T e i l 9 - die Soloszene ab etwa 1980...

Natürlich lassen sich geschichtliche Rückblicke nicht unbedingt in exakte Zeiträume einordnen. Um so weniger, wenn man einen Rückblick in mehreren Teilen schreibt. Viele Schweizer Fahrer waren sowohl in den siebziger als auch in den achtziger Jahren sehr erfolgreich. Als Beispiel dafür möchte ich hier Stefan Dörflinger und Bruno Kneubühler anführen. Der Birsfeldener Dörflinger gehörte schon in den siebziger Jahren zu den Toppiloten der 50 cc Klasse, aber seine größten Erfolge errang er zwischen 1982 und 1985, als er vier mal in Folge den WM-Titel in der kleinsten Klasse errungen hat (50 cc und 80 cc). Er beendete 1989 seine so erfolgreiche Rennfahrerlaufbahn. Auch für Bruno Kneubühler war 1989 sein letztes Jahr als Rennfahrer. Beide hatten natürlich in der Schweizer Rennsportszene eine Lücke hinterlassen, die, wie sich heraus stellte, bis zum heutigen Tag nicht geschlossen werden konnte. 
Stefan Dörflinger nach seinem ersten von gesamt 18 GP-Siegen. In Zolder/Belgien siegte er 1980 vor Eugenio Lazzarini aus Italien (im Bild rechts), Weltmeister dieses Jahres, und dem Franzosen Yves Dupont

Ein Fahrer, der sicherlich vom Talent her zu den allerbesten Fahrern in der 125 cc Klasse gehörte war Hans Müller (Fotos links - auf einer Viertellitermaschine- und oben), auch bekannt als "Hirzel - Müller". Er war ein Beispiel dafür, dass man, um einmal ganz vorn zu landen, nicht nur Können braucht - das hatte er ja -, sondern auch gute Sponsoren und etwas Glück. Beides fehlte dem "kleinen Mann aus Hirzel" leider. Trotz der angesprochenen ungünstigen Umstände, 14 Podestplätze bei Grand Prix Rennen können sich durchaus sehen lassen. 

Auf eine sehenswerte Bilanz kann auch Roland Freymond zurück blicken. Zwei mal Dritter der Weltmeisterschaft in der Klasse bis 250 cc (1981 und 1982), dabei 10 errungene Podestplätze, wobei er beim Grand Prix von Schweden sogar ganz oben auf dem Treppchen stand, damit platziert er sich in einer Erfolgsbilanz Schweizer GP Fahrer ziemlich weit vorn. Für die Zuschauer immer wieder ein Erlebnis, sein attraktiver Fahrstil, der nicht nur schnell ausgesehen hat, sondern - wie die Erfolge belegen - tatsächlich auch schnell war.
Ebenfalls zwei mal Dritter der Weltmeisterschaft wurde Jacques Cornu. Dabei brachte er es sogar auf zwanzig Podestplätze, davon drei mal ganz oben. Die beiden Fotos unten zeigen den Kämpfer Cornu einmal in voller Fahrt und einmal am "Ende seines Arbeitstages"; als er, wie hier in Brno, sich nur dem Belgier Didier de Radigues und dem Deutschen Toni Mang geschlagen geben musste. 

Wie populär gerade die "mittleren Klassen" (250 cc und 350 cc) bei den Schweizer Fahrern waren, sollen zwei weitere Bilder zeigen. Im Foto unten sehen wir Wolfgang von Muralt, der beim Grand Prix in Brno 1981 sogar den vierten Rang belegen konnte und auf dem rechten Bild oben tragen Bruno Lüscher und Neddy Crotta ein internes Schweizer Duell aus.

Recht gut war auch in der Weltmeisterschaft der Halbliterklasse der Privatier aus dem Tessin, Sergio Pellandini, unterwegs (Foto unten). Natürlich war es für den Mann aus Arbedo schon ein Erfolg, in den Punkterängen zu landen, was ihm 19 mal gelang. Immerhin hatte er sich zu der Zeit mit Werkspiloten vom Schlage eines Franco Uncini, Marco Lucchinelli, Kenny Roberts,sen.,Kork Ballington, um nur einige wenige zu nennen, auseinander zu setzen.


Irgendwie war der oben zu sehende Bruno Kneubühler ein Phänomen. Erstens war er während seiner GP-Karriere, die sich immerhin über 18 (!) Jahre erstreckte, in allen Klassen - auch in der Klasse bis 750 cc - erfolgreich unterwegs und zweitens konnte er sich so richtig nur für die großen Klassen begeistern und das, obwohl er von der Statur her für die kleineren Klassen wie geschaffen schien. Sei es wie es sei, der Glattbrugger kam während seiner Karriere insgesamt bei 137 (!!!) Rennen in die Punktewertung, erreichte dabei 33 Podestplätze, wobei davon 5 ganz oben auf dem "Treppchen" waren. Hätte er nicht 1977 bei einem Interrennen in Holland einen schweren Unfall gehabt, als dessen Folge er ein steifes Fußgelenk behielt, so wäre wohl seine Karriere noch erfolgreicher verlaufen als dies ohnehin schon gewesen ist.



Nachdem im vorigen Absatz vom Unfall Bruno Kneubühlers die Rede war, möchte ich an dieser Stelle zwei Fahrer erwähnen, die ebenfalls erfolgreich für die Schweiz auf den Rennstrecken unterwegs waren, aber leider durch Unfälle nicht mehr unter uns sind - Michel Frutschi (linkes Bild) und Marco Gentile (Foto oben).

Ich habe diesen neunten und vorletzten Teil der Schweizer Rennsportgeschichte mit dem Siegerfoto von Stefan Dörflingers ersten GP Sieg begonnen und möchte diesen Teil mit einem weiteren  Siegerfoto von Stefan Dörflinger beenden. Das Foto zeigt Stefan 1987 nach dem GP in Brno, als er vor Jorge "Aspar" Martinez und Gerhard Waibel gewonnen hatte.
Leider kann ein solcher, doch sehr kurzer Rückblick, nicht alle Fahrer erwähnen, die es eigentlich verdient hätten. Ich bitte alle Piloten um Verzeihung, die von mir nicht erwähnt worden sind - sorry.
Im letzten Teil werden die neunziger Jahre beleuchtet und es gibt einen Ausblick auf die leider nicht so rosige Zukunft der Schweizer Rennszene.

Teil 1
die Sidecarszene bis 1967
Teil 2
die Sidecarszene ab 1968
Teil 3
die Sidecarszene ab 1975
Teil 4
die Sidecarszene ab 1978
Teil 5
die Sidecarszene ab 1980
Teil 6
die Soloszene bis 1952
Teil 7
die Soloszene bis 1969
Teil 8
die Soloszene ab 1970
Teil 9
die Soloszene ab 1980
Teil 10
wie weiter...

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