Die Motorrad-Gespann-Weltmeisterschaft 1961 hatte
mit dem Sieg der Titelverteidiger Fath / Wohlgemuth im Montjuich-Park von
Barcelona erwartungsgemäß begonnen. Was aber dann innerhalb von zwei Wochen
passierte, machte alle Prognosen für den Saisonverlauf zunichte. Zuerst
verunglückten die Barcelona-Sieger am 30. April während des Eifelrennens auf
dem Nürburgring so schwer, dass Alfred Wohlgemuth sein Leben verlor und Helmut
Fath erst Jahre später wieder an Rennen
teilnehmen konnte. Und die Tragik setzte sich fort. Dem WM-Mitfavoriten Florian
Camathias aus der Schweiz, der seinen Stammbeifahrer, den Deutschen Hilmar
Cecco, wieder im „Boot“ hatte, wurde ein Rennen in Modena zum Verhängnis. Auch
in diesem Fall verstarb der Beifahrer an den Sturzfolgen, und Camathias´
Verletzungen ließen eine Einflussnahme auf das WM-Geschehen in besagtem Jahr
nicht mehr zu.
Die Meinung der „Fachleute“ war einhellig –
Weltmeister konnte in Folge dieses Geschehens wohl nur Fritz Scheidegger aus
der Schweiz werden. Seit 1957 fuhr er mit seinem deutschen Beifahrer Horst
Burkhardt, und nach dem 3. Platz von 1959 sowie dem Vizeweltmeistertitel im
Folgejahr schienen die beiden nun für den Titelgewinn geradezu prädestiniert zu sein. Aber wie so oft, wenn
alles eindeutig erscheint, kommt es anders.
Der am 5. Februar 1935 in Mühlenau, einem Ortsteil von Wiehl im Bergischen Land, geborene
Max Deubel hatte sich – ohne dass man ihn schon zu den Weltmeisterschafts-Favoriten
zählte – stetig nach vorn gearbeitet. Sein Renn-Debüt gab er 1955 auf einem
Ex-Walter-Schneider-Gespann mit „Passagier“ Horst Höhler, einem
Arbeitskollegen. Typisch für das erste Jahr waren ständige Ausfälle. Technische
Probleme und Stürze wechselten sich dabei in „schöner“ Regelmäßigkeit ab. Der
erste Sieg als Ausweisfahrer gelang den Beiden am 7.Juli 1957 im Neunkirchner
Dreieckrennen.
Mit
einem anderen, dem „Schleizer Dreieck“, machte Max Deubel dann erstmalig 1958
Bekanntschaft, nachdem er kurzzeitig aus dem eigenen „Cockpit“ in den
Seitenwagen von Rolf Amfaldern gewechselt war. Dieser hatte zwangsläufig die
umgekehrte Richtung eingeschlagen, denn das hoffnungsvolle Gespann
Knebel/Amfaldern war im Assen-Training 1957 schwer verunglückt. Josef Knebel
hatte dabei sein Leben verloren. 1958 absolvierte Deubel auch als einziges
Solorennen seiner Karriere das Eifelrennen auf dem Nürburgring. Mit einer
125-ccm-Mondial wurde er Zweiter der Ausweisklasse.
Ein Jahr darauf kam er erneut nach Schleiz, nun aber
als Fahrer und mit Horst Höhler im Seitenwagen. Scheidegger/Burkhardt beendeten
damals die lange Serie rein deutscher Siege, Deubel/Höhler wurden Zweite. An
Schleiz hat er grundsätzlich sehr gute Erinnerungen. Konkret auf das 1959er Rennen
trifft das trotz des 2. Platzes aber logischerweise nicht zu, denn nach nur 4
Runden erforderte eine Unfallserie mit tragischen Folgen den Abbruch. 33 Jahre
sollte die Gespann-Abstinenz auf dem Dreieck dauern. Und so war es zwangsläufig
auch Max Deubels letzter Kontakt als Aktiver mit dem Kurs. Im Osten
Deutschlands – auf der Autobahnspinne in Dresden-Hellerau - siegten die
bundesdeutschen Vizemeister von 1959 dann im Juli erstmals auch als
Lizenzfahrer.
Als Nachwuchs-Lizenzfahrer war ihm die Teilnahme an
der kompletten WM-Saison noch versagt. Aber beim deutschen Grand Prix in
Hockenheim, wo sie laut Reglement starten durften, weckten Deubel und Höhler
bereits Zukunftshoffnungen. Camathias/Cecco, die Sieger, und Schneider/Strauß
als Zweite fuhren noch in einer eigenen Liga. Aber auf der dritten Stufe des
Podiums standen der Mühlenauer und sein „Schmiermaxe“. Scheidegger/Burkhardt
wurden Fünfte.
Die erste volle WM-Saison wurde 1960 absolviert.
Platz 6 in der Gesamtwertung war das Spiegelbild einer guten Leistung, deren
Höhepunkt der 4. Platz im Großen Preis von Deutschland auf der Solitude war.
National reichte es wieder zur Vizemeisterschaft.
Zurück zum Geschehen von 1961. In einer nicht
vorhersehbaren Art und Weise bestimmte Max Deubel nun das Geschehen. Mit dem
frechen Zeichen „Max und Moritz“ auf der Verkleidung, wobei der Moritz
eigentlich ein Emil - sein neuer Copilot Emil Hörner – war, wurde das deutsche
Gespann nach Siegen in Hockenheim, auf der Isle of Man und in Assen sowie
zweiten Plätzen im französischen Clermont-Ferrand und in Spa-Francorchamps
Weltmeister. Hauptkontrahent Fritz Scheidegger – den er selbst als den neben
Florian Camathias stärksten, dabei sportlich sehr fairen Gegner bewertete
musste dann noch drei weitere Jahre auf den Weltmeisterschaftsgewinn warten.
Den letzten WM-Lauf seiner Karriere absolvierte das
Gespann, dem es bis heute als einzigem Team gelungen ist, viermal in Folge
Weltmeister in dieser Klasse zu werden, auf der Isle of Man 1966. Fritz
Scheidegger, seit 1962 mit dem Engländer John Robinson als Beifahrer, hatte
1965 die Deubel´sche Dominanz brechen können. Und auch 1966 war der Titel
bereits „in der Tasche“ der schweizerisch-englischen Crew, als die T.T.
aufgrund eines Hafenarbeiterstreikes im Juni erst Ende August ausgetragen wurde. Max Deubels und Emil Hörners
Vorhaben, das wohl schwerste Rennen der Welt zum vierten Mal zu gewinnen,
scheiterte damals an 8/10 Sekunden. Genau diesen Vorsprung attestierten die
Zeitnehmer Scheidegger/Robinson nach mehr als 180 Kilometern „Fernduell“.
Manchmal liegen Glück und Pech sehr eng zusammen. Auf jeden Fall hinterließ das
deutsche Gespann auf der Insel einen bleibenden Eindruck – ihnen zu Ehren wurde
dort sogar eine Briefmarke herausgegeben.
Von 1961 bis 66 gewannen „Max und Moritz“ 4 WM-Titel
sowie 2 Vizeweltmeisterschaften. Zusammen mit dem ersten „Podium“ von 1959 sind
12 Siege, 12 zweite und weitere 3 dritte Plätze in Weltmeisterschaftsläufen
eine sehr gute Bilanz.. Dass sie dabei auf acht verschiedenen Kursen siegten
zeugt von ihrer Universalität. Sechs deutsche Meisterschaften runden das Bild
ab.
Max Deubel hatte 1961 an das elterliche Haus in
seinem Heimatort ein Restaurant angebaut und es unter dem Namen „Zum schnellen
Max“ im November des gleichen Jahres eröffnet. Nach seiner Heirat 1966 wurde es
vergrößert sowie durch Fremdenzimmer, Gesellschaftsräume und eine Kegelbahn
ergänzt. Das „Sporthotel Deubel“ besteht noch heute, ist aber seit 1972
verpachtet. Von jenem Jahr bis 1998 war Max Deubel auch Repräsentant der Erzquell-Brauerei
Bielstein.
Dem Motorsport blieb er als ehrenamtlicher
Funktionär erhalten. So seit 1968 als Sportkommissar in der
DMSB-Vorgängerorganisation OMK (Oberste Motorradsport-Kommission), wobei er
auch als Organisator von Motorradsport-Veranstaltungen hervortrat. Für den ADAC
Nordrhein übte er die Funktion des Rennleiters bei zahlreichen Grand Prix und
Langstrecken-WM-Veranstaltungen aus.
1986 wurde er Mitglied der
Straßenrennsportkommission der FIM und bekleidet seit 1990 das Amt als deren
Vizepräsident.
Nicht unerwähnt bleiben darf die Auszeichnung mit
dem „Silbernen Lorbeerblatt“, die ihm 1962 gemeinsam mit Emil Hörner (der
leider am 26.Mai 2003 verstarb) zuteil wurde. Über die Vergabe dieser höchsten
Ehrung im deutschen Sport entscheidet einzig und allein der Bundespräsident.
Der ADAC würdigte seine Tätigkeit durch das „Sportabzeichen in Gold mit
Brillanten“, und auch die „Ewald-Kroth-Medaille in Gold mit goldenem Kranz“ –
1986 verliehen - zählt zu den hochrangigen Ehrungen.
Aktuell ist Max Deubel nach wie vor im Auftrag der
FIM tätig. Und er nutzt jede Gelegenheit, an die Orte seiner Erfolge
zurückzukehren und dort Freunde und Rivalen aus der Vergangenheit zu treffen.
So geschehen zum WM-Treffen in Schleiz, den "The Bikers Classics" in
Spa-Francorchamps und zur Neuauflage der Centennial Classic TT in Assen
2010.
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