Da meine Webseite (bis jetzt noch) absolut nichtkommerziell ausgerichtet ist, aber natürlich Zeitaufwand und Kosten verursacht, war ich sehr erfreut, als es mir gelungen war, Herrn Günter Geyler zu überzeugen, sich mit einigen (honorarfreien) Berichten und Fotos auf meiner Webseite einzubringen. Als kleines Dankeschön möchte ich nun Herrn Geyler die Gelegenheit bieten, ein wenig aus seiner "Karriere" zu plaudern. Somit erhalten die Besucher meiner Webseite auch eine kleine Vorstellung darüber, wer sich bei einzelnen Berichten hinter dem ©: Günter Geyler verbirgt.

Seit 1951 mit der Kamera am Motorsport-Geschehen

Im September des vergangenen Jahres (2005) konnte ich auf 55 Jahre Motorsport-Fotografie zurückblicken. Dieser folgende Bildbericht soll keinesfalls eine Selbstdarstellung sein. Ich möchte nur einige Umstände, wie ich zu meinen motorsportlichen Aufnahmen gekommen bin, näher beleuchten. Mein großes Vorbild war der frühere Auto Union-Werksfotograf Friedrich Meiche aus Chemnitz.

Vom Rennbazillus im September 1949 angesteckt, besuchte ich 1951 als 14-jähriger „mein“ drittes Sachsenringrennen, erstmals mit einer billigen Kleinbildkamera (Marke „Beltica“) bewaffnet, und erzielte dort die ersten brauchbaren Rennfotos. Bei weiteren Motorrad- und Automobilrennen ab 1952 in Leipzig, Dresden, Schleiz, Chemnitz, Halle, Hohenstein war die Kleinbild-Balgkamera stets mein fester Begleiter. Wiederholt fuhr ich mit dem Fahrrad zum Stadtparkrennen „Rund um das Scheibenholz“ von Chemnitz-Adelsberg nach Leipzig. Damals gab es in den Kurven der Straßen-Rennstrecken noch nicht solche weiträumige Auslaufzonen. Dort waren auch mit einer einfachen Kamera zufriedenstellende Aktionsfotos möglich. Zwei Auto-Rennfahrer der Formel 3 (bis 500 ccm) beeinträchtigten allerdings kurzzeitig meine Freude an der Motorsport-Fotografie: In Dresden Hellerau 1953 versteuerte sich der Braunschweiger Kurt Ahrens,sen. mit seinem Cooper und raste auf den Autobahn-Grünstreifen zu, wo ich gerade fotografierte. Mit einem kühnen Sprung rettete ich mein damals junges Leben. Ein Jahr später schob mich der Güstrower Karl-August Bergmann auf seinem BMW-Eigenbau Rennwagen in Leipzig bei einem „Dreher“ mitsamt dem Strohballen, hinter dem ich kniete, unter die Tribüne der Waldkurve. Fotograf und Kamera überlebten unbeschadet, nur die Fototasche erlitt Totalschaden!

Das erste „Westrennen“ erlebte ich 1954 in Hockenheim. Dort war die Rennstrecke weiträumig abgesperrt, und ich stand mit meinem billigen Fotoapparat am Außenring der Piste auf verlorenem Posten. Hier half mir mein Chemnitzer Sportfreund Horst Fügner mit seiner „Helfer“-Armbinde aus der Not, denn damit konnte ich am Innenring und auch im Fahrerlager die internationalen Spitzenfahrer aufnehmen. Weitere hochkarätige Motorrad- und Wagenrennen in Stuttgart, West-Berlin, auf dem Nürburgring und in Nürnberg folgten. Rückblickend kann ich sagen, dass das Eifelrennen 1955 die schönsten Erinnerungen in mir wachruft. Neben den weltbesten Renn-Gespannen fuhr dort die Motorrad-Elite aus Österreich, Spanien und Deutschland. Bei den Rennsportwagen startete die gesamte Weltklasse der Formel 1.

Zum Motorrad-WM-Lauf 1956 nach Stuttgart reiste ich endlich mit einer Dresdener Spiegelreflexkamera mit Teleobjektiv und konnte damit tolle Schräglagen-Fotos von der Kuven - Außenseite fertigen.
Ende der 1950er Jahre fuhren die ostdeutschen Motorsportfreunde nur noch ohne Reise-Beschränkung zur Avus nach West-Berlin. Beim Weltmeisterschaftslauf für Formel 1 Rennwagen 1959 bekamen die Fans aus der „Ostzone“ nur preisgünstige Eintrittskarten an einer langen Geraden. Dort rasten die Boliden mit 300 km/h vorbei. Auf die Rennfotos, die mir an diesem Streckenabschnitt gelungen sind, bin ich heute besonders stolz! Aufgrund einer verteufelten Umleitung hatte ich 1963 in Schleiz nochmals das zweifelhafte Vergnügen, an einer Geraden zu fotografieren. Dort erreichten die Motorräder rund 200 km/h. Auch an dieser Stelle erzielte ich gute Aufnahmen.
In der Zeit von 1961 bis 1972, als „die Sonne auf den Sachsenring schien“ und Weltmeisterschaftsläufe für Motorräder ausgetragen wurden, fertigte ich die Aktionsfotos aus einem Gartengrundstück und von der Queckenberg-Tribüne. Zu den weniger attraktiven „Ostblock-Rennen“ ab 1973, das viele meiner Freunde boykottierten, fuhr ich trotzdem weiterhin nach Hohenstein.
Speziell am alten Sachsenring gab es oftmals Ärger mit den Streckenpolizisten. Einige meiner Foto-Kollegen sprachen in Hohenstein-Ernstthal von einem Polizei-Sportfest: Je niedriger der Dienstgrad dieser übereifrigen „Genossen“, um so größer war ihr Geltungsbedürfnis! Bei einigen Rennpressechefs in Hohenstein spielten bei der Vergabe von Foto-Ausweisen Nützlichkeits-Erwägungen – gibst du mir, gebe ich dir - eine große Rolle. Nur drei korrekte Herren sind mir aus der Zeit bis 1999 in Erinnerung!
Viel mehr Freude bereitete ab 1973 das Fotografieren in der benachbarten Tschechei bei den international gut besetzten Motorradrennen in Brünn, Horice und Most!
In den 55 Jahren meiner Motorsport-Fotografie konnte ich bis 1999 die besten Motorrad-Rennsportler der Welt auf den Film bannen. Danach hatten mich „liebe Menschen“ in Hohenstein als Foto-Reporter auf das „Abstellgleis“ geschoben! Die weltbesten Automobil-Rennfahrer gehörten vor der Errichtung der traurigen Schandmauer ebenfalls zu meinen Foto-Objekten.

Natürlich fotografierte ich auch in Sachsen und Thüringen die Gelände-Spezialisten und ebenso die Trial-Artisten. Um die Trial-Weltspitze aufzunehmen, reiste ich zu den WM-Läufen in die Slowakei, nach Polen und oftmals nach Tschechien.

Geblieben sind mir jetzt nur noch die Oldtimer-Veranstaltungen für Automobile. Abgesehen von ganz wenigen ehemaligen echten Lenkrad-Legenden, die ich nach wie vor gern fotografiere, gibt es bei diesen Rallyes auch einige steinreiche Typen, die mit ihren sündhaft teueren Autos unbedingt gesehen werden wollen, die aber vom Motorsport so weit entfernt sind wie die „Kastelruther Spatzen“ vom Rock´n Roll! Um ehrlich zu sein: Mich interessieren bei den Oldtimer-Rallyes keinesfalls die Fahrer, sondern nur ihre historischen Fahrzeuge und dazu die entsprechende Landschaft!


Günter Geyler

zur Homepage