1982 hat der Rennfahrer Werner Schwärzel aus Meißenheim mit
seinem damaligen Beifahrer Andreas Huber aus Tiergarten bei Oberkirch
die Weltmeisterschaft im Beiwagenfahren für Straßenrennmaschinen
gewonnen. Am Start waren zu dieser Zeit bei jedem Rennen immer zwischen
25 und 30 Teilnehmer. Das Beiwagenfahren war damals eine überaus
beliebte Sportart. Werner Schwärzel und seine Beifahrer Karl-Heinz
Kleis und Andreas Huber sowie zuletzt für ein Jahr auch Fritz Buck
haben den Ortenaukreis und insbesondere Meißenheim bekannt gemacht. Vom
Frühjahr bis in den Herbst war Werner Schwärzel mit seinem Team immer
im vierzehntägigen Rhythmus unterwegs, um auf allen internationalen
Rennstrecken seiner Leidenschaft Motorradsport nachzugehen.
Werner Schwärzel wurde am 6. September 1948 in Lahr als Sohn der
Eheleute Wilhelm und Elsa Schwärzel aus Kürzell geboren. Zusammen mit
zwei Schwestern wuchs er in Kürzell auf und besuchte dort die
Volksschule. Von 1963 bis 1965 erlernte er im Landmaschinenbetrieb
Böttler in Kürzell den Beruf des Landmaschinenmechanikers und arbeitete
danach bis 1972 als Geselle in diesem Betrieb.
In dieser Zeit reifte auch die Liebe zum Motorradsport. In seiner
Freizeit fuhr Schwärzel mit seinem Herkules-Moped zum Schrecken seiner
Eltern meist mit acht Kumpels Rennen. Die Jungs trafen sich
insbesondere an Wochenenden zum Austausch ihrer Kenntnisse und
bastelten an ihren kleinen Rennmaschinen, um mehr Leistung
herauszuholen. »Wir hatten jedoch keinerlei Unterstützung, sondern
mussten uns mit dem, was wir mit unserer Arbeit verdienten, zufrieden
geben«, so Schwärzel heute.
Mit dabei war damals auch sein erster Beifahrer und guter Kollege
Karl-Heinz Kleis (auf dem Bild rechts als Sieger des GP in Brno 1974. Links von ihnen
das Weltmeisterpaar Enders / Engelhardt und rechts Schauzu / Kalauch).
1970 beschlossen die zwei jungen Männer, in den
aktiven Rennsport einzutreten und bauten sich eine
Beiwagen - Rennmaschine. Mit einem Bergrennen im bayerischen Zozenbach
ging es los. Das Gespann Schwärzel / Kleis errang damals unter 30
Startern einen achten Platz. Von dieser Stunde an hatten die beiden
Freunde endgültig Rennbenzin geschnuppert, nahmen im 14-tägigen
Rhythmus an Rennen teil. »Es war eine sehr harte Zeit, denn wir mussten
voll arbeiten und am Abend und an den freien Wochenenden die Maschinen
wieder startklar machen«, erinnert sich Werner Schwärzel. Die
Rennmaschinen wurden vom Rennteam selbst hergestellt. Nur bei den
Motoren waren sie auf fremde Hilfe angewiesen. Insgesamt hat Werner
Schwärzel sieben Rennmaschinen mit seinem Team gebaut. Zu den guten
Geistern im Team gehörten Reinhard Roll aus Wittenweier, der
Kunststoffexperte, sowie Heinrich Rennwald aus Marlen. »Ohne diese
beiden Motorsportfreunde hätten ich und meine Beifahrer das knallharte
Programm nicht bewältigen können«, so Werner Schwärzel im Gespräch mit
dem Lahrer Anzeiger. Tag für Tag standen die beiden Freunde mit
Schwärzel abends nach 19 Uhr in der Werkstatt und schraubten nicht
selten bis nach Mitternacht. »Ich bin bis heute mit beiden
Bordmechanikern befreundet und wir treffen uns alle zwei Wochen, um von
alten Zeiten zu reden«, erzählt Schwärzel weiter. Auf sein kleines Team
konnte er sich blind verlassen.
Mit Karl-Heinz Kleis, dessen Tod ihn vor wenigen Wochen schwer
getroffen hat, holte Schwärzel in den Jahren 1973 und 1974 die
Vizeweltmeisterschaft sowie die Deutsche Meisterschaft.
Mit Andreas
Huber (Foto links und Farbfoto unten) war Schwärzel jeweils 1975, 1976 und 1984 Vizeweltmeister. Hinzu
kamen bei den Weltmeisterschaften ein dritter Platz 1977, 1978 Platz
vier, 1979 Platz sechs und 1980 und 1981 jeweils ein fünfter Platz.
Krönung für das Gespann Schwärzel/Huber war 1982 der Weltmeistertitel.
In dieser Zeit wurden die beiden Freunde auch achtmal Deutscher
Meister. In der Rennsaison 1985 wurde Schwärzel mit Beifahrer Fritz
Buck noch einmal Vizeweltmeister und holte abermals den Titel eines
Deutschen Meisters. Der Nürburgring und die Strecke im holländischen
Assen waren
übrigens seine Lieblingsstrecken.
Es war eine einmalige Karriere für den Mann aus dem Ried, zumal sein
Rennteam auch lange Zeit ohne Sponsoren auskommen musste. »Die Firma
Uhl aus Schutterwald hat uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten stark
unterstützt, ebenso die Firma Krauser aus Bayern. Und da war auch noch
Gerhard Schulz aus Meißenheim, der abends plötzlich in der Werkstatt
erschien und etwas zu trinken mitbrachte, da wir manchmal vor lauter
Arbeit nicht ans Trinken dachten«, lacht Schwärzel.
Werner Schwärzel hat nach seiner aktiven Zeit als Gespannfahrer bis
heute an Rennmotoren gebastelt und gearbeitet und wird immer noch von
Motorradfreunden aufgesucht. Er überholt ihre Rennmotoren oder bastelt
Oldtimermotoren zusammen. Sein Name birgt für Qualität in der Szene –
auch heute noch. In seiner Werkstatt tummelten sich auch nach der
Rennkarriere viele namhafte Motorradsportler. Unter anderem betreute
der Meißenheimer lange Zeit den Vizeweltmeister im Motocross Pit Bayer.
Trotz der großen Erfolge ist der Meißenheimer immer bescheiden und
sympathisch geblieben. »Ich weiß, wo ich herkomme, und bei uns wurde
das Familiäre eben immer groß geschrieben«, so der ehemalige
Gespannfahrer. Seine Familie habe immer hinter ihm gestanden. Ebenso
konnte er sich der moralischen Unterstützung seiner vielen Fans aus der
Region bei den Rennen sicher sein. »Ich würde heute alles wieder so
machen, auch wenn ich auf vieles verzichten musste«, bilanzierte
Schwärzel zum Schluss des Gesprächs.
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