Linto 500Text und Fotos: Günter GeylerNichts gegen den Rekordweltmeister Giacomo Agostini und dessen 500er Dreizylinder MV Agusta: In den späten 1960er Jahren erlebten die Motorsportfreunde bei nahezu allen Motorrad-Weltmeisterschaftsläufen der 500er Klasse Start-Ziel-Siege des Italieners mit dem hochgezüchteten Werksmotorrad aus Gallarate. Bei seiner Ein-Mann- Show versuchte Agostini, vom gesunden Ehrgeiz getrieben, die bestehenden Vorjahresrekorde zu brechen, doch aufgrund seiner einsamen Führung blieben die Rennen in der Halbliterklasse - jeder kannte schon vor dem Rennen den Sieger - oftmals farblos! Interessant dagegen verliefen die Positionskämpfe der Privatfahrer, die eine Einzylinder Norton oder Matchless steuerten. Ende 1967 kam ein weiteres Rennmotorrad aus Italien auf die WM-Pisten: die 500er Linto. Der italienische Konstrukteur Lino Tonti, der geistige Vater einiger bekannter und erfolgreicher Rennmaschinen, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, für die Privatfahrer ein finanziell erschwingliches Halbliter - Rennfahrzeug aufzubauen. Zu jener Zeit konnte Tonti käufliche Teile der in großen Serien-Stückzahlen bei Aermacchi gefertigten 250er Einzylindermotoren für sein Projekt verwenden. Er setzte zwei solcher liegenden Triebwerke, deren Ventile nach wie vor über Stoßstangen gesteuert wurden, nebeneinander. Beide Zylinder bekamen ein gemeinsames Kurbelgehäuse, kombiniert mit dem Getriebegehäuse für das Sechsgang-Getriebe. Schräg verzahnte Stirnräder übertrugen die Motorleistung über eine offenlaufende Mehrscheibenkupplung auf das im Block befindliche Getriebe. |
![]() Der Motor der Linto 500 ![]() Alberto Pagani aus Italien errang den einzigen GP-Sieg für die Italienerin ![]() Auch der Australier Jack Findlay gab ein Gastspiel auf der Zweizylindrigen und belegte damit sogar einen dritten Platz beim Grand Prix von Deutschland 1969 ![]() Der exzellente Australier John Dodds trieb seine Linto 1970 am Sachsenring auf den beachtlichen 2.Platz |
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Erstaunlich:
Dem simplen Stoßstangen-Twin mit zwei separaten Fallstrom-Vergasern entlockte sein Erbauer 66 PS bei 10 000 U/min.
Damit war die Linto nicht so stark wie die 500er MV Agusta (83 PS), lag aber in der Leistung vor den anderen
Halbliter Maschinen der Privatfahrer. Ein leichter Gitterrohr-Rahmen, an dem der Motorblock aufgehängt war,
ermöglichte eine niedrige Bauart des Motorrades und trug zum günstigen Gewicht - 137 kg - der 500er Linto bei. Der Italiener Alberto Pagani, Sohn des ersten 125er Weltmeisters Nello Pagani, steuerte ab 1968 diese italienische Rennmaschine mit unterschiedlichem Erfolg: Er musste Defekte hinnehmen, belegte aber auch vordere Plätze. Beim Großen Preis der Nationen 1969 in Italien feierte Pagani den einzigen Linto-Sieg in einem WM-Lauf. Dazu folgende Vorgeschichte: Im Jahr 1969 sollte Italiens Motorrad-WM-Lauf nicht in Monza, sondern in Imola ausgetragen werden. MV-Chef Conte Domenico Agusta, der im Park von Monza an der Rennstrecke ein eigenes Haus unterhielt, boykottierte aus Ärger über die FIM-Entscheidung das Rennen in Imola, indem er mit seinem Werksfahrer Giacomo Agostini dem Start fernblieb. Alberto Pagani führte im Lauf der 500er Klasse vom Start bis ins Ziel. Außer dem Italiener starteten noch einige der besten Privatfahrer auf der Linto. Zu ihnen gehörten die Australier Jack Findlay und John Dodds, der Brite Steve Ellis, Keith Turner aus Neuseeland und der Schweizer Gyula Marszovsky, der 1969 hinter Agostini den zweiten WM-Rang belegte. Als Lino Tonti als technischer Leiter zu Moto Guzzi ging, konnte er die Linto nicht mehr weiterentwickeln. Nach 1970 verschwand das erstaunliche Rennmotorrad von den Pisten. Bilanz bei WM-Rennen : 26 mal sind 6 verschiedene Fahrer in den Punkterängen eingekommen. Dabei wurden 11 Podestplätze erreicht - ein Sieg, 3 zweite Plätze und 7 dritte Plätze. Diese Bilanz hätte noch besser aussehen können, wären nicht durch häufig kleinere Defekte Ausfälle zu verzeichnen gewesen - oft in günstiger Position liegend. |
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