrer, gehörte sicher zu den wirklich Guten in einer Ära, in der deutsche und schweizer Dreiradartisten die Szene beherrschten. Sohn Rainer hätte es mit großer Wahrscheinlichkeit auch in höhere Sphären gebracht wenn seine Startmöglichkeiten als ehemals Ostdeutscher nicht so eingeengt gewesen wäre. Von den technisch fehlenden Ressourcen will ich dabei noch nicht einmal reden.

Fast ähnlich die Situation bei den Janssens. Vater Ted aus Köln hatte seine Zeit mit den Dreirädern verbracht – auch wenn er bei den Solos begonnen hatte – und Sohn Stefan kämpfte von Beginn an in den Soloklassen.

Dieser kurze Bericht ist keineswegs vollständig und man möge mir verzeihen, wenn ich nicht alle familiären Bande hier erwähne. Einmal liegt das daran, dass der Platz hier einfach nicht ausreicht und weil ich ganz sicher auch viele Verbindungen schlicht und einfach nicht kenne. So sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der populäre Max Neukirchner bei MZ durch seinen ehemals rennfahrenden Vater genauso „vorbelastet“ ist wie der in BMW- Diensten stehende Leon Haslam, dessen Vater Ron in England (Bild unten) zu den Legenden zählt.

In neuerer Zeit bahnen sich bereits wieder erfolgreiche Vater – Sohn Karrieren an. Ich denke da spontan an die Öttl´s. Peter Öttl, der erfolgreiche Vater aus Ainring hat sein Talent bisher erfolgversprechend auf den Sohnemann Philipp vererbt und auch der Brite Niall McKenzie konnte seine Gene erfolgreich auf seinen Sohn Taylor übertragen.

Eine Geschichte erscheint mir im Zusammenhang Väter – Söhne noch besonders erwähnenswert. 2008 feierte der Finne Pekka Päivärinta seinen ersten WM – Titel bei den Sidecars. Sein Passagier Timo Kartiala. 28 Jahre vorher gab es unter gleichen Namen in der WM die Gespannpaarung Päivärinta mit Passagier Kartiala – es waren schlicht und einfach deren Väter in gleicher Besetzung.

Sicher haben Sie beim Lesen des Berichts das Meiste bereits gewusst. Wenn ich Ihnen trotzdem diese oder jene Neuigkeit vermitteln konnte hat dieser kurze Bericht seinen Zweck erfüllt.



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