...der Motorrad Grand Prix 1975 in Brno, Teil 1...


Der Grand Prix in Brno 1975 brachte einige Neuigkeiten und Höhepunkte mit sich. Zu erst sollte die verkürzte, teilweise völlig neue Streckenführung erwähnt werden. Um den vermehrt um sich greifenden Sicherheitsgedanke zu realisieren, hatten die Veranstalter ein völlig neues Streckenstück gebaut. Es begann vor dem Dorf Zebetin und mündete kurz vor dem Fahrerlager in die bisherige Strecke ein. Damit waren drei sehr gefährliche Dorfdurchfahrten "verschwunden" und die Strecke um rund 3 Kilometer kürzer geworden. Natürlich war das erst einmal eine "Ausweichvariante", aber von dem Zeitpunkt an gab es vermehrt Diskussionen um ein echtes Motodrom.
Eine weitere Neuigkeit, besser ein Höhepunkt, war, daß es erstmals einer japanischen Firma gelang, die als unschlagbar geltenden italienischen Halblitermaschinen vom Weltmeisterthron zu stürzen. Was den großen Honda - Stars um Hailwood und Redman nie gelungen war, nämlich die scheinbar übermächtige Halbliter MV-Agusta beim Kampf um die WM-Krone zu besiegen, das schaffte Giacomo Agostini mit der Yamaha. Da konnte auch MV - Agusta´s Starfahrer Phil Read nichts ausrichten. Damit strafte Ago alle jene Leute Lügen, die seine große Zahl an WM - Titel nur dem jeweils überlegenem Maschinenmaterial zuordneten. Ago hilfreich zur Seite stand sein treuer Weggefährte über viele Jahre, der Spitzenmechaniker Nobby Clark (im Foto rechts), der sogar den technologisch hochentwickelten Japanern noch einiges beibringen konnte.
Für eine Überraschung sorgte auch der bescheidene und zurückhaltende Schwede Leif Gustafsson im Rennen der Achtelliterklasse. Er fuhr hier seinen ersten und auch einzigen Grand Prix Sieg seiner Karriere ein und verwies dabei keinen geringeren als Doppelweltmeister Kent Andersson auf Rang zwei. Beide profitierten allerdings dabei vom Ausfall des in der Saison überragenden Italieners Paolo Pileri. Wie man auf dem rechten Foto sehen kann, schien Leif Gustafsson beim Aufwärmen vor dem Start selber noch nicht so sehr von seinen Siegchancen überzeugt zu sein.

Während also die Schweden einen Doppelsieg feiern konnten, brachten auch die Österreicher recht ordentliche Resultate zu stande. Harald Bartol bekam für seinen fünften Platz noch sechs WM - Punkte und für den sechsten Platz von Johann Zemsauer (Foto unten links) erhielt dieser immerhin noch fünf WM - Punkte gut geschrieben. Etwas glückloser agierte da Hans Joachim Hummel (Foto unten rechts), der etwa nach der Hälfte des Rennens ausgefallen war. Noch mehr Pech hatte Rudolf Weiss, für den bereits in der vierten Runde das vorzeitige aus kam.
Gewohnt konstant präsentierte sich wie immer der Schweizer Bruno Kneubühler (Foto links). Für einen, der eigentlich die größeren Klassen mehr mag, ist sein erzielter vierter Platz sicher kein schlechtes Resultat. Da mit Hans Müller ein weiterer Schweizer in die "Top Ten" kam - Rang sieben durfte er für sich verbuchen - kann man von einem achtbaren "Teamergebnis" aus Schweizer Sicht sprechen.
Natürlich ist es falsch, bei dieser Sportart von "Teamergebnis" zu schreiben, aber dadurch wird auch ein wenig die vorhandene Breite im jeweils erwähnten Land dargestellt. Die deutsche Ehre rettete übrigens Peter Frohnmeyer mit einem achten Rang.

Bei den Rennen der 250 cc und 350 cc Klassen waren fast ausnahmslos die gleichen Fahrer unterwegs. Hier konnten es vor allem die WM-Führenden etwas geruhsamer angehen lassen, denn sowohl in der Viertelliterklasse mit Walter Villa, als auch in der 350 cc Klasse mit Johnny Cecotto, dem Wunderknabe aus Venezuela, waren praktisch "die Messen gelesen", sprich die WM - Titel vergeben. Jedenfalls lässt sich auch in den Gesichtern der beiden Fahrer keine besonders große Anspannung ablesen. Im Bild rechts außen blickt zwar Walter Villa noch auf seine Konkurrenten, aber wohl eher mit dem Gedanke im Hinterkopf: nun macht mal schön... Auch Johnny Cecotto scheint sich wohl eher aus Höflichkeit die Worte seines Managers Ippolito (im Foto rechts) anzuhören... Kurz und gut, oder auch weniger gut - für beide blieb bei vier gefahrenen Rennen nur ein magerer 13. Platz von Walter Villa die gesamte Ausbeute von Brno 1975. Villa schaffte es in der 350 cc Klasse auf ganze 6 Runden, während es Cecotto in beiden Klassen zusammen gerade mal auf 13 Runden brachte, ohne eine Zielflagge zu sehen. Der erfolgreichste Fahrer des Jahrgangs 1975 in Brno war der Italiener Otello Buscherini. Er gewann das Rennen der Klasse bis 350 cc und konnte sich auch in der Klasse bis 250 cc als Zweiter hervorragend platzieren. Auf dem Bild unten sehen wir ihn zusammen mit Johnny Cecotto am Start.
Das Rennen der Viertelliterklasse gewann übrigens der Franzose Michel Rougerie (Foto links). Auch Dieter Braun bot eine respektable Vorstellung und platzierte sich hier als Dritter, während er in der 350 cc Klasse einen Ausfall zu verzeichnen hatte. Jedenfalls wurde er von seinen deutschen Fans, vornehmlich aus der damaligen DDR, genauso gefeiert wie die Sieger. Da ja das Sidecar - Rennen auch im Programm war, durften die Fans aus der ohnehin auf "ihre Hymne" hoffen.
An dieser Stelle möchte ich einmal einen Versuch zur Jetztzeit wagen, was die Internationalität einer WM-Veranstaltung anbelangt. Während heute, hauptsächlich in den kleinen Klassen, überwiegend italienische und spanische Fahrer zu sehen sind, war "in der guten alten Zeit" das Starterfeld gemischter. Ob die heutige Entwicklung wirklich so viel besser ist ...? In Sachen Sicherheit lautet die eindeutige Antwort: ja. Darüber hinaus gibt es aber auch noch andere Aspekte und darüber darf auch einmal nachgedacht werden...
Als ein "Exot" entpuppte sich der Finne Tapio Virtanen, der seine "betagte" MZ noch immer auf einen sechsten Platz in der Viertelliterklasse brachte (im Foto rechts am Start). Aber auch ein Mann von der grünen Insel Irland, Tom Herron, im Bild links, wusste zu glänzen. Nach seinem dritten Platz auf der IOM zeigte er als Vierter in der 350 cc Klasse auch in Brno in mitten der Weltelite seine "Straßentauglichkeit.

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