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Straßenrennen......was ist das? |
Eigentlich ließe sich die in der Überschrift enthaltene Fragestellung relativ
einfach beantworten:"man nehme einige öffentliche Straßen, verbinde diese zu einem Drei- oder Viereck, sperre
diese dann etwa für 2 bis 3 Tage und lasse dann auf dieser oder diesen Straßen (im angesprochen Fall) um die
Wette fahren. Daraus ergibt sich dann ein "Straßenrennen".
Die Akteure einer solchen Veranstaltung wurden Rennfahrer genannt und das alles geschah vor mehr als 50
Jahren. Über die Gefahren für Aktive und Passive, sprich Zuschauer, dachte man relativ wenig nach. An besonders
gefährlich erscheinenden Passagen stellte man vorsichtshalber ein paar Strohballen auf. Eine größere Distanz
der Zuschauer zu den vorbei fahrenden Aktiven war in den seltesten Fällen gegeben, soll heißen, das Publikum machte
es sich in Straßengräben, hinter Barrieren, etc. bequem und war von den Darbietungen der Rennfahrer begeistert.
Natürlich spielte in der Nachkriegszeit auch eine Rolle, daß es kaum irgendwelche anderen Formen der Unterhaltung
gab. Man bewunderte die Akteure und identifizierte sich mit den Fabrikaten, die die Aktiven bewegten, fuhr man doch
mit gleichen Fabrikaten, natürlich ohne entsprechende Modifikationen, zur Arbeit oder benutzte diese auch, teilweise
mit einem angebauten Seitenwagen, zu Familienausflügen an Sonntagen. Die Leute waren zufrieden, die Veranstalter
dieser Rennen (es gab eine Vielzahl davon) auch und die Motorradindustrie natürlich ebenfalls. Weil die Zweiradindustrie
boomte und die Verkaufszahlen nach oben schnellten, gründeten sich ganz schnell Werksrennställe nach dem Vorbild
der Vorkriegszeit. Die Zweiradfirmen suchten sich einige der besten Fahrer aus und schickten diese, natürlich auf
ihren Fabrikaten, in den Wettstreit gegen die Konkurrenz. Zumindest die Werksrennfahrer hatten für die damalige
Zeit ihr relativ gutes Auskommen und die größere Zahl an sogenannten Privatfahrern opferten ihr
Geld und ihre
Fertigkeiten, um zumindest bei einigen wenigen Rennen die Werksfahrer zu ärgern und die Werke auf sich aufmerksam
zu machen. Die beiden Fotos oben verdeutlichen, wie es in der Nachkriegszeit im Rennsport ausgesehen hat
und welche Gefahren sich auftaten. Ganz oben links sehen wir den Schweizer Willi Lips, wie er es bei dem Bergrennen
von Altstätten nach Stoss wohl etwas übertrieben hatte und zu Sturz kam, relativ unbeschadet. Willi Lips war immerhin
Schweizer Meister und wurde, so nebenher bemerkt, später ein überaus erfolgreicher Unternehmer. Die oben geschilderten
Zustände der Strecken für Fahrer und Zuschauer verdeutlicht das weitere Bild oben. Der Italiener Maurizio Massini
bewegt sich durch einen Wall von Hauswänden und Zuschauern. Lapidar ausgedrückt: Straßenrennen eben. Die bereits
geschilderten Gefahren für Aktive und Zuschauer verdeutlicht eindrucksvoll das linke Bild. Die Nürnberger
Gespannpaarung führt hier am Sachsenring das Rennen an und man darf garnicht daran denken, was bei einen
Bremsfehler oder technischen Defekt hätte passieren können... Tödliche Unfälle gab es in jenen Tagen (leider) genug
und man bemühte sich, zumindest bei Weltmeisterschaftsrennen, die es ab 1949 gab, ein Mindestmaß an Sicherheit
zu schaffen. Dies geschah in Form von asphaltierten Straßen gegenüber Pflasterstraßen und an mehr aufgestellte
Strohballen als weitere Sicherungsmaßnahme.
Wie man sich um etwas mehr Sicherheit bemühte, zeigt hier das Bild der WM-Strecke von Spa-Francorchamps. Der
neu aufgezogene Asphalt wird hier von den Grand Prix Stars der damaligen Zeit, Ray Amm und Ken Kavanagh, begutachtet
und auch so etwas wie "Auslaufzone", dargestellt durch Doppelzäune, ist an exponierten Stellen zu erkennen. Zumindest
wollte man damit zu begeisterte Zuschauer von den Gefahrenpunkten fern halten. Diese Entwicklung ging aber an den
vielen kleineren Rennstrecken vorbei. An den WM-Rennen holten sich die vielen Privatfahrer, durch entsprechende
Platzierungen, einen guten Namen, den sie bei den kleineren Rennen in "bare Münze", sprich Start- und Preisgeld,
umzusetzen versuchten. Aber ausgerechnet an diesen Kursen lauerten noch die größten Gefahren...Die Waagschale im Rennsport hat sich in dieser Zeit mehr von Sicherheitsfragen weg bewegt, hin in Richtung Startgeldzahlungen. Dabei kam es auch zum ersten Fahrerstreik (1955), der zugunsten der Startgeldhöhe für Privatfahrer stattgefunden hat. Die oberste Motorsportbehörde FIM sah dabei ihre Sporthoheit gefährdet und sperrte kurzerhand die am Streik beteiligten Fahrer. Sogar Werksfahrer wie der englische Superstar Geoff Duke hatte sich daran beteiligt und wurde kurzerhand für einige Monate gesperrt.
Inzwischen hatte sich ohnehin eine gänzlich neue Bewertung des Straßenrennsports ergeben. Viele bekannte Hersteller
wie Gilera und Moto-Guzzi hatten sich vom Rennsport zurück gezogen. Die Motorradindustrie war praktisch eingebrochen
und die Werbewirksamkeit für noch vorhandene Firmen ging in der Zweiradindustrie praktisch gegen null.
Das Auto als Fortbewegungsmittel für die Bevölkerung hatte die Oberhand gewonnen. Dadurch gingen auch die Besucherzahlen
zu den Rennen erheblich zurück. Zwar brachten die Japaner ab 1959 eine gewisse Bewegung in den Rennsport, aber deren
Ziel war es erst einmal, mit ihren zweirädrigen Produkten in Europa "Fuß zu fassen". Da spielten eher wirtschaftliche
Fragen eine Rolle als Fragen zur Sicherheit der Rennstrecken. Viele der Rennstrecken hatten sich ohnehin, wegen
fehlender Wirtschaftlichkeit und wegen fehlender Genehmigungen zur Sperrung der Straßen für Rennzwecke, "ausgeklinkt".
Selbst wenn man seitens der FIM, des Weltverbandes für den Motorradrennsport, nun doch für die verbliebenen Veranstalter ein höheres Maß an Sicherheiten von den Streckenbetreibern einforderte, die Entwicklung beim Straßenrennsport war nicht mehr aufzuhalten. Dadurch schien es, daß solche spektakulären Bilder wie im linken Foto zu sehen, bei dem der Engländer Johnny Lockett auf der TT agierte, wohl nicht mehr zu sehen sein werden. Die Tendenz ging jedenfalls ganz in diese Richtung. Als erstes wurde der Ulster GP, ein reiner Straßenkurs, aus dem WM-Kalender entfernt. Die DDR mit dem legendären Sachsenring verabschiedete sich, aus politischen Gründen, von selbst. Die englische TT auf der Isle of Man, als Sinnbild reiner Straßenrennen, stand auf der Abschußliste und die GP-Strecke in Brno wurde wohl nur noch aus politischen Gründen am Leben erhalten. Auch wenn die japanische Motorradindustrie im Aufwind war, das Interesse an den "Zweirädrigen" in der Bevölkerung wieder zugenommen hatte, das Interesse an Straßenrennen konnte diese Entwicklung nicht fördern. Das Interesse der Fans ging mehr in die Richtung, das Motorrad als eigenes Sportgerät zu sehen. Die Identifikation mit Fahrern und Fabrikat, wie in den fünfziger Jahren gegeben, war praktisch nicht mehr vorhanden. Zwar war der Grand Prix Kurs für die inzwischen enorm gestiegene Leistung der Rennmaschinen eigentlich auch zu gefährlich geworden, aber die
einzige Strecke im Ostblock mußte einfach am Leben
erhalten werden - die dort immer vorhandenen riesigen Zuschauermengen (der wohl größte Teil davon das frühere
Sachsenring-Publikum) konnte man einfach nicht enttäuschen. Der Schweizer Grand Prix Fahrer Bruno Kneubühler
"durfte" noch die einzigartige Atmosphäre bei der "Mährischen" TT erleben und bekam so einen Einblick von den
Gefahren auf der Original-TT auf der Isle of Man, auf der er nie gefahren war. Er erlebte auch als einer der
wenigen Fahrer alle drei Varianten in Brno, soll heißen, er fuhr auch noch auf dem Motodrom in Brno. Dieser Kurs
kommt nach meiner unmaßgeblichen Meinung von den modernen Strecken am ehesten einer Straßenrennstrecke nahe und
bringt doch viel Sicherheit für die Fahrer und entsprechendes Flair für das Publikum.Auch wenn die Sicherheit der Aktiven im Vordergrund stehen sollte, wofür die modernen Strecken sprechen, eine gewisse Klientel für die Straßenrennen einstiger Prägung ist geblieben und das überwiegend auf der britischen Insel und in Irland. Man kann zum Motorradrennsport stehen wie man will und es ist als sehr positiv zu werten, daß der Rennsport heutiger Prägung - nämlich die Show - zumindest die schweren und tödlichen Unfälle nahezu auf null herunter gefahren hat, Gott sei Dank. Aber ein Bergsteiger läßt sich von demoralisierenden und tödlichen Unfällen im Berg auch nicht abhalten, immer aufs neue in eine "Wand einzusteigen". Oftmals geschieht dies aus Leichtsinn, aber oft auch aus Abenteuerlust. Und diesen Faibel für Straßenrennen sollte man durchaus auch anerkennen. Dabei hat sich auf Fahrerseite gezeigt, daß es zwar Spezialisten für reine Straßenkurse gibt, aber das auch einige Fahrer den "Ritt auf der Rasierklinge" beherrschen, die auch auf modernen Strecken beachtliche Erfolge eingefahren haben. Einer der ganz Großen war dabei der unvergessene Mike Hailwood. Vielleicht will ich gerade ihm mit dieser kurzen Abhandlung ein Denkmal setzen, ihm und der unvergleichlichen TT als Strecke für Straßenrennen in des Wortes ureigenster Bedeutung... Einige wenige Bilder sollen dies verdeutlichen, für welche ich mich bei dem irischen Fotograf Ian Watson ganz herzlich bedanken möchte. Immerhin sagen diese Bilder über das Phänomen Straßenrennen und seine Faszination sehr viel aus und halten viele Erinnerungen an frühere Zeiten wach, auch wenn sich die Namen der Aktiven inzwischen geändert haben. |
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