Der Motorrad-Weltmeisterschaftslauf in Brno des Jahres 1982 brachte einige Besonderheiten mit sich. Allgemein bekannt war, daß in jener Zeit ein berechtigtes vermehrtes Sicherheitsdenken im Grand Prix Sport Einzug gehalten hatte. Wegen dieser Sicherheitsstrategie war es schon den legendären Strecken des Ulster GP (1971) und der Isle of Man TT (1976) "an den Kragen" gegangen, die ihren WM - Status eben wegen dieser Sicherheitsbedenken verloren hatten.

Motorrad Grand Prix 1982 in Brno

In Sachen des GP in Brno kam noch ein "Sonderstatus" hinzu: diese WM - Veranstaltung war die einzige im damals sozialistischen Lager (läßt man einmal den Kurs von Opatija im "halbsozialistischen Jugoslawien" außen vor) und dieser Grand Prix sollte, schon als Politikum, erhalten bleiben. So fand man ab 1975 einen Kompromiß, um wenigstens einen Teil der gefährlichsten Passagen aus der Streckenführung heraus zu nehmen - man baute eine Art "Querspange", wodurch die drei gefährlichsten Dorfpassagen in Kohoutovice, Pisárky und Nový Liskovec entfielen.
Plan Da die durch den Bau der "Querspange" erreichte Homologation der Strecke nur eine vorübergehende war, befasste man sich erstmals mit der Planung eines Motodroms (Bild links), denn nur eine permanente Strecke garantierte auch für die Zukunft Grand Prix Veranstaltungen. Nach den üblichen Scharmützeln mit Umweltschützern wegen eines geeigneten Grundstücks und den ebenfalls üblichen Problemen der Finanzierung der Anlage war es 1982 soweit und ein Baubeginn war zumindest in Aussicht. Natürlich stand auch etwas Druck seitens der FIM dahinter, denn eine Verlängerung der Homologation des alten Kurses wurde abgelehnt. Zwar konnte man den Termin der Fertigstellung des neuen Motodroms nicht halten (geplant war 1984), dafür konnte man drei Jahre später auf eine Anlage verweisen, die zu den modernsten Anlagen jener Zeit gezählt werden durfte.



Damit war der Grand Prix des Jahres 1982 der letzte, der auf der alten Strecke als WM - Veranstaltung stattgefunden hat. Zwar hat man auf dem Kurs bis einschließlich 1986 noch EM - Veranstaltungen durchgeführt, garniert mit Rennen zur TT - Meisterschaft, aber die Tage der alten Strecke waren gezählt. Eine weitere Besonderheit brachte der Grand Prix des Jahres 1982 auch noch mit sich. Die Klasse bis 350 ccm bestritt in Brno ihr vorletztes Rennen der WM - Historie. Ab 1983 wurde diese Klasse aus dem WM - Programm gestrichen. Nach dieser kurzen historischen Darstellung soll nun ein kleiner Bericht über den letzten Grand Prix auf dieser traditionsreichen Straßenrennstrecke folgen.

Mit Läufen in vier Klassen - 125 cc, 250 cc, 350 cc und Sidecars - nahm die Motorradweltmeisterschaft ihren vorläufigen Abschied von der Strecke in Brno. Als erste wurden die Fahrer der Viertelliterklasse zum Start aufgerufen. am Start die 250cc Klasse Als Favoriten galten der Trainingsschnellste Didier de Radigues, dann natürlich die um die WM - Krone kämpfenden Jean Louis Tournadre aus Frankreich und Toni Mang, sowie der immer für einen Podestplatz gute Carlos Lavado (im Foto von links nach rechts). Doch welch eine Dramatik bereits in der Aufwärmrunde. De Radigues Yamaha versagte den Dienst und damit war der Traingsschnellste vor dem Rennen bereits aus dem Rennen. Toni Mang, der bereits im Training Probleme hatte, arbeitete sich während des Rennens auf den zweiten Platz vor. Nach einem Rutscher fiel er dann aber bis auf den achten Schlußrang zurück. Der Franzose Tournadre fuhr ein relativ unauffälliges Rennen und brachte einen sicheren zweiten Platz ins Ziel. Überhaupt war es die Gleichmäßkeit des Franzosen die bestach. Das dies auch zum Erfolg führen kann zeigte sein Titelgewinn am Jahresende. Bliebe noch der Sieger des Laufes aus Venezuela, Carlos Lavado, zu nennen. Er führte bereits nach der ersten Runde und gab diese Führung nicht mehr ab. Exzellent auch die Vorstellung des Münchners Martin Wimmer. Von Platz vier ins Rennen gegangen hielt er im Ziel die starken Sito Pons und Patrick Fernandez auf Distanz, was ihm den dritten Rang bescherte. SiegerehrungDie pure Freude drückt das Foto unten über ihre Platzierung aus.

Das nächste Rennen war der Lauf der Achtellitermaschinen. Der bereits als Weltmeister feststehende Angel Nieto war zwar nicht am Start, aber das tat der Freude auf das Rennen keinen Abbruch. Zumindest war dadurch die Zahl der für einen Sieg in Frage kommenden Fahrer erheblich gestiegen. Der Schweizer Hans Müller brachte seine MBA nach dem Training auf Startplatz eins. Zweitschnellster war Gustl Auinger aus Österreich und an vierter Position, also in der ersten Startreihe, platzierte sich der kleine Italiener Eugenio Lazzarini. Aber auch hier wieder schon vor Rennbeginn ein kleines Desaster. Der Platz des Dritten nach dem Training, der des Italieners Pier Luigi Aldrovandi blieb leider frei. Als Doppelstarter war er bereits im vorhergehenden Rennen der Viertelliterklasse unterwegs gewesen. Dabei kam er zu Fall und brach sich das Schlüsselbein, was natürlich einen erneuten Start nicht zuließ. Gute Ausgangspositionen für das Rennen hatten sich auch noch der junge Venezuelaner Ivan Palazzese, die beiden weiteren Schweizer Stefan Dörflinger und Bruno Kneubühler, der Deutsche Gerhard Waibel und der kleine Spanier Ricardo Tormo erarbeitet. Hans Müller untermauerte seine Trainingsbestzeit, indem er von der ersten bis zur siebenten der elf zu fahrenden Runden das Feld anführte. Dahinter der junge Mann aus Venezuela, Ivan Palazzese und Eugenio Lazzarini, die Fahrer der ersten Startreihe also. Bis zur siebenten Runde blieb diese Reihenfolge konstant. Nach der achten Runde brachte sich auch noch der Spanier Ricardo Tormo ins Spiel und Hans Müller fand sich auf dem undankbaren vierten Platz wieder. Danach folgten noch zwei Führungsrunden von Palazzese. In der letzten Runde schlug jedoch der schlaue Fuchs Lazzarini zu. Er gab seiner Garelli die Sporen und erfuhr sich bis zur karrierten Flagge noch einen zwei-Sekunden Vorsprung. Völlig verdient der zweite Platz des immer aktiven Palazzese. Tormo setzte sich auf den dritten Rang fest und dem starken Hans Müller, der mit nachlassender Motorleistung seine Probleme hatte, blieb nur der undankbare vierte Platz.

Siegerehrung Klasse bis 125cc Betrachtet man das Foto der Siegerehrung der 125 cc Klasse, so scheint die Freude doch etwas weniger zu sein als im obigen Siegerehrungsfoto der Klasse bis 250 cc. Bei den "Kleinen" sehen wir von links nach rechts: Palazzese, Lazzarini und Tormo. Die beiden Erstgenannten sind links in voller Aktion zu sehen: Lazzarini mit der 2 und darunter Palazzese.
Damit war die Halbzeit dieses Renntages erreicht und die 200 Tausend Besucher freuden sich schon auf die noch ausstehenden Rennen der 350 cc Klasse und der Sidecars, die wie immer den Abschluß bildeten. Auf alle Fälle waren im jetzt folgenden 350 cc Rennen alle fünf bisherigen Grand Prix Sieger des Jahres in dieser Klasse am Start die da waren: Lavado, Saul, Baldé, de Radigues und Toni Mang. Der Franzose Baldé hatte bereits schon drei Rennen dieser Klasse gewonnen. Sein Startplatz in der achten Reihe deutete aber schon an, daß es nicht das Wochenende des französischen Kawasaki - Fahrers war. Erneut war der Belgier de Radigues, wie schon in der Viertelliterklasse, der Trainingsschnellste. Ihm folgte Toni Mang, der starke Schweizer Jacques Cornu und Carlos Lavado, der damit die erste Reihe komplettierte. Neben Toni Mang natürlich war aus deutscher Sicht bester Pilot der kampfstarke Gustl Reiner vor Karl Thomas Grässel und Martin Wimmer. Letzterer hatte ja schon in der Viertelliterklasse mit einem Podiumsplatz seine Pflicht erfüllt. Nachdem die warm - up Runde für de Radigues ohne Defekt verlaufen war durfte angenommen werden, daß der Belgier sich nun für sein Pech im ersten Rennen schadlos halten wollte. Dies geschah auch. Er distanzierte den Zweitplazierten Toni Mang um rund 13 Sekunden. Dahinter stritten sich Cornu und die beiden Franzosen Espie und Saul um den noch zu vergebenden Podestplatz. Der großgewachsene Schweizer entschied diesen Dreikampf für sich und durfte sich über seinen dritten Rang zu recht freuen. Stolz konnte auch Gustl Reiner auf seinen sechsten Rang sein. Immerhin waren so bekannte Namen wie Christian Sarron, Carlos Lavado und Martin Wimmer hinter ihm. Die Fahrt von KT Grässel endete leider bereits in der zweiten Runde.
Siegerehrung Klasse bis 350 cc Ein weiterer Höhepunkt dieses Renntages hatte also auch aus deutscher Sicht mit Mang und Reiner - wie nennt man das so neumodisch - in den top-six ein vorerst erfreuliches Ende gefunden und noch stand ja das Seitenwagenrennen im Programm. In dieser Klasse waren ja schon traditionell oft deutsche Siegfahrer am Ablauf.
Das abschließende Gespannrennen hielt dann auch, was man sich von ihm versprochen hatte. Die Schweizer Gespannpaarung Biland / Waltisperg hatten zwar eine großartige Trainingszeit hingelegt und in ihrem Schlepptau die Holländer Streuer / Schnieders, aber das sollte vorerst nicht viel bedeuten. Wie sagt man so schön platt ausgedrückt: ein Rennen endet erst mit der schwarz-weiß-karrierten Flagge. Leider kam es dann so wie viele befürchtet hatten: der haushohe Favorit und praktisch "schon-Weltmeister" Biland fiel bereits in der ersten Runde wegen eines Motorschadens aus. Danach stürmte Streuer mit weiten Abstand vor dem Feld einher. Dann kam in der vierten Runde die Ansage des Streckensprechers, daß die niederländische Gespannpaarung wegen eines Reifenschadens ausgefallen sei. So übernahm in der vierten Runde der Franzose Alain Michel die Spitzenposition. Im Beiwagen von Michel war der Hanauer Motorradhändler Michael Burkard aktiv. Danach folgte die englische Paarung Derek Jones mit Brian Ayres als Passagier und knapp dahinter Mister "Zuverlässig" aus Deutschland, Werner Schwärzel mit seinem langjährigen Passagier Andreas Huber. Letztere Paarung bestach, zumindest in 1982, nicht nur durch fahrerische Qualität, sondern eben auch durch diese schon erwähnte Zuverlässigkeit. Sie hatten zwar in dem Jahr noch keinen Sieg eingefahren, aber auch noch keinen Ausfall zu verzeichnen. Das ließ das Punktekonto gleichmäßig anwachsen. Der lange erhoffte und verdiente WM - Titel war in Reichweite gekommen. Doch zurück zum Renngeschehen. Die Frage ab der siebenten von zehn zu fahrenden Runden lautete nun, wer wohl die Gewinner sein werden: Michel / Burkhard oder Schwärzel / Huber. Die bereits erwähnten Engländer konnten das hohe Tempo nicht mehr mitgehen und hatten sich, so schien es, bereits auf den dritten Podiumsplatz festgelegt. Die Spannung der Zuschauer stieg immer mehr an. 36/100 Sekunden betrug die Differenz der beiden Gespanne beim überqueren der Ziellinie mit dem besseren Ende für Michel / Burkhard. Zwar fehlte es den Deutschen weiterhin am ersten GP Sieg der Saison, aber mit dem am Saisonende erreichten WM - Titel fand die Saison noch einen krönenden Abschluß.
Die Aktiven der Seitenwagenszene von Brno 1982, welche das Rennen zu einer exzellenten Show werden ließen : von links nach rechts zu sehen Andreas Huber, Werner Schwärzel, Michael Burkard, Alain Michel, Derek Jones und Brian Ayres. Nicht vergessen werden sollte hier auch Rolf Steinhausen mit Hermann Hahn, die einen souveränen vierten Platz belegten (Bild unten).


Als "Nachschlag" weiter unten noch ein paar Bilder mehr vom letzten reinen Straßenrennen in der mährischen Hauptstadt Brno 1982.
Siegerehrung der Sidecars in Brno 1982


Gustl Reiner
immer am Gas...
(oben)
Barton-Cutmore
10. Platz bei den Sidecars
(links)
Ivan Palazzese
er hat gut lachen
(rechts)


Bingham - Bingham
die Frau ist immer dabei
(Foto oben)
Alan North
für den Durchblick...
(ganz links)
Willy Perez
so sieht Zufriedenheit aus
(links)

Martin Wimmer
Pflichtaufgabe in der 350 cc Klasse
(Foto oben)
Paolo Ferretti
vielversprechend, aber...
(rechts)
Alain Michel
Letztes Gespräch vor dem Erfolg
(ganz rechts)



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