...Rennatmosphäre pur...
Fast unglaublich und schon ein wenig beschämend für mich, dass mein letztes "Sidecar-Life-Erlebnis" bis 1989 zurück lag. Oft waren zeitliche Gründe ausschlaggebend und ab und an war es auch der "innere Schweinehund", der mich von der Fahrt zu einem Seitenwagenrennen abgehalten hatte.
Um so größer war mein Erstaunen und meine Freude, die Dreiradakrobaten wieder in Aktion zu sehen, noch dazu wo es sich um eine Weltmeisterschaftsveranstaltung handelte. Sehr angenehm überrascht war ich auch von der Strecke, dem "Schleizer Dreieck", und der Herzlichkeit der dortigen Helfer. Da merkte man sofort, hier war der Rennbesucher willkommen und nicht nur dessen Geld.
In voller Fahrt (links) das Gespann von Mike Roscher (D) und Adolf Hänni (CH). Leider führte ein kleiner Patzer am Samstag dazu, dass sich Adolf Hänni nicht mehr im Seitenwagen halten konnte und er in hohen Bogen auf die Rennstrecke flog. Er wurde sofort in das Schleizer Krankenhaus gebracht, wo man neben Prellungen eine gebrochene Rippe feststellte. Nach erfolgter Behandlung brachte man ihn zurück ins Fahrerlager, wo der hartgesottene Schweizer die anstehenden Rennen wieder fahren wollte. Ein Versuch zeigte aber, die Schmerzen ließen keine vernünftige Zeit zu und damit war die Veranstaltung für die Gespannpaarung leider "gelaufen".

Trotz gebrochener Rippe, dass Eis schmeckte Adolf Hänni auch mit Schmerzen offenbar recht gut.
Gut gelaunt und für ein Erinnerungsfoto bereit Jörg Steinhausen. Wohlgemerkt, das war am Samstag.
Leider kam dann Sonntag der schreckliche Unfall und alle Sidecarfans waren glücklich, als vom
Krankenhaus Entwarnung gegeben wurde. Das gilt natürlich auch für den Beifahrer Trevor Hopkinson.
Eine kleine Panne gab es Samstag, als bei den Trainings vom Fahrbahnrand her durch die Gespanne ständig Steine auf die Fahrbahn gewirbelt worden und zur Gefahr für Fahrer und Maschinen ausarteten. Das führte zu einiger Verzögerung im Zeitplan und verärgerte verständlicherweise die Aktiven. Aber Schleiz wäre nicht Schleiz, hätte man nicht dafür eine schnelle Lösung parat gehabt. Nach Trainingsschluss rückten zwei Baufahrzeuge an und verlegten an den gefährdeten Stellen an den Fahrbahnrändern Betonplatten - das Problem war damit gelöst. Eine organisatorische Meisterleistung der Schleizer.

Die großen Gewinner von Schleiz war das englische Brüderpaar Reeves, die natürlich von Steinhausens Unfall am meisten profitierten. Leider habe ich zu wenig Kenntnis der Materie und der speziellen Situation, um darüber eine Meinung abzugeben. Fakt ist, dass Steinhausen eine unfaire Fahrweise der Engländer festgestellt hat. Fakt ist aber auch, dass diese Darstellung von keiner anderen Seite bestätigt wurde. Bleibt mir nur die Hoffnung, dass es durch die Unfälle vorher am Nürburgring und jetzt hier in Schleiz im weiteren Saisonverlauf nicht zu einer "Privatfehde" der beiden Gespanne kommen wird. Erstens ist dafür dieser Sport zu schön und zweitens aber auch zu gefährlich.
Einen nicht sonderlich zufriedenen Eindruck macht hier die Vater/Sohn Paarung van Gils aus Holland. Während sich Sohn Tonnie der Pflege seines Sturzhelms angenommen hat, blickt Vater Martien etwas skeptisch auf sein Gespann. Beide haben übrigens in den zurück liegenden Jahren eine sehr gute Rolle in der Gespannszene gespielt. Eine ähnliche, vielleicht sogar noch bessere Rolle traue ich Pekka Päivärinta aus Finnland mit Beifahrer Peter Wall aus Schweden zu (unten).

In unterschiedlichen Eigenschaften waren die beiden "alten Haudegen" und ehemaligen Gespannweltmeister
Max Deubel (links) und Rolf Steinhausen in Schleiz. Während Max Deubel in seiner Eigenschaft als
Sportkommissar die Interessen der FIM zu vertreten hatte, fungierte Rolf Steinhausen für seinen Sohn Jörg
als Teammanager.
Bleibt zum Schluß die Hoffnung, dass in 2006 erneut in Schleiz eine so großartige Weltmeisterschaftsveranstaltung stattfinden wird, mit der gleichen Begeisterung des Veranstalters und der vielen freundlichen Helfer, mit spannenden Rennen, aber ohne die erwähnten Unfälle. Letztere wäre das einzige Spektakel, worauf die Rennsportfreunde gerne verzichten würden. Dafür möchte die Besucher lieber solche Aktionen bewundern, wie im Bild unten von dem englischen Gespannpaar Richard Gatt und Paul Randall dargeboten, die übrigens im Match-Race großartige Dritte geworden waren.
Fotos: Jürgen Müller, SCZ, Frank Bischoff, HOT, Rolf Eggersdorfer, GC
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