Das Schleizer Dreieck

und die Gespann-Weltmeisterschaft...

...das passt !

© Fotos: Frank Bischoff

Auf der ältesten deutschen Straßenrennstrecke wurde vom 7.-9.Mai ein richtig feines Rennsport-Menue geboten: sozusagen als Vorspeise gab es einige Solorennen um die Schweizer Meisterschaft, den MZ-Cup und weitere Rennen. Die Hauptspeise waren die beiden Läufe der Seitenwagen - Weltmeisterschaft und, sozusagen als Nachspeise, konnte man viele, sehr viele Fahrer und Beifahrer der ehemaligen Sidecarszene genießen. Das Foto oben links zeigt die letzten Sieger des Gespannrennens 1959 - Scheidegger/Burkhardt.

Das Rennen wurde seinerzeit wegen eines Massenunfalls, bei dem es zwei Todesopfer gab, abgebrochen und es sollten mehr als vier Jahrzehnte vergehen, bis sich der Seitenwagenrennsport wieder am Schleizer Dreieck (2004) präsentieren konnte. Übrigens, der Beifahrer des damaligen Siegergespannes, Horst Burkhardt aus Hechingen, war ebenso in Schleiz anwesend wie auch ein weiterer Aktiver des angesprochenen Rennens, der spätere vierfache Seitenwagen - Weltmeister Max Deubel.

Das Foto rechts drückt so richtig die Stimmung aus, die an diesem zweiten Maiwochenende des Jahres 2010 am Schleizer Dreieck herrschte. Die Kritiker möchte ich schon jetzt um Nachsicht bitten, wenn ich mich in meiner kurzen Nachbetrachtung dieser Veranstaltung auf die Hauptspeise, sprich die beiden WM-Rennen und das Dessert, also die "Ehemaligen", beschränke.
Kurt Hock mit Enrico Becker Aus deutscher Sicht besonders erfreulich war natürlich das erfolgreiche Abschneiden des Gespannpaares Kurt Hock mit Enrico Becker im "Boot" (Foto links). Besonders beim Sprintrennen über die halbe Renndistanz zeigte Kurt Hock und sein Co-Pilot eine beeindruckende Leistung. Mit nur 4 Sekunden Rückstand zu den amtierenden Weltmeistern, den Birchall-Brüdern, zeigte das Hock-Gespann was in ihnen steckt. Immerhin distanzierten sie dabei ihren Teamgefährten Tim Reeves um fast 15 Sekunden und der Engländer ist als Ex-Weltmeister nun wirklich kein Unbekannter. Erwähnenswert sei an dieser Stelle auch ein zweites deutsches Gepann: Mike Roscher mit Beifahrer Andy Wolfram. Sie haben in ihr LCR-Gespann in dieser Saison erstmals einen BMW-Motor eingebaut und das scheint zu funktionieren, wie die Plätze 5 und 6 belegen.
die Birchall Brüder
Ben Birchall, welcher am Samstag zusammen mit Bruder Tim, noch relativ souverän das Sprintrace gewonnen hatte, war nach dem Rennen am Sonntag schon ein wenig ratlos. Nach etwas schwächeren Start kämpfte sich das englische Bruderpaar immer näher an die durch einen Blitzstart führenden Päivänta/Hänni heran und die Zuschauer spekulierten schon, wann der Überholvorgang passieren würde. Doch weit gefehlt. Mit stoischer Ruhe und vor allem mit viel Tempo wehrten sich die "Oldies" aus Finnland und der Schweiz und fuhren letztlich einen verdienten Sieg nach hause. Im rechten Bild betreibt Ben Birchall eine erste Rennanalyse zusammen mit Exweltmeister Steve Abbott. Vermutlich kamen sie zu dem Ergebnis, dass sich exzellente Leistung und ein gewisses Alter nicht ausschließen müssen. Gleiches gilt natürlich auch für den Hesse Kurt Hock. Bei all dem sollte man nicht vergessen, dass der Schweizer Hänni noch am Sonntag früh wegen starker Zahnschmerzen einen Zahnarzt aufsuchen wollte. Das Rennadrenalin ließ aber dann alle Schmerzen vergessen. Das soll aber jetzt kein Tipp sein wie man Zahnschmerzen bekämpft...
Sieger Schleiz 2010 Die Sieger des Goldrace (linkes Bild) präsentieren sich den Fotografen. Von links zu sehen Ben Birchell mit Bruder Tom Birchall, Pekka Päivärinta aus Finnland mit seinem Beifahrer aus der Schweiz Adolf Hänni, Tim Reeves aus England und dessen französischer Beifahrer Gregory Cluze.

Nach der Hauptspeise gilt es jetzt ja auch noch das Dessert zu servieren. Der siebenfache Gespann-Weltmeister aus der Schweiz, Rolf Biland, hatte sich da schon, in Verbindung mit den Veranstaltern aus Schleiz, einiges einfallen lassen. In die Tat umgesetzt wurde dieses Gala-Dinner am Samstag Abend im Festzelt. Bei dieser Gelegenheit hatte man auch gleich die Siegerehrung des Sprintrennens vom Nachmittag vorgenommen. Überhaupt schien die Kombination von "Ehemaligen" und noch Aktiven bestens zu funktionieren. Jedenfalls kamen an dem Wochenende die Autogrammsammler voll und ganz auf ihre Kosten und auch fü Schnappschüsse war reichlich Gelegenheit. nach der Zieldurchfahrt So wedelte Adolf Hännis Tochter begeistert mit der finnischen Flagge, während im Hintergrund offenbar zwischen Pekka Päivärinta und Adolf Hänni bereits die ersten Rennanalysen vorgenommen wurden.

Interessante Schnappschüsse konnte man auch mit und bei den älteren Herrschaften machen. Unten links sehen wir Rolf Biland und seinen früheren Beifahrer Kenny Williams. Mit einem Lächeln steht Egbert Streuer aus Holland, auch ein Exweltmeister, daneben. Bestimmt ging es da um die bei solchen Treffen übliche Sprachregelung: "weißt du noch, damals...".

Im Austausch der Meinungen zwischen Historie und Moderne befinden sich im Bild unten rechts die Vertreter dieser Kategorien, nämlich Tim Reeves und Derek Jones, beides Engländer und beide als Personen ihrer jeweiligen Epochen.
     Besonders erfreulich war auch, dass man die Leute im Hintergrund, nämlich die Techniker, ebenfalls nicht vergessen hatte.
Der auf dem rechten Foto zu sehende Dieter Busch gilt dabei als einer der angesehendsten Männer im Gespannsport. So war er maßgeblich an den Weltmeistertiteln von Klaus Enders beteiligt, der übrigens von den Teilnehmern sehr vermisst wurde. Gleiches gilt auch für den Engländer Steve Webster.
Dieser Beitrag kann nur einen kurzen Überblick über eine rundum gelungene Veranstaltung geben. Stellvertretend für die vielen und jederzeit freundlichen Mitarbeiter (Einlassdienst, Streckenposten, und und und) dieser WM-Veranstaltung möchte ich noch Herrn Grimm und Jürgen Müller mit Familie nennen, die jederzeit und für alle - auch im Vorfeld - ansprechbar und hilfsbereit waren. Nicht ganz einfach bei der Vielzahl an Bitten und Wünschen, die an die genannten ständig einströmten.

Ein Sonderlob verdient auch noch "Bohni" Ralph Bohnhorst. Der einstige GP - Sieger und selbst noch aktiv im Rahmenprogramm moderierte glänzend die Vorstellung der geladenen Gäste am Samstag Abend im Festzelt. "Bohni", ein wirklicher Allrounder...

Ex-Weltmeister Bruno Holzer und Toni Wyssen beobachten das Geschehen (links außen)
Rolf Steinhausen im Gespräch mit Rainer Gundel und dessen Gattin
Vertreter der "alten Schule" - Horst Burkhardt und immer wieder Autogramme
Frühere Kontrahenten vereint - Werner Schwärzel und Rolf Steinhausen
Tim Reeves und Ricky Long
Als Gewinner darf man sich entspannen - Pekka Päivärinta
Max Deubel bei guter Laune
Einst zusammen als Team - Otto Haller und Rainer Gundel
Familienbande - Schwager Stefan und Adolf Hänni nach dessen Sieg

Dies war ein kurzer Rückblick auf Schleiz 2010 und die Rennen zur Seitenwagen - Weltmeisterschaft. Wie ich finde, eine gelungene Mischung zwischen Moderne und Tradition, garniert mit durchaus interessanten Zutaten, oder sollte man es "Rahmenrennen" nennen. Bei entsprechender Vermarktung genannter Kombination könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die Seitenwagenszene durchaus noch mehr Interessenten finden wird. Einen weiteren Versuch wäre es allemal wert.


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