Wer jetzt noch zweifelt, wo sich die deutsche Motorradrennsport-Hochburg befindet, ist selber schuld. Selbst der Wettergott, der die Rennsportanhänger dieses Jahr gewiss nicht mit Sonnenschein verwöhnt hatte, bekundete für die Rennsporttradition  des Sachsenrings seine Sympathie und ließ die Sonne das gesamte Wochenende bei strahlend blauen Himmel ihre "Arbeit" verrichten. Die Rennsportfreunde bedankten sich dafür mit Rekordbesuch (seit der "Auferstehung" des Sachsenrings 1998) von über 207 000 Besuchern an den drei Veranstaltungstagen. Auch die Aktiven schlossen sich der allgemeinen Hochstimmung an und boten Rennsport vom Feinsten.

Der Sachsenring rief und auch viele "Ehemalige" kamen. Sie waren als Besucher da, oder sind in irgend einer Form noch mit dem Rennsport verbunden. So war der Stuttgarter Wolfgang Müller (im Foto der zweite von links), 1978 WM-Vierter in der 50 ccm Klasse, erstmals am Sachsenring und von der Begeisterung der Leute in dieser Region angetan. Auch seine mitgereiste Ehefrau und ein befreundetes Ehepaar vertraten die gleiche Meinung.
Zudem eignete sich auch das im nahegelegenen Grünfelder Park in Waldenburg gelegene Grünfelder Schloß für ein gemütliches Plauderstündchen, respektive erholsame Übernachtung.

Einer der Ehemaligen, die noch aktiv dabei sind, ist der jetzt bei Kawasaki als Fahrwerksmann tätige Schweizer Eskil Suter (Foto oben links).

Der im Foto rechts (mit erhobener Hand) zu sehende Spanier Jorge Martinez ist sogar "Teambesitzer".

Zwar hat (im linken Bild) der Italiener Andrea Ballerini das Lächeln noch nicht verlernt, aber er hätte allen Grund dazu. Im letzten Jahr gewann er noch einen Grand Prix und jetzt wurde er wegen Erfolglosigkeit vom Dienst suspendiert. Sollte sich da nicht auch manches Team hinterfragen, ob es dort immer gut läuft - siehe den "Fall Roberto Locatelli". Bei KTM entlassen, fährt er plötzlich wieder um den Titel mit.
Keinen Grund den Blick nach unten zu richten hat eigentlich im rechten Foto Mike di Meglio. Bei ihm scheint es doch eher aufwärts zu gehen.


Wer hier für wem hält ist nicht schwer zu erraten. Hinter der 46 befinden sich natürlich die zahlreichen Rossi-Fans und hinter der amerikanischen Flagge sollten sich die Nicky Hayden Fans postiert halten. Auch wenn es das Jahr nicht wie erhofft läuft, der Einheimische Steve Jenkner hat noch immer seine zahlreichen Anhänger - ja, ja, die Sachsen.

Natürlich stieg die Spannung von Tag zu Tag und von Minute zu Minute. Was würde der Grand Prix am Sachsenring 2004 für Rennen bereit halten. Es sei gleich vorweg genommen - es gab spannende Rennen in allen Klassen zu sehen und wohl keiner der Zuschauer brauchte seinen Besuch zu bereuen.
Einen brauchbaren Start hatte Steve Jenkner mit der 21 hingelegt, aber auch bei den anderen Fahrern blieb keiner direkt "hängen". So bahnte sich wieder das an, was in der Achtelliterklasse schon fast Gewohnheit geworden ist - ein starker Spitzenpulk formierte sich und mittendrin , teilweise sogar an der Spitze, Steve Jenkner. Wer will es den Fans da verübeln, wenn sie ob dieser Rennsituation fast aus dem Häuschen waren.
Eigentlich gut vorstellbar, bei dieser notwendigen (!) Blickrichtung der Fahrer die Flaggensignale hinter den breiten Kiesbetten zu übersehen.

Wie sagte doch, etwas abgewandelt, einst ein Fußballer: erst hatte er kein Glück (bei Jenkner Gang "verloren") und dann kam auch noch Pech dazu (er und Simoncelli gelbe Flagge übersehen).
Während es für WM-Spitzenreiter Andrea Dovizioso (Nr. 34) am Ende des Rennens zum vierten 4.Platz in dieser Saison langte, war Jenkners Teamgefährte, der auch die gelbe Flagge übersehen hatte, am Ende natürlich ebenso chancenlos wie Jenkner selbst. Das Rennen gewann nach einer furiosen Aufholjagd Roberto Locatelli (Nr. 15) aus Italien, vor den beiden Spaniern Hector Barbera und Angel Nieto,jun.

Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle, die bravouröse Fahrt des Einheimischen Patrick Unger (Nr. 39) vom an der Strecke gelegenen Motorradhaus Unger zu erwähnen. Mit nicht mehr ganz taufrischen Material ausgestattet, konnte er letztlich noch immer einige Etablierte hinter sich lassen. Für ein WM-Pünktchen sollte es am Ende leider aber doch nicht reichen. 

Das anschließende Rennen der Viertelliterklasse brachte nicht ganz die erwartete Spannung. Daniel Pedrosa setzte sich gleich zu Beginn des Rennens vom Feld ab und wurde erst am Rennende wieder gesehen. Der einzige Fahrer welcher einigermaßen folgen konnte war der Argentinier Sebastian Porto und hätte eben jener Porto in der bisherigen Saison nicht einige kleine Fehler gemacht und auch noch Pech gehabt, er wäre wohl Pedrosa´s einziger ernsthafter WM-Gegner gewesen. So scheint die WM für den kleinen Spanier bereits gelaufen zu sein. Mit viel Kampf erfuhr sich Roberto Rolfo (Nr. 2) aus Italien noch den sechsten Rang. Da befand sich allerdings Sebastian Porto bereits auf seiner verdienten Ehrenrunde.

Die GP1 Klasse versprach viel Spannung. Darüber waren sich eigentlich alle Fachleute einig. Da war natürlich in erster Linie Valentino Rossi unter den Favoriten genannt, der mit der Yamaha enorme Fortschritte gemacht hat und dem noch der Lapsus des letzten Jahres anhaftete, als er sich von Gibernau austricksen liess. Dann waren noch natürlich Gibernau als einer der Favoriten anzusehen und natürlich Max Biaggi, dessen Konstanz und auch Form dieses Jahr frappierend ist. Ganz vergessen durfte man natürlich auch die Leute vom offiziellen Honda-Team nicht, denn auch dort sind Fortschritte nicht zu übersehen.
Es kam dann auch so, wie es die Prognosen erwarten liessen. Zu den vermeintlichen Podestfahrern hatte sich zudem noch Carlos Checa gesellt, der aber wieder einmal stürzte und somit ausschied. Gleiches gilt auch für Gibernau, dem das Glück im Moment auch nicht gerade an den Fersen klebt.

Max Biaggi derzeit in Hochform und noch dazu klug fahrend.
Nachdem Valentino Rossi, aus welchen Gründen auch immer, das Tempo von Max Biaggi nicht mehr mit gehen konnte, entpuppte sich plötzlich der Brasilianer zum härtesten Konkurrenten von Biaggi (linkes Bild). Nur ist der Römer derzeit in so bestechender Form, dass er Barros keine Siegchance liess. Zwar hatte der Brasilianer bei seiner Verfolgungsjagd die schnellste Runde gefahren, doch Biaggi wehrte jeden Angriff ab.
GP1-Siegerehrung (von links): Alex Barros - Max Biaggi - Nicky Hayden
letztgenannter Amerikaner hatte noch in der letzten Kurve die verzweifelten Versuche von Valentino Rossi, doch noch den dritten Platz zu erreichen, erfolgreich abgewehrt. Für seine schnellste Runde erhielt dann Alex Barros aus den Händen von Hohensteins Bürgermeister einen Ehrenpreis in Form eines goldenen Rings (Foto unten).


Sete Gibernau

Valentino Rossi
Colin Edwards überzeugt erneut durch Beständigkeit - Marco Melandri schied durch Sturz aus
Alex Hofmann erstmals mit der Kawasaki unter den ersten zehn Plätzen
Während Biaggis Autogramme nach dem Sieg wieder nachgefragt waren, kämpft sich Michele Fabrizio ins Ziel

Das war für diesmal ein Bericht des vom Wetter und den Akteuren verwöhnten deutschen Motorrad Grand Prix auf dem altehrwürdigen Sachsenring, der etwas kürzer ausfiel als geplant.
Für die Bereitstellung mehrerer Fotos möchte ich mich bei Jürgen Müller aus Schleiz ganz herzlich bedanken, da man mir leider, seitens der Veranstalter, einige Schwierigkeiten beim Fotografieren machte.


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