Ein Motorrad-Rennfahrer, der
die „goldenen“ 1950er Jahre mit geprägt hat, ist der sympathische Ingolstädter
August Hobl, bei seinen Freunden als „Gustl“ bekannt. Der inzwischen 78-jährige
hat bis heute seine Freude am Motorradfahren nicht verloren, das Motorrad gehört
zu seinem Leben.
Mit dem Rennfahren begann der am 13. April 1931 geborene Gustl
nach abgeschlossener Kfz-Mechaniker-Lehre 1951 auf einer 125er DKW beim
heimatlichen Donau-Ring-Rennen. 1953 startete er als Nachwuchsfahrer, nachdem
er viel von seinen älteren DKW-Kollegen Ewald Kluge und Siegfried Wünsche
lernen konnte. Von 1954 bis 1956 gehörte August Hobl zum offiziellen
DKW-Werksteam. Er startete vorerst in den Klassen bis 250 ccm und 350 ccm.
Obwohl die 350er Klasse (Foto unten links),
inzwischen eine Domäne von DKW, im Jahr 1955 in Hohenstein-Ernstthal nicht auf
dem Programm stand, brachte der Deutsche Meister dieser Klasse und Werksfahrer
Nummer eins von DKW, Gustl Hobl, als Nachmeldung eine Überraschung aus
Ingolstadt mit: eine 125er Einzylindermaschine mit liegendem Zylinder. Dazu
folgende Vorgeschichte: Bei Leistungsüberprüfungen der 350er Dreizylinder DKW
stellte sich heraus, dass der mittlere Zylinder die beste Leistung abgab. So
wurde ein solcher Zylinder von 116 auf echte 125 ccm aufgebohrt.
Man baute ihn
in ein schmaleres Kurbelgehäuse und hatte somit auch für die Achtelliterklasse
ein konkurrenzfähiges Rennmotorrad. Mit diesem schlitzgesteuerten Zweitakter,
der 17 PS leistete, schlug Hobl auf dem Sachsenring die favorisierten IFA-Werksfahrer.
Nach dem Rennen gab es für den damaligen Rennsekretär Hubert Schmidt-Gigo ein
unliebsames Nachspiel: Er hatte der Nachnennung von August Hobl mit der neuen 125er
Werks-DKW bedenkenlos zugestimmt (Foto unten rechts), ohne zu ahnen, dass diese schlitzgesteuerte
Achtelliter-Maschine aus Ingolstadt schneller lief als das Zschopauer
Drehschieber-Motorrad, von dem die staatlichen Stellen einen Sieg erwarteten.
Der brave Rennsekretär bekam demzufolge Ärger mit den ostdeutschen
Motorsport-Gewaltigen...
Nach diesem Sachsenring-Sieg 1955
startete Gustl mit der 125er Einzylinder- und der 350er Dreizylinder
Werksmaschine. Auf der 350er „Singenden Säge“ (so genannt aufgrund der hohen
Drehzahl) konnte der Südbayer mit diesem Zweitakter national die Deutsche
Meisterschaft 1955 und international beachtliche Erfolge gegen die
Viertakt-Konkurrenz erzielen.
Im Jahr 1956 fuhr er zusammen mit Karl Hofmann,
Hans Bartl
und dem Briten Cecil Sandford im DKW-Werksrennstall. Der großartig
fahrende August Hobl verzeichnete in jenem Jahr die größten Erfolge seiner
motorsportlichen Laufbahn, denn er erkämpfte die Deutsche Meisterschaft in den
Klassen bis 125 ccm und 350 ccm und belegte außerdem noch den zweiten Platz in der
Weltmeisterschaft der hart umkämpften Klasse bis 350 ccm. Der Rückzug der Marke
DKW aus dem Motorrad-Rennsport Ende 1956 stoppte seine steile Karriere (im
Bild mit der Startnummer 66 1956 auf der Solitude).
Heute ist der
Rennveteran immer wieder gern gesehener Gast bei klassischen Motorradveranstaltungen.
|