Karl LottesText und Fotos: Günter Geyler |
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Einer der besten und
beständigsten Privatrennfahrer Deutschlands war der am 29. April 1912 geborene Marburger
Karl Lottes. Seine Liebe für den Motorsport kam dabei nicht von ungefähr, denn er war wohl
erblich vorbelastet. Sein Vater war nämlich KFZ-Meister und seine Mutter, für die damalige
Zeit ungewöhnlich, erwarb bereits 1920 den Motorradführerschein.
Mit 21 Jahren begann er seine Rennfahrer-Laufbahn als Ausweisfahrer auf einer Ladepumpen-DKW. Als Lizenzfahrer erwarb er 1937 das ehemalige DKW Rennmotorrad von Siegfried Wünsche. Mit dieser Maschine stellten sich 1938 und 1939 beachtliche Erfolge ein. Karl Lottes wurde der beste deutsche Privatfahrer in der Klasse bis 250 ccm. So konnte er zum Beispiel 1938 beim Großen Preis von Deutschland hinter den DKW-Werksfahrern Ewald Kluge und Bernhard Petruschke in der Viertelliterklasse einen glänzenden dritten Platz belegen, was ihm den Respekt der gesamten in- und ausländischen Konkurrenz einbrachte - vergessen wir nicht, er war ja Privatfahrer. Nach dem Krieg baute er sich in langer, mühevoller Arbeit wieder eine Rennmaschine aus Vorkriegs-DKW-Teilen auf und saß bereits 1946 wieder im Sattel. Der freundliche, bescheidene Marburger beherrschte sowohl seine Zweitakt- als auch seine Viertakt-Rennmotorräder: Nach dem Kompressorverbot in den frühen 1950er Jahren fuhr Lottes erfolgreich auf seiner privaten 250er Zweizylinder-DKW – er erhielt von DKW aus Ingolstadt Unterstützung - und auf der 125er Mondial und ab 1953 auf der Achtelliter MV Agusta. Die Krönung für Karl Lottes war 1955 die Deutsche Meisterschaft in der
Klasse bis 125 ccm mit der MV Agusta vor dem IFA-Werksfahrer Horst Fügner. Ein
Jahr später bekam er von DKW ein 125er Vorjahres-Werksmotorrad, mit dem er bis
zum Saison-Ende 1957 stets im Vorderfeld zu finden war und erneut Deutscher Meister
in der Achtelliterklasse wurde. Danach steuerte der Hesse
wieder einen Zweitakter: Es war eine vom MZ-Rennchef Walter Kaaden geliehene
Achtelliter MZ. Sein bestes Resultat 1958 mit dem Drehschieber-Motorrad aus dem
sächsischen Zschopau war ein vierter Platz in Hockenheim. Im Juli 1958 stürzte
der „Altmeister“ beim Weltmeisterschaftslauf auf der Nordschleife des
Nürburgrings schwer und musste danach seine erfolgreiche Rennfahrerlaufbahn
beenden.In seiner aktiven Zeit holte der in West- und Ostdeutschland gleichermaßen beliebte Motorrad-Rennfahrer rund 100 Siege und 50 zweite Plätze. Bei den in den frühen fünfziger Jahren populären Zementbahnrennen erkämpfte er 17 Siege und wurde drei Mal Deutscher Zementbahn-Meister, sowie zwei Mal Deutscher Straßenmeister. Nach langer, schwerer Krankheit verstarb Karl Lottes am 5. Mai 1997 im Alter von 85 Jahren. |