Formel 1, was ist das...? Diese Frage stellt sich tatsächlich, wenn man den Motorrad-GP vom 14. bis 16.Juli 2006 besucht hat. Das alte und noch immer gültige Motto für echte Motorsportfreunde, mit der Betonung auf Sport, kann nur heißen:

Motorrad-GP auf dem S a c h s e n r i n g

zu Gast bei Kennern, Enthusiasten und Freunden.

Es liegt mir fern, die Leistungen aller Fahrer, inklusive der Sidecarpiloten, in irgend einer Weise herab zu würdigen. Was aber der "Dottore" im GP 1 - Rennen am Sachsenring, den er nicht zu seinen Lieblingsstrecken zählt, geboten hat, ist wohl nicht mehr zu überbieten. Selbst sein ärgster Konkurrent an diesem Tag, Marco Melandri, antwortete, gefragt nach den Gründen seines "nur" zweiten Platzes, knapp und präzise: "er, Rossi, war heute schlicht und einfach der Beste". Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dabei hatte der Sachsenring an diesem Wochende noch viel mehr zu bieten als Rossi: tolles Wetter, ein großartiges Publikum, welches erneut in Scharen zum Sachsenring strömte und natürlich Sport vom Feinsten, von den Cup-Rennen der Nachwuchsklasse bis hin zu den Sidecars und es war nicht nur eine nette Geste vom sächsisch-schweizerischen Gespann Mike Roscher und Adolf Hänni, wenn sie mit der Sachsenfahne zu sehen waren (linkes Bild), sondern auch ein ausdrücklicher Respekt an den Sachsenring mit seinem tollen Publikum.

An dieser Stelle drängt es mich, einigen Reportern, Moderatoren und Journalisten, die im Zusammenhang mit Seitenwagenrennen gerne vom "Altherrensport" sprechen und schreiben, eine Empfehlung auszusprechen: Fahren sie doch einfach einmal ein paar Runden im "gebremsten" Renntempo auf der "Plattform" eines Renngespannes mit. Die danach von ihnen benötigten Windeln würde ich gerne spendieren. Vielleicht haben sie hinterher sogar eine bessere Meinung über den "Altherrensport", falls sie dann überhaupt noch schreiben oder sprechen können.

Auf den ersten Blick wird man an den Bildern oben und rechts nichts Ungewöhnliches feststellen. Wir sehen oben von links nach rechts Andrea Dovizioso, Alex de Angelis und Hector Barbera, sowie rechts die Aoyama-Brüder Hiroshi und Shuhei. Alles Spitzenfahrer der 250 cc Klasse und es war nicht sonderlich schwierig, diese, wie auch Fahrer der anderen Klassen vor die Linse zu bekommen. Halt, hier sollte ich einige Einschränkungen hinsichtlich der GP 1 - Piloten machen. Da war es durchaus schwieriger, von diesen ein paar vernünftige Porträts "zu erhaschen", wie im Foto unten, wo sich Loris Capirossi und Sete Gibernau in der Ducati-Hospitality offenbar sehr freundschaftlich unterhalten. Auch wenn der Sachsenring sicherlich keine "Ducati-Strecke" ist, haben sich Capirossi mit dem fünften Platz und Gibernau, nach langer Verletzungspause erstmals wieder am Start, als Achtplazierter recht ordentlich präsentiert.

Trotz aller Hektik am Rennplatz, blieb auch das Familienleben nicht auf der Strecke. Während sich der Franzose Sylvain Guintoli (oben links) entspannt um seine Familie bemüht, im August wird geheiratet, findet auch Adolf Hänni zwischen Training und Arbeit noch Zeit, sich liebevoll seiner Tochter anzunehmen. Ja, es gibt auch noch die menschlichen Züge im harten Rennsportgeschäft und das erinnert den Autor sehr an die "gute alte Zeit", wo die Familienidylle im Fahrerlager nichts Besonderes war.

Zu dem Team möchte ich auch gehören, scheint hier Gabor Talmacsi zu denken (Foto links). Sollte der Ungar zufällig diese Seite sehen, möge er mir bitte diesen kleinen Spaß verzeihen.
Fakt ist jedenfalls, daß auch für die zahlreichen Besucher (Foto unten links) vieles an Unterhaltung geboten wurde. Mit etwa 220 000 Besuchern am gesamten Rennwochenende, davon reichlich 100 Tsd. am Rennsonntag, ist der Sachsenring wohl an seine Kapazitätsgrenze gestoßen, wie einige Funktionäre bemerkten. Nur am Freitag oder Samstag ist da noch "etwas Luft" nach oben. Das ganze Dilemma liegt einfach daran, daß der Sachsenring keine permanente Rennstrecke ist. Da helfen auf Dauer auch keine Millionen-Investitionen und es bleibt nur zu hoffen, daß das großartige Publikum auf Dauer ausschlaggebend sein wird, den deutschen Grand Prix in Sachsen zu belassen.
Natürlich konnte man auch wieder eine Vielzahl "Ehemaliger" begrüßen. Auf dem Foto unten links sehen wir Exweltmeister Alex Criville (zweiter von rechts), der sich gerne mit einigen Rennsportanhängern fotografieren ließ, wie auch Frank Wendler mit Frau. Er hatte zwar das Talent für eine internationale Karriere, aber die damaligen politischen Umstände erlaubten das leider nicht. Jetzt ist er an gleicher Stelle im Verkehrssicherheitszentrum beschäftigt.
Einige einst Aktive wie zum Beispiel Steve Parrish (links) waren allerdings mehr dienstlich am Sachsenring. Er zum Beispiel als Co-Kommentator für die BBC, während Max Deubel (rechts), der vierfache Sidecarchampion, als Sportkommisar für die FIM tätig war. So war ja im letzten Sidecar-Rennen auch der Protest des Finnen Tero Manninen zu behandeln. Wegen unfairer Fahrweise wurden die Reeves-Brüder mit einer 20 Sekunden Strafe
belegt, was ihnen den Sieg kostete, den dadurch Manninen mit seinem Beifahrer Pekka Kuismanen errang. Auf dem Foto unten rechts begutachtet der Finne boch einmal die Szene auf der großen Videoleinwand, während sich die Franzosen Sebastien Delannoy mit Beifahrer Remy Guignard zu recht über ihre beiden Podestplätze bei den Sidecars freuten.

Nicht nur die Autogrammjäger waren aktiv, sondern auch die Akteure, welche erstmals am Sachsenring waren, wie im Foto links der Engländer Richard Long, Beifahrer von Bill Philp. Er war
bemüht, seine Eindrücke mittels Foto-Handy festzuhalten. Inzwischen hatte man beim Superstar Rossi in seinem "Wohnzimmer", sprich Boxe (Foto oben rechts) bereits aufgeräumt - mit Erfolg, wie sich beim Rennen heraus stellen sollte.
Sichtlich angetan von der Atmosphäre am Sachsenring und von den Leistungen seiner Fahrerkollegen war auch der Australier Troy Corser, Star in der Superbike-Szene. Dabei bezieht sich das "Star" nur auf seine sportlichen Leistungen. Menschlich zeigte er keinerlei "Starallüren", war zu jedermann nett und freundlich und erklärte sich auch gerne für ein Erinnerungsfoto bereit, wie hier mit meinem Freund Frank Bischoff - ein Australier eben.

Jetzt bin ich auch schon fast am Ende mit dem Sachsenring-Rückblick 2006. Es würde mich freuen, wenn den Besuchern meiner Website diese kurzen Statements meinerseits ein wenig gefallen haben. Dank sagen möchte ich auch an Frank und Jürgen, die beide einige Bilder zu dem kurzen Rückblick beigesteuert haben. Wenn dieses Jahr die Fahrer der Achtelliterklasse in dem kleinen Bericht etwas zu kurz weggekommen sind, so liegt das nicht etwa an einer Geringschätzung derer Leistungen, sondern weil ich mich einfach mit meinen Ausführungen etwas beschränken muß (Ladezeit der Seite). Auf den Fotos unten möchte ich noch einige der Helden des Jahrgangs 2006 vom Sachsenring in Aktion vorstellen.
Auf den Fotos oben sind zu sehen: Nicky Hayden (links ganz oben), USA, Daniel Pedrosa (rechts ganz oben), Spanien, Marco Melandri (links oben), Italien und Valentino Rossi (rechts oben), Italien

Auf Wiedersehen am Sachsenring 2007

Im Foto unten links das Siegertrio der Achtelliterklasse. Mattia Pasini führt vor Alvaro Bautista und Lukas Pesek. Im Bild daneben führt noch Hector Barbera in der Viertelliterklasse. Auf Verfolgung befinden sich Yuki Takahashi, der spätere Sieger, Jorge Lorenzo und Andrea Dovizioso. Zu dem Zeitpunkt hatte sich Alex de Angelis bereits einen Vorsprung heraus gefahren. Er wurde aber dann auf der Ziellinie von Yuki Takahasi noch eingefangen.

Homepage