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| Das Sachsenringrennen 1937 und die Jimmie Guthrie Kurzbiografie | |
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Auch wenn es erst 2012 zu verschiedenen weiteren Jubiläen ( 85 Jahre Sachsenring, 75. Todestag von Jimmie Guthrie ) am Sachsenring
kommen wird, so möchte ich doch bereits jetzt einen Versuch starten, die Erinnerungen an den Sachsenring 1937 zurück zu rufen. 1937 wurde der Sachsenring gerade einmal 10 Jahre alt. Verglichen mit der legendären TT auf der Isle of Man (1907) ein praktisch "jugendliches" Alter. Legt man den Maßstab von Internationalität zugrunde, dann war es erst das vierte Rennen von großer Bedeutung. Wie dem auch sei, es ist vermutlich auch nicht der Kurs selbst der ihn so einmalig macht, sondern wohl eher die Affinität der motorsportbegeisterten Sachsen zu "ihrem Sachsenring". So pilgerten auch an diesem 8. August des Jahres 1937 über 200 Tausend Besucher aus nah und fern zum Großen Preis von Deutschland, der 8,7 Kilometer langen Strecke nahe der Karl-May Geburtsstadt Hohenstein-Ernstthal. Angesagt hatten sich die besten Piloten der Zweiradszene. Was heute die Rossi´s und Co. sind, waren damals die Guthrie´s und Co.. Gefahren wurde in drei Klassen - 250cc, 350cc und 500cc - und was heute die Aprilias, Hondas und Yamahas sind, waren damals die Nortons, Moto-Guzzis, DKWs und BMWs. Der Fahrbahnbelag bestand aus Kopfsteinpflaster und die gefärlichen Teile der Strecken waren mit Strohballen gesichert - Sturzräume: Fehlanzeige. An den Straßenrändern stehende Bäume waren die "Wegbegleiter". Die Renndistanz betrug in der 350cc Klasse und auch in der Halbliterklasse 40 Runden ist gleich 344 Kilometer. In der Viertelliterklasse begnügte man sich mit 35 Runden, was aber immer noch eine Renndistanz von 301 Kilometer ausmachte. 26 Fahrer nahmen Aufstellung zum ersten Rennen des Tages, dem der Viertelliterklasse. DKW hatte seine drei Werksfahrer Ewald Kluge, Walfried Winkler und Bernhard Petruschke am Start, die sich auch für die erste Startreihe qualifiziert hatten. Als Vierter hatte sich noch der italienische Moto-Guzzi Star in die erste Reihe gefahren. Dahinter dann mit Sandri und Stanley Woods zwei weitere Guzzis. Ginger Wood, der Engländer auf einer Excelsior komplettierte Reihe zwei. Nach der ersten Runde hatten sich pfeilschnellen DKWs unter Kluge und Winkler schon ein wenig abgesetzt. Dahinter dann die beiden Italiener. Ein paar Sekunden schon zurück "Petrus" Petruschke. Als Sechster dann Hermann Gablenz. Sie werden sich vielleicht fragen: "Gablenz, das habe ich doch schon mal gehört"? Jawohl, das ist der Gablenz, der auch nach dem Krieg noch auf dem Sachsenring aktiv war - wie übrigens einige der hier am Start befindlichen Fahrer. Ewald Kluge steigerte das Tempo immer mehr. Es stand nämlich die Frage im Raum, ob er ohne einen Tankaufenthalt auskommen würde? Dann wäre dieser schöne Vorsprung dahin. Da er nach 16 Runden bereits einen Vorsprung gegenüber Tenni herausgefahren hatte, fuhr er in der 17. Runde an die Boxen. Er tankte, füllte Kühlwasser auf und nahm einen Kerzenwechsel vor. Nach der 20. Runde hatte er sich bereits wieder einen 6-Sekunden-Vorsprung gegenüber den Italienern herausgefahren. Er gab mit seiner 30 PS DKW weiterhin richtig Gas. Das Publikum machte sich schon auf eine Siegerehrung mit einem deutschen Fahrer an höchster Stelle des Podestes bereit. Doch dann kam die 29. Runde. Erst erblickten die Besucher eine Guzzi, dann die zweite. Wo war Kluge stellte sich allen die ängstliche
Frage. Offenbar hatten beide Italiener
irgendwo an der Strecke Ewald Kluge stehen sehen. Um nun das letzte Risiko, wegen fehlenden Treibstoffs in den letzten Runden auszuscheiden,
auszuschließen, kamen zuerst Tenni und dann Sandri an die Boxen, um noch "ein Schlückchen" aufzunehmen. Kluge, der nur eine Kerze
gewechselt hatte, ist ein richtiger Kämpfertyp. Bald hatte er seinen Rückstand wieder aufgeholt und sogar in der 32. Runde wieder einen
kleinen Vorsprung herausgearbeitet. Damit war das Rennen praktisch entschieden. Ab dem vierten Platz waren alle Fahrer überrundet, auch die weiteren
DKWs von Winkler, der Vierter wurde, vor Ginger Wood und Petruschke. Die Zielflagge hatten 14 Fahrer gesehen. Für die Gesamtdistanz hatte
Kluge 2 Stunden, 29 Minuten und 30 Sekunden benötigt.Das nachfolgende Rennen der 350cc Klasse war, wie erwartet, eine Norton - Angelegenheit. Mit dem Londoner Harold Daniell und "Crasher" White hatten die Engländer zwei Fahrer ins Rennen geschickt, die in Zivilkleidung auch gut und gerne als "Schulmeister" durchgegangen wären. Die Konkurrenz für diese beiden Herren bestand in den beiden Velocette Fahrern Ted Mellors und Ernie Thomas. Zwar war man sich auf deutscher Seite klar, daß gegen die Nortons wohl nichts zu machen sei, aber für den verbleibenden Podestplatz machte man sich auf NSU Seite schon Hoffnung. NSU, die Mellmann und den Amberger Fleischmann ins Rennen geschickt hatten startete also die Aktion "dritter Platz". Während an der das Norton Duo eng beieinander war und einsam ihre Runden drehten, dezimierte sich das NSU Duo sogar noch vor der Halbzeit des Rennens auf Heiner Fleischmann. Walter Mellmann hatte wegen eines Motorschadens die Waffen strecken müssen. So war also der Zieleinlauf eigentlich nur noch eine Formsache, sollte man meinen. Da die beiden Nortons so souverän führten, hatte man eingangs der letzten Runde an der Norton Box das Zeichen gegeben: ihr könnt wie ihr wollt. So entspann sich in der letzten Runde noch ein harter Kampf um den Sieg. Wie schon der Spitzname "Crasher" sagt, versuchte White alles. In der Queckenbergkurve versuchte er, Daniell auszubremsen. Offenbar war er aber etwas zu spät auf der Bremse. Er musste dadurch die Kurveninnenseite freimachen, was Daniell gerne annahm und als Sieger die Ziellinie überfuhr. White also Zweiter und Fleischmann brachte die unterlegene NSU auf den dritten Platz. Eine Galavorstellung lieferte der Berliner Hans Richnow (Foto oben) ab, der sich noch zwischen die zwei Velocettes schieben konnte und Fünfter wurde. Mit Spannung sah man nun dem Rennen der Halbliterklasse entgegen. Die große Frage lautete, ob Guthrie seine Erfolge aus den Jahren 1935 und 1936 wird wiederholen können oder ob die BMW Leute bereits eine ernst zu
nehmende Konkurrenz darstellen würden. Das Training deutete auf
letztere Vermutung hin. Gall und Ley hatten im Training jedenfalls überzeugt und auch Mansfeld mit der DKW hatte einen guten Traingseindruck
hinterlassen. Zuerst erschienen nach der ersten Runde die weißen Helme von Gall und Ley aus dem Waldstück nach dem "Heiteren Blick". Guthrie
ist Dritter vor Mansfeld und dem italienischen Guzzi-Star Omobono Tenni. Nach Runde zwei ist Guthrie an Ley vorbei gegangen und auch Norton´s
zweiter Fahrer Freddie Frith hat sich auf den vierten Platz nach vorn gefahren. Die Richtung war also bereits vorgegeben. Bereits in Runde vier
hat sich Guthrie an Gall vorbei auf den ersten Platz gesetzt. In der 15. Runde führt Guthrie vor Gall mit 12 Sekunden. Gall verfügt zwar
offenbar über die größere Endgeschwindigkeit, aber in den Bremszonen ist zu sehen wo Guthrie seine Zeit gutmacht. Nach der
Hälfte der Distanz lenkt Guthrie seine Norton zum Tankstopp an die Boxen. Ganze 25 Sekunden dauert der ganze Vorgang. Bei Mansfeld dauert
dieser Vorgang eineinhalb Minuten, da der Verschluß des Wassertanks klemmt. Gall hatte inzwischen eine Rekordrunde gefahren, aber er mußte
ja auch noch Tanken. Da er etwas zu weit über seine Box hinausfuhr mußte er seine Maschine wieder ein Stück zurücksetzen.
Als er dann noch zu allem Dilemma den Gang nur mühsam in den Leerlauf brachte war das Rennen praktisch entschieden. Eine Minute hatte dieses
Tohuwabou gekostet und das war gegen einen Mann wie Guthrie natürlich nicht aufzuholen. Nur zwei Runden waren noch zu fahren. Am Hinterrad
Guthrie´s "klebte" Kurt Mansfeld (auf dem rechten Bild mit Guthrie im Gesräch), welcher bereits überrundet war, sich aber
offenbar zurückrunden wollte. Am Start- und Zielplatz trägt man schon die britische Flagge zum mittleren Fahnenmast. Die Zuschauer hatten
sich schon auf den Siegerbeifall eingestellt. Doch was war das denn? Mansfeld kam alleine die steile Abfahrt in Richtung Ziel herab. Als dann Gall
als bisheriger Zweiter als Erster ins Ziel fuhr ahnte jeder, da muß etwas passiert sein. Zu erst dachte man an einen technischen Defekt
an der Norton. Der Gedanke war nicht so abwegig, denn Freddie Frith als zweiter Mann hatte kurz vorher seine Maschine wegen technischer Probleme
abstellen müssen. Dann kam die Meldung eines Unfalls in der letzten Runde. Nun gut, die häufigsten Rutscher gehen glimpflich ab, so die
Hoffnung des Publikums. Doch bald wurde alles zur traurigen Wahrheit: Jimmie Guthrie war in seiner letzten Runde schwer gestürzt. Er wurde
zwar noch intensiv behandelt bis es traurige Gewissheit wurde - das Herz dieses großartigen Fahrers und untadeligen Sportsmannes hatte
aufgehört zu schlagen. Derweil hatte man die Leute gebeten, mit dem Beifall für den Sieger zu warten bis Guthrie´s Zustand feststeht.
Schweigend wurde die Siegerehrung durchgeführt, die ja eigentlich keine war. Noch viele Jahre, ja Jahrzehnte wurde über die Unfallursache
spekuliert, doch so richtig ernst durfte man diese Spekulationen nicht nehmen und ich möchte mich daran auch nicht beteiligen. Fest steht
eigentlich nur, daß er keine Kopfverletzungen hatte, sowie beide Beine und ein Arm gebrochen war. Über mögliche innere Verletzungen
wird in keiner mir zugänglichen Quelle etwas erwähnt.So freudig wie der Tag begonnen hatte so traurig ging er leider zu Ende. Was aber über Jahrzehnte geblieben ist ist die Erinnerung an einen großartigen Rennfahrer und Sportsmann. Jimmie Guthrie, ein Leben mit und für den Rennsport
Jimmie wurde am 23. Mai 1897 in der schottischen Kleinstadt Harwick geboren. Er hatte noch 3 Geschwister, zwei Jungen und ein Mädchen. Sein Vater
hatte ein kleines Klempnergeschäft und stand den aufkommenden Motorrädern aufgeschlossen gegenüber. Einen ersten Schicksalsschlag hatte
die Familie Guthrie zu verarbeiten, als sein Bruder Archie mit 11 Jahren an Kinderlähmung erkrankte. Sein Vater, Jimmie Senior erwarb 1909 ein
erstes Motorrad, eine NSU mit 3,5 PS Leistung. Jimmie selbst wurde an seinem 18. Geburtstag zum aktiven Militärdienst eingezogen. Auf einem
Segelschiff ging es gleich zu ersten Kampfhandlungen nach Ägypten. Sie gerieten zwischen zwei feindliche Linien und von den 680 Männern
an Bord wurden 522 verwundet oder getötet. Jimmy kam als Verletzter nach Malta und war später bei dem erfolgreichen Sturm auf Jaffa und
Jerusalem dabei. Er hatte also erlebt der Gefahr "ins Auge zu blicken". Als er 1919, erstmals seit 4 Jahren wieder nach Hause gekommen war,
bemühte er sich erfolgreich um ein altes Heeresmotorrad und beteiligte sich damit an verschiedenen Veranstaltungen jeglicher Art. Bald merkte er,
daß er doch eigentlich schneller war als die meisten der Teilnehmer. Er besorgte sich eine AJS, mit der er bei einem Klubrennen - vergleichbar
vielleicht mit Ausweisrennen deutscher Prägung, gleich in vier Rennen einen Sieg und drei dritte Plätze errang. Dieser Juni-Tag 1922
war der eigentliche Beginn seiner erfolgreichen Karriere. 1924, bei einem Sandbahnrennen, schlug er sogar den damals etablierten TT-Star Jimmy Simpson.
Dann kam das Jahr 1927 und mit ihm sein erster Auftritt bei der TT auf der Isle of Man. Mister Price von dem Motorradhersteller New Hudson bot dem
Schotte eine Werksmaschine an und wurde nicht enttäuscht. Hinter dem zweimaligen TT Gewinner Alex Bennett gelang ihm auf Anhieb der zweite
Platz. Es wird geschrieben, daß sich zur Preisvergebung in der bekannten Villa Marina tolle Szenen abspielten. Mittendrin Jimmie. Eine
ungewöhnliche Situation für Jimmie, dem nachgesagt wurde, er sei ein wortkarger Mensch, der nie zwei Worte verwendete wenn er seine
Situation auch mit einem Wort ausdrücken konnte.Wegen seiner ungewöhnlichen Qualitäten erhielt er 1928 einen Werksvertrag von Norton - im Alter von fast 31 Jahren. Damit belegte er, in der 350cc Klasse, jeweils den zweiten Platz beim Deutschen Grand Prix und beim Grand Prix der Schweiz. 1931 kam dann der endgültige Durchbruch zur Weltspitze. Dabei gewann er zum Beispiel auch die Halbliterklasse auf der Solitude, mit einer Norton, nachdem er ein Jahr vorher ein "Gastspiel" bei AJS gegeben hatte. Norton war nun bis zum abrupten und tragischen Ende seiner Karriere praktisch seine Hausmarke geworden. Er gewann praktisch auf allen damals populären Strecken, wurde dreimal Sieger beim Großen Preis von Europa. Einer davon war der Deutsche Grand Grand 1936, der damals auch der Grand Prix von Europa war. Dieser wurde pro Jahr jeweils nur einmal ausgetragen und die jeweiligen Gewinner durften sich Europameister nennen. Erst 1938 führte man das Wertungssystem ein, wonach mehrere Rennen entsprechend der Platzierung mit Punkten bewertet wurden und am Jahresende der Fahrer mit den meisten Punkten die Meisterschaft gewann. Nachdem Jimmie 1937 bei der Junior TT (Klasse bis 350cc) den Sieg errang, im Berner Bremgarten in zwei Klassen (350cc und 500cc) die Großen Preise von Europa gewann und auch beim Belgischen Grand Prix siegte, kam dann der Deutsche Grand Prix auf dem Sachsenring... ![]()
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