Das Sachsenringrennen 1957Regenrennen in Hohenstein-ErnstthalText und Fotos: Günter GeylerDas Sachsenringrennen 1957 bescherte den ostdeutschen Motorsportfreunden wieder gut besetzte Motorradrennen und nach einjähriger Pause einen Lauf der Formel 3 Rennwagen. Viele talentierte Privatfahrer aus dem In- und Ausland kamen ebenso wie die BMW-Gespannweltmeister Friedrich Hillebrand und Manfred Grunwald sowie ihre Verfolger Walter Schneider und Hans Strauß. Auf einen weiteren ganz großen BMW-Fahrer hatten sich die Fans vergeblich gefreut, obwohl er im Programm der 500er Soloklasse mit seiner seit Jahren bekannten Dauerstartnummer 21 stand: Walter Zeller, der Sachsenringsieger von 1955 und 1956. Aufgrund des plötzliche Todes seines Bruders kurz vor dem Sachsenringrennen musste er sich vorerst vom aktiven Rennsport zurückziehen.
Und noch ein Favorit fehlte: MZ-Spitzenfahrer
Horst Fügner. Er kurierte die Sturzverletzungen vom vorangegangenen Nürnberger
Norisringrennen aus. MZ-Rennleiter Walter Kaaden setzte auf Fügners verwaisten 250er
Zweizylinder - Zweitakter den Viertakt-Spezialist Hans Joachim Scheel.Nachdem sich auch das Ingolstädter DKW-Werk Ende 1956 vom Rennsport zurückzog, war MZ bei den Solo-Motorrädern das einzige Werksteam. Die Zschopauer hatten die Leistung der 125er Einzylinder-Drehschiebermaschine auf 17,5 PS bei 9500 U/min gesteigert und brachten außerdem ein neu konstruiertes 250er Zweizylinder-Motorrad auf die Piste. 32 PS bei 9000 U/min leistete die Maschine, die aber leider noch die so genannten Kinderkrankheiten zeigte. Ernst Degner (Foto oben), mit seinem geringen Körpergewicht der ideale Fahrer für die Achtelliter-MZ, war bei den „Kleinen“ die Nummer eins. (In der 250er Klasse nahm der verletzte Horst Fügner den Spitzenplatz im Zschopauer Werksrennstall ein). Ihnen zur Seite standen noch Werner Musiol und Walter Brehme. Der Renntag begann mit dem Lauf der 350er Solomaschinen. Der Sachsenring-Sieger von 1955, Helmut Hallmeier aus Nürnberg, ging diesmal mit einer auf 305 ccm aufgebohrten NSU-Sportmax an den Start und fuhr mit Bravour seinen Konkurrenten davon. Die Norton- und AJS-Piloten versuchten vergeblich, Anschluss zu wahren, doch der Nürnberger zeigte sich an diesem Tag unschlagbar und vergrößerte von Runde zu Runde seinen Vorsprung. Valdemar Lundberg (Schweden) und Bob Matthews (Irland) kämpften bis zum Ausfall
Lundbergs um den zweiten Platz. Gustav Havel aus der CSR, der erst
als Vorletzter seine Zweizylinder-Jawa zum Laufen brachte, holte sich nach dem
missglückten Start einen Rivalen nach dem anderen und lag im Ziel auf Platz
drei hinter Hallmeier (Foto rechts) und dem Norton-Fahrer Matthews.Im Rennen der 125er Klasse erwartete das Publikum einen Dreifachsieg von MZ. Der Zschopauer Ernst Degner, der zuvor schon sieben Rennen im In- und Ausland gewonnen hatte, erwies sich seiner Favoritenrolle gerecht und siegte auch in Hohenstein-Ernstthal überlegen, allerdings vor dem Saarländer Willi Scheidhauer auf der Doppelnocken-Ducati und dem BRD-Meister Karl Lottes aus Marburg, der die Vorjahres Werks-DKW steuerte. Die Maschinen von Brehme und Musiol begannen zu „stottern“ und fielen infolge falscher Vergasereinstellung aus. Für die kühle Witterung waren sie zu „fett“ eingestellt. Sehr viele NSU-Sportmax-Piloten, ein paar Adler-Fahrer und die zwei MZ-Akteure Ernst Degner und Hans-Joachim Scheel gingen im Lauf der Viertelliterklasse an den Start. Bald begann es mächtig zu regnen, und es folgte ein fürchterlicher Wolkenbruch! Die bedauernswerten Rennfahrer rauschten mit ihren Motorrädern wie Schnellboote um den Kurs. Um brauchbare Aktionsfotos aufzunehmen fehlte mir bei diesem Lauf eine Unterwasserkamera! Walter Reichert aus Ingelheim, der frühere NSU-Werksfahrer (1953), kam mit diesen schlimmen Wetterbedingungen am besten zurecht und fuhr einen überlegenen Sieg heraus. Der Frankfurter Günter Beer steuerte seine Adler auf Platz zwei vor dem NSU-Mann Roland Heck aus Stuttgart und weiteren privaten NSU-Leuten. Ernst Degner, der die 250er Zweizylinder MZ nicht besonders liebte, fiel mit Getriebeproblemen aus, ebenso sein neuer Kollege Hans-Joachim Scheel, der nach diesem Rennen nie wieder auf einer MZ saß. Das Rennen der Halbliterklasse lief im Regen. Hierbei bewies der Österreicher Gerold Klinger auf seiner privaten BMW, dass er ein talentierter Schlechtwetter-Fahrer und sein Sieg über Walter Zeller beim Regenrennen in Salzburg kein Zufall war. Klinger (Foto links) fuhr, als gäbe es kein nasses
Kopfsteinpflaster und vergrößerte von Runde zu Runde die Distanz zu seinen Verfolgern,
von denen bis zu seinem Ausfall der Ire Austin Carson auf Norton durch seine
beherzte Kurvenfahrt auffiel. Platz zwei „erbte“
dann der Bayer Alois Huber mit
der BMW vor dem Norton-Mann Bob Matthews. Der Franke Ernst Riedelbauch
begeisterte die Massen bei seiner Aufholjagd: Nach schlechtem Start kämpfte er
sich auf der BMW bis zum vierten Rang vor.Vor dem Sachsenringrennen gewannen die Amberger Seitenwagen-Weltmeister Friedrich Hillebrand und Manfred Grunwald (Foto unten) 1957 die WM-Läufe in Hockenheim, Douglas und Assen sowie die Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings, auf dem Nürnberger Norisring und im Leipziger Stadtpark. Diesmal mussten sich die Champions von den Vizeweltmeistern Walter Schneider und Hans Strauß aus Weidenau geschlagen geben, da sich im Verlauf des Rennens in ihrer Maschine Getriebeprobleme bemerkbar machten. Ihr zweiter Platz vor Helmut Fath mit Beifahrer Rudolf (Ursenbach) war in dieser „BMW-Klasse“ nie gefährdet.
Eine Woche nach diesem Rennen
verunglückte das Weltmeistergespann in Bilbao (Spanien). Friedrich Hillebrand
verlor dabei sein Leben.Obwohl sich im Feld der Formel 3 Rennwagen (bis 500 ccm) einige farbige Autos befanden, verlief das Rennen farblos: Der frühere BRD Motorrad- Sandbahn-Meister Kurt Ahrens,sen. aus Braunschweig fuhr mit seinem Cooper einen Start-Ziel-Sieg vor seinen Cooper-Rivalen, dem Holländer Lex Beels und dem Frankfurter Phillip Meub, heraus. Lediglich die Positionskämpfe der DDR-Fahrer Willy Lehmann und Heinz Melkus brachten etwas Spannung in den Lauf dieser kleinen, aber reichlich 200 km/h schnellen Rennfahrzeuge. |
![]() ![]() Kurt Ahrens - Fips Meub (beide Deutschland) |