Nur ältere, eingefleischte Rennsportanhänger werden sich vermutlich noch an den 21.August 1954 erinnern.
Damals geschah beim Grand Prix der Schweiz auf der Rennstrecke im Berner
Bremgartenwald ein kleines Wunder, als ein Mann aus Hechingen von der
Schwäbischen Alb im Rennen der 250 cc Klasse einen sensationellen 2.Platz
belegte:Georg BraunHechingenWer jetzt annimmt, dass da wohl viele Ausfälle der Konkurrenz mit geholfen haben, der irrt gewaltig, denn unter den von Georg Braun besiegten waren keine Geringeren als der Weltmeister 1955 in dieser Klasse, HP Müller, der spätere dreifache Weltmeister aus der Schweiz, Luigi Taveri, der italienische Weltklassefahrer Roberto Colombo, der seinerzeit als bester Privatfahrer geltende Arthur Wheeler aus England und sogar ein gewisser Florian Camathias aus der Schweiz, später bekannt als einer der besten Sidecarpiloten. Das Regenrennen, bei dem Werner Haas bereits in der ersten Runde gestürzt war, gewann der als Regenspezialist bekannte Österreicher Rupert Hollaus. Es sollte leider sein letzter GP-Sieg sein - drei Wochen später verunglückte er im italienischen Monza tödlich.
Außergewöhnlich wie dieser 2.Platz war eigentlich Alles an der Karriere des Hechingers.
Von der damaligen Fachpresse als "Nachwuchsfahrer" betitelt, hatte
sich wohl kaum einer der Journalisten die Mühe gemacht, auf das Geburtsdatum
des Hechingers zu schauen. Georg Braun wurde am 2.September 1918 in
Hechingen geboren. Zwar gab es von ihm bereits 1939 die ersten motorsportlichen
Aktivitäten zu vermelden, doch sein ernsthafter Einstieg in die
Straßenrennszene erfolgte erst 10 Jahre später als Ausweisfahrer. So gewann er
1950 mit seiner Ladepumpen-DKW , als fast 32-jähriger "Nachwuchsfahrer", von 8 Ausweisrennen
alleine 6 und wurde einmal Zweiter. Nachdem sich ab 1951 die deutschen Fahrer auch wieder
am internationalen Renngeschehen beteiligen durften, galten für sie natürlich
auch die FIM-Regeln, die aufgeladene Motoren verboten. So musste sich Georg Braun
auch nach neuem Maschinenmaterial umsehen. In der Folgezeit war er mit einer italienischen
Moto-Parilla ebenso unterwegs, wie mit den verschiedenen Horex-Modellen in den
unterschiedlichsten Klassen und auch mit einer NSU-Sportmax. Nicht nur auf
deutschen Rennpisten, sondern auch bei diversen Rennen außerhalb des Landes
machten sich die Hechinger Braun-Brüder - er wurde von seinem Bruder Karl bei
vielen Rennen tatkräftig unterstützt - einen guten Namen. |
![]() ![]() Georg Braun am Start auf dem Norisring und als Sieger auf dem Nürburgring |
| 1955 hatte Georg Braun bei seinem Start auf der Isle of Man
leider einen schweren Sturz. Nach seiner Genesung startete er dann auf der
Solitude und in Dieburg erneut. Als aber die erhofften Ergebnisse ausblieben,
entschloss er sich kurzerhand, "sein Leder an den berühmten Nagel zu
hängen". Er eröffnete eine Motorradwerkstatt und ging danach voll für seine Arbeit auf. Seine beiden Söhne betreiben an gleicher Stelle heute noch immer eine Tankstelle und Pflegewerkstatt, nachdem bereits zu Ende der fünfziger Jahre der Motorradboom nachgelassen hatte und die Autoindustrie sich auf dem Vormarsch befand. Leider ist Georg Braun vor einigen Jahren verstorben, aber die Erinnerung an einen großen Rennfahrer und Sportsmann wird weiterleben. Bemerkenswert ist noch dieses "Fleckchen vergangener Motorsport" in Hechingen in einer weiteren Sache: gleich neben Georg Braun´s Tankstelle und Pflegewerkstatt, die, wie schon erwähnt, jetzt von seinen Söhnen betrieben wird, befindet sich das Fiat-Autohaus von Horst Burkhardt, bekanntlich zweimaliger Vizeweltmeister bei den Sidecars - vergangener Motorsport pur eben! |