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Die Federbett-NortonEnglands erfolgreichster „Eintopf“ als SolomaschineText und Fotos: Günter Geyler |
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Es war 1950 auf der Insel
Man: Erstmalig setzte die britische Firma Norton bei der Englischen Tourist
Trophy die neuen Solo-Rennmotorräder mit Doppelschleifenrahmen und
Hinterradschwinge in den Klassen bis 350 und 500 ccm ein. Das neue Fahrgestell
entwickelten die Brüder McCandless aus Belfast. In beiden Klassen belegten die Norton-Werksfahrer, die als Doppelstarter ihre Rennen bestritten, die ersten drei Plätze. Mit einem zweiten Platz in der Junior-TT (350 ccm) und dem Sieg in der Senior-TT (500 cm) begann bei diesem WM-Lauf die steile Karriere des hochtalentierten Geoffrey Duke aus England. Der ältere britische Norton-Werksfahrer Harold Daniell hatte gerade seine Abschiedsvorstellung von der Englischen Tourist Trophy nach drei Siegen in der 500er Klasse (1938, 1947 und 1949) gegeben, als ihn ein Journalist fragte, wie er sich mit dem neuen Norton-Fahrgestell während des Rennens gefühlt habe? Daniell sagte: „... wie in einem Federbett!“ Der „Rennveteran“ musste es ja wissen, denn vor der 1950er Tourist Trophy steuerte er die Norton mit Geradweg-Hinterradfederung über die vielen Bodenwellen der schwersten Motorradrennstrecke der Welt, wo auch Bahnschienen überquert werden mussten. Der Name „Federbett- Norton“ war somit geboren. Nach den eindrucksvollen TT-Ergebnissen fertigte das Werk in Birmingham ab 1951 auch für die Privatfahrer diese Federbett-Norton. Das Prinzip des Einzylinder Königswellenmotors mit zwei obenliegenden Nockenwellen behielt Norton bei. Im Laufe der Jahre änderten sich die Zylinderdimensionen. Zuletzt gab der 500er Motor reichlich 50 PS ab, das 350er Triebwerk leistete 42 PS. Die Motorräder erhielten ab 1954 ein Fünfgang-Getriebe. Mit insgesamt drei Weltmeistertiteln war Geoffrey Duke als Solofahrer der erfolgreichste Norton-Werkspilot der Nachkriegszeit: Er erkämpfte 1951 und 1952 gegen schärfste Konkurrenz im eigenen Rennstall (Ken Kavanagh, Johnny Locket, Reginald Armstrong, Ray Amm) und gegen die AJS- und Velocette-Rivalen in der Klasse bis 350 ccm das Championat. In der Halbliterklasse musste er weiterhin seine Norton-Mitstreiter und vor allem die italienischen Gilera Werksfahrer Umberto Masetti und Alfredo Milano auf ihren Vierzylinder-Motorrädern besiegen. 1951 holte Duke die Weltmeisterschaft, doch im folgenden Jahr war er trotz seines Fahrkönnens nicht mehr in der Lage, die starken italienischen Vierzylindermaschinen unter Umberto Masetti (Gilera) und Les Graham (MV Agusta) zu bezwingen. Im Jahr 1953 saßen Geoffrey Duke und sein ehemaliger Norton-Stallgefährte Reginald Armstrong dann auch auf einer Vierzylinder Gilera. Unter der Regie des legendären Norton-Rennleiters Joe Craig starteten zu jener Zeit Ray Amm, Jack Brett und Ken Kavanagh, der aber 1954 zu Moto Guzzi wechselte. Der Rhodesier Ray Amm fuhr mit seiner Einzylinder Norton im wahrsten Sinne des Wortes auf der allerletzten Rille und jagte in der Halbliterklasse mit unterlegenem Maschinenmaterial seinen früheren Werkskollegen Duke, der ein weitaus stärkeres Motorrad steuerte. Mit seiner tollkühnen Fahrweise konnte Amm auch bei den 350ern den Werkspiloten von Moto Guzzi und AJS harte Kämpfe um Sieg und Platzierung liefern. Auf der 60 Kilometer langen Englischen Tourist Trophy gewann er 1953 in der 350er und 500er Klasse vor der gesamten Weltelite. 1954 konnte der Rhodesier den Sieg in der Halbliterklasse wiederholen. Am Ende des Jahres 1954 beendete Norton in den Soloklassen die Werksbeteiligung. Ray Amm lag in beiden Klassen in der WM-Abrechnung jeweils auf Platz zwei. Der italienischen Firma MV Agusta fehlte zu jener Zeit für ihre Vierzylinder-Kraftpakete ein Siegfahrer. So bekam Ray Amm 1955 für MV einen Werksvertrag. Leider verunglückte der Draufgänger aus Rhodesien beim Frühjahresrennen in Imola auf der 350er MV Agusta tödlich. Für die vielen Privatfahrer fertigte Norton auch weiterhin die 350er und 500er Federbett-Rennmotorräder, die sie immer weiter verbesserten. Die Weltklassefahrer Bob Brown, Mike Duff, Mike Hailwood, John Hartle, Gary Hocking, Bob Mc Intyre, Tom Phillis, Phil Read, Jim Redman, Luigi Taveri steuerten die Motorräder aus Birmingham, bevor sie als Werksfahrer für die Marken Honda, MV Agusta oder Yamaha starteten. In der damaligen Bundesrepublik Deutschlands fuhren bereits 1952 die Vorkriegsrennfahrer Karl Rührschneck und Rudi Knees auf der käuflichen Norton. Immer mehr westdeutsche Privatfahrer erwarben danach dieses Motorrad. Die Erfolgreichsten unter ihnen waren Heiner Butz, Rudi Gläser, Horst Kassner, Andreas Klaus, Hans Pesl, Heinrich Rosenbusch und Walter Scheimann. In der 350er Klasse standen die privaten Norton allerdings bis Mitte der 1950er Jahre im Schatten der deutschen Werksmaschinen - der Dreizylinder DKW und der aufgebohrten Zweizylinder NSU-Rennmax, die aber nur 1954 zum Einsatz kam. Bei den 500ern mussten sich die Norton-Leute einige Jahre von den BMW-Werkspiloten und den werksunterstützten BMW-Fahrern geschlagen geben. In der früheren DDR liefen die Klassen bis 350 und 500 ccm – mit Ausnahme des WM-Laufes auf dem Sachsenring - nur bis Ende 1960. Die DDR-Rennfahrer mussten in den beiden „großen“ Klassen größtenteils auf Vorkriegs-Motorräder zurückgreifen, denn die Motorradwerke MZ und Simson fertigten zwar sehr gute Serien- und Rennmaschinen, aber nur bis 250 ccm. Wem es gelang, eine Federbett-Norton unter den so genannten „Eisernen Vorhang durchzuschieben“, der war in der Zeit bis 1960 der Größte. Den Akteuren Heinz Koch, Kurt Maul, Hans-Joachim Scheel, Johannes Türk und auch dem Automobil-Spitzenfahrer Edgar Barth gelang dieses Kunststück. Barth erfreute sich allerdings nur kurze Zeit am Rennsport mit seiner Norton: Ihn ermahnten die roten Sportfunktionäre der DDR noch vor Beginn der Rennsaison 1955, dass es sich für einen Werksfahrer eines Staatlichen Automobil-Werkes und „Meister des Sports“ nicht geziemt, mit einem Motorrad aus einem kapitalistischen Land zu starten. Anfang des Jahres 1957 wurde das AWE Rennkollektiv aufgelöst und Edgar Barth war somit kein Automobil-Rennfahrer mehr. So fuhr er im Frühjahr 1957 mit seiner Federbett-Norton zum Motorradrennen nach Hockenheim. Nach der Veranstaltung in Westdeutschland vergaß doch der „Bösewicht“ den Rückweg in die DDR ... Heute ist die gute, alte Federbett-Norton ein gern gesehenes und ebenso gern gehörtes Rennmotorrad bei Historischen Motorsport-Veranstaltungen. |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Bildtext: Bild 1: Die Federbett-Norton mit Einzylinder-Königswellenmotor Bild 2 (Nr. 87): Auf der letzten Rille: Ray Amm 1954 auf der Solitude Bild 3 (Nr. 15): Karl Rührschneck und Rudi Knees auf Siegesfahrt (totes Rennen) in Dresden-Hellerau 1952 Bild 4 ( Nr. 7): Deutscher Meister 1952 auf Norton 500: Rudi Knees Bild 5 (Nr.11 ohne Verkleidung): Zeigte auch auf der Norton sein Können: Edgar Barth Bild 6 (Nr.11 mit Verkleidung): Gewann noch 1961 auf der 500er Norton die Englische Tourist Trophy: Mike Hailwood Bild 7 (Nr. 38): Bestritt noch 1966 die WM-Läufe auf der Norton: Jack Ahearn Bild 8 (Nr. 72): Vom Norton-Privatfahrer zum MV-Werksfahrer: Gary Hocking |