Motorrad Grand Prix 1977 in Brno...

...Rennsport vor dreißig Jahren, Teil 1

AGO, der große Giacomo Agostini (rechtes Bild) hat allen Grund für ein freundliches Gesicht, denn beim Jahrgang 1977 hier in Brno erreichte er den letzten Podestplatz seiner erfolgreichen Karriere. Er wurde hinter dem aufstrebenden Venezolaner Johnny Cecotto Zweiter, vor dem Franzosen Michel Rougerie, der den dritten und damit letzten Podestplatz einnahm. Auch wenn es in den Folgejahren natürlich weitere Stars gegeben hat, die Erfolge eines Giacomo Agostini erreichte bis jetzt keiner mehr und auch nur ganz wenige Piloten nach Ago verfügten über dessen persönlicher Ausstrahlung!
Als ich das obige Foto mit Ago und dem Amerikaner Steve Baker in die Hände bekam, mußte ich an die Geschichte denken, die es vor wenigen Tagen in vielen Zeitungen zu lesen gab, als sich ein talentierter Nachwuchsfahrer, aus welchen Gründen auch immer, nicht zusammen mit einem anderen Fahrer fotografieren lassen wollte. Wie unkompliziert da doch vor 30 Jahren sogar Weltstars waren!?! Ich erinnere mich noch genau, wie ich seinerzeit den etwa 5 Meter entfernt stehenden Ago für diese Aufnahme zusammen mit dem Amerikaner gebeten hatte. No Problem, er ging die paar Meter mit mir zusammen zu Steve Baker und lächelte freundlich in die Kamera. Klar, daß sich da natürlich ein Vergleich zwischen dem Rennsport von einst und jetzt regelrecht anbietet. Während ein "Waschtag" bei Armando Toracca aus Italien verdeutlicht, wie es teilweise früher in den Fahrerlagern ausgesehen hat, bestimmen heute die "Hospitalities" das teilweise (sterile) Leben im Fahrerlager, pardon, muß ja jetzt Paddock genannt werden. Das Fernsehen und damit im Zusammenhang stehend der Kommerz, bestimmen, wo und wie es lang geht. Zugegeben, im Vergleich zur Formel 1 wirkt das Fahrerlager der Moto Grand Prix Szene noch immer wie ein Campingplatz, allerdings wie einer der gehobenen Art. Dabei tendiert die Richtung der Atmosphäre schon hin zur Formel 1. Offenbar glaubt man, alle in der Formel 1 gemachten Fehler, wie zu hohe Kosten, zu hohe Eintrittsgelder, usw., unbedingt auch machen zu müssen. Eigentlich sollten die negativen Bilanzen der Formel 1 Veranstalter und auch der Zuschauerschwund Warnung genug sein...
Doch zurück zum Motorradrennsport 1977 in Brno vor drei Jahrzehnten. der Schweizer Meier im Gespräch mit Katayama Ein Beleg für die bereits angesprochene familiäre Atmosphäre in jener Zeit zeigt das linke Foto. Da unterhält sich der Japaner Takazumi Katayama, immerhin erster japanischer Weltmeister, gerade mit dem Schweizer Franz Meier. Sie fragen sich sicherlich, wer der Schweizer ist. Er belegte beim Rennen der 350 cc Klasse Rang 20. Das hinderte aber Katayama nicht daran, auch mit einem Fahrer der hinteren Startreihen ein Gespräch zu führen. Rennfahren verbindet eben, vor allem dann, wenn man es auch noch etwas als Sport ansieht. In die Kategorie "familiäre Stimmung"

passt auch das Bild rechts oben. Da interessieren sich tatsächlich zwei nicht ganz unbekannte Fahrer wie Pat Hennen (links) und Franco Uncini für das Fotoalbum eines Rennfans, in dem Fall das mir gehörende.Freund Frank und Paolo Pileri beim Erinnerungsfoto Auch der Italiener Paolo Pileri nimmt sich die Zeit und stellt sich, zusammen mit meinem Freund Frank Bischoff, für ein Erinnerungsfoto zur Verfügung. Wie heißt es doch so schön: "Stars zum anfassen" eben. Möglicherweise spielt bei dem Vergleich der Atmosphäre im Fahrerlager zwischen einst und jetzt auch das Durchschnittsalter der Akteure eine Rolle. Während heute, hochgepuscht von den zahlreichen Medien, eine "Playstation - verwöhnte - Jungstarelite" die Szene im Fahrerlager beherrscht, waren es früher sehr oft "gestandene Männer", welche den Ton angegeben haben und die sich auch gegenüber den Dingen des täglichen Lebens aufgeschlossen zeigten.
Bei aller Schwärmerei von "der guten alten Zeit" möchte ich allerdings auch einige positive Entwicklungen, die der Rennsport genommen hat, nicht unerwähnt lassen. So hat sich das Sicherheitsdenken, zum Wohle der Akteure, extrem verbessert. Besonders ein Mann hat sich dabei große Verdienste erworben: Ing. Luigi Brenni aus der Schweiz. Als Präsident der Straßenrennsportkommision bei der FIM, und selber auch Motorradfahrer, hat er viel für die aktive Sicherheit der Fahrer in die Wege geleitet. Auch die finanzielle Situation der Akteure hat sich in den letzten Jahren doch erheblich verbessert. Das soll es aber mit den Vergleichen von einst und jetzt erst einmal gewesen sein.
Alan North wartet auf die Maschinenabnahme Insgesamt hatten 143 (!) Fahrer plus 21 Beifahrer bei den Gespannen als Aktive für den Großen Preis der damaligen CSSR am 7.August 1977 gemeldet, respektive hatten die Maschinenabnahme passiert. Mit der Nummer 18 wartet der Südafrikaner Alan North bei der Maschinenabnahme gerade auf das okay der technischen Kommisare. Zu den Kontrollen bei der Maschinenabnahme gehörte auch eine Messung (siehe Foto)

des Geräuschpegels. Mir ist allerdings nicht bekannt, daß es dabei zu irgendwelchen Beanstandungen gekommen war.
Unmittelbar nach Trainingbeginn machten leider auch zwei weniger erfreuliche Mitteilungen des Pressebüros die Runde (unten)

Virginio Ferrari
Keine Frage, nach solchen Meldungen konnte man die Bemühungen nach mehr Sicherheit gut verstehen. Während für den Italiener Virginio Ferrari (linkes Bild) der Grand Prix leider gelaufen war, legte sich für Charlie Meierhans ein Ersatzbeifahrer Landsmann Tschunko ins Boot, um wenigstens die finanzielle Situation durch das sonst entgehende Startgeld erträglicher werden zu lassen. An eine ansprechende Platzierung war unter den Umständen natürlich nicht zu denken.


Nach dem Randgeschehen und den Gedanken über die Atmosphäre der seinerzeitigen GP - Veranstaltungen nun auch noch ein paar Worte zum Renngeschehen des Jahrgangs 1977 in Brno. Welch einen Freudensprung würden wohl die Herren der Tabakindustrie in der heutigen Zeit machen, sollten sie jemals dieses Bild rechts zu Gesicht bekommen. Der Ire Tom Herron am Start zum Rennen der Klasse bis 350 cc. Es scheint fast so, als haben die paar Züge an der Zigarette wie legales Doping auf Tom gewirkt, denn am Schluß der 14 Runden Hatz, das waren immerhin auf dem "alten" Kurs in Brno eine Renndistanz von 152,880 Kilometer, belegte er einen hervorragenden zweiten Platz. Sieger dieses Laufes wurde Jungstar Johnny Cecotto aus Venezuela, der später auch noch das Rennen in der Halbliterklasse gewann. Zugegeben, den Venezolaner habe ich nie rauchen sehen.

Im Bild oben liegt Kork Ballington vor Franco Uncini. Während Ballington nach der ersten Runde die Ziellinie noch als dritter überquerte und sich am Ende als Siebenter platzierte, fiel der Italiener Uncini in der siebenten Runde aus.

Auf dem Bild oben sehen wir bei der Siegerehrung der 350 cc Klasse von links: Tom Herron, Johnny Cecotto und Christian Sarron. Das gute Gesamtergebnis der Franzosen vervollständigte Michel Rougerie als Achter, Oliver Chevallier (Bild rechts) als Elfter und einen Platz nach ihm Jean Claude Hogrel.
Während sich einige Aktive, wie zum Beispiel Johnny Cecotto, eine Pause gönnen konnten und erst in der Halbliterklasse ran mussten, hatten es verschiedene Protagonisten nicht so gut. Der Start des Rennens der 250 cc Klasse war angesagt und eine weitere Renndistanz von diesmal "nur" 13 Runden gleich 141,960 Kilometer mußte bewältigt werden. Der in der WM führende Italiener Mario Lega bereitet sich, wie auf dem rechten Foto zu sehen, gewissenhaft auf seinen Start vor. Seine Beständigkeit war eines seiner Erfolgsgeheimnisse. Das Glanzlicht setzten aber diesmal zwei andere Fahrer:

seine Landsleute Franco Uncini (Bild oben) und Vorjahresweltmeister Walter Villa. Beide trennten im Ziel ganze 41/100 Sekunden und zwar mit dem besseren Ende für Uncini. Gut in Szene setzen konnten sich erneut Tom Herron und Kork Ballington, der Südafrikaner. Beide lieferten sich einen exzellenten Zweikampf um den allerdings undankbaren vierten Rang, den der Südafrikaner (Foto unten mit der 15) vor Tom Herron und ganzen 46/100 Sekunden Differenz im Ziel gewann. Danach folgten die Südafrikaner Alan North, bei dem die Maschinenabnahme (Foto oben) doch erfolgreich war, sowie Jon Ekerold (Foto unten mit der 16), der einige Jahre später zu Weltmeisterehren kam. Ein italienisches Trio mit Walter Villa, Franco Uncini und Mario Lega (Bild unten) durften sich also vereint über ihre Nationalhymne erfreuen.


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