Allen Freunden der Sidecar-Historie ist es natürlich nicht verborgen geblieben, dass es
neben deutschen und schweizerischen Fahrern besonders die britischen Fahrer waren und
noch immer sind, welche die Seitenwagenszene in der Motorradweltmeisterschaft bestimmten, und
wie schon erwähnt, noch immer mit bestimmen. Das schließt natürlich nicht aus, dass es auch
"Exoten" anderer Länder gab und gibt, die es in die Spitze der Ergebnislisten
schafften.
Einen Engländer, der in den siebziger und achtziger Jahren des öfteren durch exzellente
Resultate in der Weltmeisterschaft auf sich aufmerksam machte,
Dick Greasley,
möchte ich hier einmal kurz vorstellen.
Als Besitzer von verschiedenen Straßenbikes hatte Dick schon längst eine Affinität zu
Straßenrennen. Ein lokaler Hero der Sidecarszene, John Brandon, hatte auch mit einigen
Erfolgen auf drei Rädern in Dick´s Heimatstadt Market Drayton auf sich aufmerksam gemacht.
Die positive Presse die John Brandon in der heimatlichen Umgebung bekam, veranlasste
schließlich Dick und seinen Schwager Stu Atkinson, es einmal wettkampfmäßig im Rennsport
und dort bei den Sidecars zu versuchen. Mit einem abgelegten Sidecar von John Brandon,
ausgestattet mit einen Triumph Motor, starteten Dick Greasley und Stu Atkinson in ihr
erstes Rennjahr 1971.
Um voran zu kommen merkte man bald, es bedurfte einer besseren
technischen Ausstattung als die bisherige. So erwarb man ein neues Chassis mit BSA Motor
für die zweite Rennsaison 1972. Nach einigen selbst vorgenommenen Verbesserungen am
Gespann stellten sich auch die ersten Siege bei Clubrennen ein.
Ein dem Rennsport aufgeschlossener Händler aus Stafford, Cyril Chell, bot dem aufstrebenden
Dick Greasley seine Hilfe an und als dann auch noch Dicks erster "Geschäftspartner" John
Brandon nachdrücklich bestätigte, dass der vom Honda Händler aus Stafford als Unterstützung
angebotene Honda 750 4-Zylinder Motor um einiges leistungsfähiger sei als der bisherige
BSA Motor, nutzte Dick das Angebot von Cyril Chell. Ein zweiter Gesamt-Rang in der
Clubmansmeisterschaft war der verdiente Lohn für das aufstrebende Gespannteam.
Nun stand eigentlich der nächste Sprung in der Karriere bevor, der Einstieg in die
nationale Ebene. Es war also noch mehr Motorleistung gefragt, verbunden allerdings mit
dem vermehrten Risiko von technischen Ausfällen. Diese Ausfälle gingen Schwager Stu
Atkinson so auf die Nerven, dass er seine Beifahrer-Karriere aufgab. Dick selbst arbeitete
inzwischen in der Werkstatt seines Sponsors Cyril Chell. Dick beschreibt Cyril Chell als
einen Meister der Überraschungen. Mister Chell, von Dick´s Talent überzeugt, hatte nämlich
in der Zwischenzeit eine ex-Rennmaschine des damaligen Renngrößus Charlie Williams erworben,
bestückt mit einem 700 ccm Yamaha Motor. Dieser galt in jener Zeit als eine Art Lottogewinn
für Rennfahrer. Als dann Mac Hobson, ausgestattet mit einem gleichen Motor, mit exzellenten
Resultaten aufwartete stand für Dick fest, das könnte der erhoffte Aufstieg in die
Spitze werden. Ein neues Woodhouse-Chassis und Cliff Holland als Beifahrer, verbunden mit
genannten Yamaha-Motor, erzeugten eine neue Aufbruchstimmung. Im Cadwell Park, einer von
Dick´s Lieblingskursen, sollte der Start in ein gehobeneres Leistungslevel erfolgen. Doch
die Enttäuschung "folgte auf dem Fuß". Die extreme Motorleistung und ein Fahrgestell was
nicht in der Lage war diese Power zu nutzen, zwangen Dick dazu, sich mehr neben als auf der
Strecke zu bewegen. Fazit: es mußte als nächster Schritt der Erwerb eines Windle Chassis
geschehen, auf der Insel das Chassis schlechthin.
Jetzt folgte endlich ein stetiger Aufstieg auf nationaler Ebene in dieser Saison 1976.
Ein erster und vielleicht der entscheidende Höhepunkt des Jahres waren die Rennen auf der
Isle of Man, letztmalig als WM-Veranstaltung ausgetragen. Der Hubraum für das erste Sidecarrennen
wurde auf die erforderlichen 500 ccm reduziert. Allerdings machte ein nutzbarer Drehzahlbereich
von nur 1500 U/min die Fahrweise sehr schwierig. Das war jedoch inzwischen Gewöhnungssache
geworden. Mit Nummer 39 gestartet wurden schnell viele der vor ihnen gestarteten Gespanne überholt.
Wegen vorheriger nicht so erfolgreicher Rennen hatte man natürlich auf einen Boxendienst
vezichtet. So war man auch nicht informiert welche Platzierung gerade aktuell war. Erstaunt
war Dick nur, warum die Zuschauer in seiner letzten Runde immer begeisterter gestikulierten.
Nach der Zieldurchfahrt konnte dies schnell geklärt werden. Grund der Begeisterung war nämlich,
dass man auf den zweiten Rang vorgefahren war, nur geschlagen von Weltmeister Rolf Steinhausen.
Das Jahr endete mit weiteren top-ten Platzierungen bei Grand Prix Rennen und einen 7. Platz in der
Gesamtwertung der Weltmeisterschaft. Allerdings verabschiedete sich Cliff Holland, sein Passagier
der letzten beiden Jahre.
1977 und 1978 ging es in diesen WM-Regionen weiter, allerdings mit unterschiedlichen Beifahrern.
1977 sprang ein 8. WM-Rang heraus mit Mike Skeels. Allerdings verabschiedete er sich am
Saisonende. Er sah seine Zukunft eher in einer zivilen
beruflichen Tätigkeit als in möglichen rennsportlichen Erfolgen.
Im Jahr darauf notierte man sogar am Saisonende Rang 5 in der WM. Zum Erfolg hatte Gordon Russel
als Beifahrer beigetragen (Foto links oben Siegerehrung beim GP in Brno 1978: von links
Gordon Russel, Dick Greasley, Alain Michel, Cliff Holland, Kenny Williams und Rolf Biland).
Jener allerdings gab zum Saisonende ebenfalls seinen Abschied bekannt.
Immerhin hatte er aber zu drei Podestplätzen beigetragen, die ersten außerhalb der Isle of Man.
Einen entscheidenden Punkt hatte es bereits im Winter 77/78 gegeben. Dieter Busch, ein absoluter
Chassis - Spezialist baute für Dick ein Fahrwerk in das man einen vom Schweizer Herman Schmid getunten
Motor einbaute. Das Foto rechts zeigt Dick und John Parkins am Start in Brno 1979.
Wie erfolgreich eine solche Zusammenarbeit war zeigte sich in den bereits erwähnten
Top - Platzierungen der Saison 1978.
Mit viel Zuversicht und Hoffnung startete Dick, diesmal mit John Parkins als Passagier, in das WM - Jahr
1979. Alle Vorzeichen deuteten auf einen weiteren Schritt nach oben auf der Karriereleiter hin.
Der erste Lauf auf dem Salzburgring brachte einen miserablen Start. Ein vorzüglich abgestimmtes Bike
hat Dick aber die Möglichkeit gegeben, sich durch das Feld zu pirschen und zur Hälfte des Rennens, mit
der schnellsten Rennrunde natürlich, gelang ihm der Sprung an die Spitze und er zeigte der Konkurrenz, dass
1979 bei der Titelvergabe mit ihm zu rechnen war. Doch dann folgte ein überaus seltener (bei seinem
Yamaha - Motor) technischer Defekt - ein Kolben war gebrochen. Allerdings zeigte dieser Defekt auch, mit ihm
war zu rechnen.
Als seine seine härtesten Konkurrenten waren die vormaligen Weltmeister Rolf Steinhausen und Rolf Biland
anzusehen. Diese Einschätzung sollte sich bis zum finalen Grand Prix im tschechischen Brno bewahrheiten.
Mit der besten Ausgangsposition war Rolf Steinhausen mit Kenny Arthur im "Boot" angereist. Zweiter in der
Wertung war Rolf Biland mit Kurt Waltisperg und der "Dritte im Bunde" Dick Greasley. Fest stand allerdings
auch, ohne Fehler der Titelaspiranten oder Schützenhilfe der Konkurrenz konnte es keinen Titelgewinn für
Dick geben. Fakt war, beide Rolf´s und Dick verbuchten am Trainingsende die erste Startreihe für sich. Es war
also ein spannender Rennverlauf des Trios (pardon - die Beifahrer gehören ja auch dazu, also des Sextetts)zu erwarten.
Doch leider wurde aus dem Sextett bald nur ein Quartett. Rolf Steinhausen wäre ja nicht Rolf Steinhausen, wenn
er nicht vorzeitig eine Entscheidung hätte herbeiführen wollen. Dies endete allerdings mit einem Crash und
die "Partie" war leider für den Mann aus Nümbrecht mit seinem englischen Beifahrer gelaufen, wobei sich Kenny
Arthur auch noch verletzte.
Zwischen den beiden verbliebenen Titelkandidaten ging es allerdings hin und her, wobei die beiden Schweizer
schlußendlich im Ziel einen ganz knappen Vorsprung hatten vor den beiden Engländern. Dies hatte sich erst in
der letzten Kurve entschieden, als Biland auf der günstigeren Linie aus der Kurve heraus kam (Foto links: Weltmeister
Rolf Biland tröstet den ganz knapp unterlegenen Dick Greasley).
Alter und neuer Champion also Rolf Biland mit Kurt Waltisperg. Rolf Steinhausen und Dick hatten die gleiche
Punktzahl aufzuweisen, aber auf Grund der besseren Einzelergebnisse (Steinhausen zwei Siege) beendete Rolf
Steinhausen die Saison mit dem Vizetitel und Dick wurde WM - Dritter.
Für Dick stand jetzt zum Saisonende die Entscheidung an: weiter im WM - Geschehen 1980 dabei sein, oder nur
noch auf der Insel am Renngeschehen dabei zu sein. Er entschied sich letztlich für die kostengünstigere Variante,
soll heißen, er fuhr ab 1980, jetzt auch wieder mit Schwager Stu Atkinson im Beiwagen, nur noch in
britischen Gefilden.
Auch wenn es für Dick nicht zum Welttitel gereicht hatte und auch nicht zu einen Grand Prix Sieg, an seinen Einsatz
an den diversen WM - Pisten werden sich die Fans dieser Klasse gerne und noch lange erinnern.
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