Auch das gab´s

Dreizylinder MZ 125

Text und Fotos: Günter Geyler


Auf der Verbindungsstraße zwischen der Gemeinde Börnichen im Erzgebirge und der jetzigen Bundesstraße B 174, die von Zschopau nach Marienberg führt, war im Jahr 1967 von Zeit zu Zeit ein turbinenartiges Geräusch zu hören: Der MZ-Werksfahrer Heinz Rosner testete eine 125er Rennmaschine, die sich rein äußerlich nicht von den herkömmlichen Einzylindermodellen unterschied.
Die Schaulustigen an der erzgebirgischen Gaststätte „Bornwaldschänke“ – wenige Kilometer von der früheren MZ-Sportabteilung entfernt - konnten damals nicht ahnen, dass unter der Verkleidung des Motorrads ein neuentwickelter Dreizylinder Reihenmotor arbeitete. Das Fahrwerk dieser Maschine entsprach mit seinem Doppelschleifenrahmen, mit Teleskopgabel und Federbeinschwinge, der damaligen Bauart der MZ-Renner, ebenso das Achtgang-Getriebe.
Probleme bereiteten aber immer wieder die enorme Aufheizung der Kurbelräume. Trotzdem gaben die Zschopauer nicht auf! Erst der FIM-Herbstkongress 1967 stoppte alle weiteren Entwicklungen am Dreizylinder-Projekt. Damals war beschlossen worden, ab 1969 die Zylinderzahl der 125er Rennfahrzeuge auf zwei und die Gangzahl auf sechs zu beschränken. Unverständlich: Auch die FIM-Delegierten aus der früheren DDR hatten für diese Formel selbst mit plädiert – und die so mühevoll entwickelte Dreizylinder- Maschine war damit zwecklos geworden.
So landete dieses seltene Exemplar, das nie im Rennbetrieb eingesetzt werden konnte, im Motorradmuseum Augustusburg, und dort kann es noch heute von Interessierten bestaunt werden – allerdings muss der Betrachter hinter die installierte Verkleidung schauen, um das Triebwerk zu erkennen.
Die Tatsache, dass es die Männer von MZ in Zschopau waren, die ab 1953 die von Daniel Zimmermann in Luckenwalde übernommene Konstruktion eines Rennzweitakters mit Plattendrehschieber-Einlass-Steuerung zu Leistungen brachten, die bis dahin Zweitakter ohne zusätzliche Ladeorgane noch nie erreichten, ist heute schon fast in Vergessenheit geraten. Man weiß zwar, wie erfolgreich später die japanischen Firmen Suzuki, Yamaha und Kawasaki mit mehrzylindrigen Motoren der gleichen Konzeption waren – aber kaum, dass das nur die Fortsetzung - mit ungleich umfangreicheren Mitteln - von dem war, was Jahre vorher schon die Zschopauer gebaut hatten.
Und trotz aller Schwierigkeiten, denen man sich in Zschopau zunehmend materialmäßig und hinsichtlich der Zulieferung von Spezialteilen gegenübersah, gab man in der kleinen Entwicklungsgruppe bei MZ den ungleich gewordenen Kampf zunächst nicht auf und befasste sich neben der Weiterentwicklung der Zweizylinder-Rennmodelle auch mit neuen Konzeptionen.
Dazu gehörte auch ein ganz neuer Dreizylinder-Apparat für die 125er Klasse. Damit hoffte man, das fahrerische Handicap ausgleichen zu können, das beim Kampf mit der Konkurrenz bei gleicher Motorleistung bestand. Angaben über Leistung und technische Details stehen nur wenige zur Verfügung, aber die „Außenansichten“ sind interessant genug und legen Zeugnis davon ab, was deutsche Techniker beim Bau von Hochleistungsmotorrädern auch unter Bedingungen schaffen können, die mit den Möglichkeiten der Japaner nicht zu vergleichen sind.
  
























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