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Gustav Reiner3-facher Deutscher MotorradmeisterGedanken von F.J. Schermer |
Es fällt mir schwer zu glauben, dass der Gustl tot sein soll, mit 54 ist es
noch viel zu früh, doch es ist wahr und man macht auch keine Zoten damit: Jeder
Tod ist endgültig und nun hat es den Gustl erwischt, durch Herzstillstand -
ausgerechnet der, der als "unzerstörbar" galt: Runterfliegen, Knochen
brechen, aufsitzen, weiterfahren. Dazwischen hat er Bier getrunken und
Zigaretten geraucht (meistens gedrehte) und sich gefreut: Gustl hat meistens
gelächelt, er hatte ein sonniges Gemüt, wenngleich er auch immer ziemlich viele
Falten auf der Stirn hatte, was wohl vom Nachdenken kam: "Woher bekomme
ich Sponsoren, wie kann ich meine Rundenzeiten verbessern?"
Wusstet Ihr eigentlich, dass Gustl seine Karriere mit einem BMW-Boxer in der ZuVi
begonnen hat? ZuVi's waren in den 70er- und 80er-Jahren sehr beliebt, man konte
mit straßenzugelassenen Motorrädern echte Wettbewerbe fahren:
"Zuverlässigkeits-Wettbewerbe" über rund 400 km, innerhalb einer
bestimmten Zeit soundsoviele Runden fahren, dann an der Box halten, Zeit
stempeln, km-Stand eintragen, tanken, weiterfahren. Und kurz nach der
Mittagspause kam die "Sprintprüfung" über soundsoviele Runden; die
dafür benötigte Zeit in Sekunden ergab die "Anzahl der Strafpunkte". Je
weniger Strafpunkte man hatte, desto weiter vorne war man - der Sieger einer
Klasse hatte also die wenigsten Strafpunkte, war also der Schnellste (bei den
"1000 km Hockenheim" alljährlich an Ostern ist es noch so ähnlich).Für Gustl war das nix, da musste man ja denken und planen; er setzte sich bald auf "richtige Rennmotorräder", fuhr JuPo und DM, bald danach kam er in die WM. Yamaha TZ (250er- und 350er-Zweizylinder) und Suzuki RG (500er-Vierzylinder); auch Honda RS 500 fuhr er (500er-Dreizylinder). Darauf konnte man Gas geben und schräg fahren, und wenn die schwarz-weiß-karierte Flagge fiel, dann war das Rennen vorbei. Wenn man nicht runtergefallen war ...
Rasch wurde Gustl zum Publikumsliebling und hieß nur noch
"Kamikaze-Gustl". Vom Eisenbieger zum (deutschen) Superstar - Gustl
konnte seinen Job als Betonbauer auf der Baustelle aufgeben und nur noch Rennen
fahren - welch ein sozialer Aufstieg; vom Baugrubler zum Helden von tausenden
Fans - und das meine ich wirklich nicht spöttisch, sondern mit allem Respekt
vor dem Gustl aus Bietigheim, einer Kleinstadt im (oftmals spießigen)
Schwabenland, von wo er auszog die (Renn-)Welt zu erobern. Barry Sheene und
Boet van Dulmen wurden seine Freunde, die rauchten auch und tranken Bier, und
wenn man es im Nachhinein betrachtet, dann fuhr der Gustl am liebsten deswegen
die 500er-Klasse, weil die spät am Tag dran war; er konnte also ausschlafen.
50er oder 125er wäre nix für ihn gewesen!Für den WM-Lauf 1980 (??) in Hockenheim hätte er eine Werks-Yamaha TZ 500 bekommen sollen aus dem Fundus des Kenny-Roberts-Teams, aber als er sie doch nicht bekam, gestand er: "Hätte ich dieses Motorrad bekommen, hätte ich gewonnen - oder wäre tot gewesen; die Chance, unsterblich zu werden, hätte ich mir nicht nehmen lassen!" So war er und so lebt er weiter in mir, ein im Grund seines Herzens grundehrlicher Mensch, der den Mut besaß, mit der Kraft seiner Hände sich aus der Bauarbeiterecke herauszuwühlen: Früh Gas geben und spät bremsen macht man ja mit der Hand, oder? Gute Reise in die Ewigkeit, "Kamikaze" Gustl Reiner; ohne Dich wird die Welt jetzt wieder ein Stück ärmer sein. Es grüsst Dich ein letztes Mal Dein allzeit treuer Fan Franz Josef Schermer ![]() Gustl Reiner (hinten) im Kreis der Weltelite - Johnny Cecotto, Carlos Lavado und Walter Villa |
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Vielen Dank an Herrn Franz Josef Schermer
(ein Besuch auf Herrn Schermers Website könnte auch ihr Interesse finden) für die passenden
Worte zum Ableben von "Kamikaze-Gustl", sowie Herrn Günter Geyler für das Fahrfoto vom GP in
Brno 1980. |
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