Rennsport vor 25 Jahren

und einige seiner Helden
Teil 1 - Solofahrer der Klassen 125cc + 250cc + 350cc
Vielleicht wird so mancher Besucher dieser Seite erstaunt sagen: ...ist das nicht der... im linken Bild. Ja, der ist das. Wenn ich in dieser Rückbetrachtung auch eigentlich nur auf die aktiven Helden jener Tage verweisen will, so sei mir bitte in dem Fall eine Ausnahme gestattet. Etwa in dieser Zeit begann nämlich die Karriere eines Journalisten, der, und das muss man neidlos anerkennen, sich um die Berichterstattung im Motorradrennsport große Verdienste erworben hat. Auch wenn mir oftmals der Stil dieses Mannes nicht so gefällt, sein Fleiß, seine inzwischen erlangte Fachkenntnis und sein Durchhaltevermögen verdienen allemal höchste Anerkennung. Wer sich schon etwas länger mit der Rennszene befasst weis natürlich jetzt, dass es sich um den Österreicher Günther Wiesinger handelt, seines Zeichens Chefredakteur der wohl am meisten gelesenen Motorsportzeitung für den Rennsport, "Motorsport aktuell", mit Sitz in der Schweiz.

Keine Frage, zu den herausragenden Fahrern des 79er Jahrgangs gehörte der aus Südafrika kommende und jetzt in Australien lebende Hugh Neville "Kork" Ballington. Nach seinen beiden Weltmeistertiteln für Kawasaki in den Klassen 250 cc und 350 cc von 1978, mit denen er die lange Yamaha Dominanz in diesen Klassen beendet hatte, konnte er sich auch 1979 wieder mit diesen beiden Weltmeistertitel schmücken und damit zum Vierfachchampion avancieren. Damit war er für die Marke Kawasaki erst der zweite Weltmeister, nachdem bereits 1969 der leider später (nicht bei einem Rennen!) tödlich verunglückte Engländer Dave Simmonds den ersten WM-Titel für die Japaner gewonnen hatte. Simmonds erzielte seinen Titelgewinn allerdings seinerzeit  in der Achtelliterklasse. Einer der schärfsten  Konkurrenten des Südafrikaners war der Australier Gregg Hansford (Foto unten). Er wurde Vizeweltmeister in der 250 cc Klasse und ...
...errang in der 350 cc Klasse den dritten Platz in der WM. Wie Ballington war auch Hansford in beiden Klassen mit einer Kawasaki unterwegs.
An dieser Stelle möchte ich noch das sehr lobenswerte Verhalten der Fahrer gegenüber ihren Fans in jenen Tagen zum Ausdruck bringen. Fast immer nahm man sich die Zeit, um Autogrammjäger zufrieden zu stellen, war für ein Erinnerungsfoto bereit oder gar für ein kurzes Gespräch. Und das, obwohl man oft auch noch selbst mit Hand anlegte bei der Wartung der Maschinen. Da könnte sich mancher "Möchtegern-Star" der heutigen Szenerie ruhig ein paar Gedanken darüber machen.

(Foto oben): der Italiener  Paolo Pileri.wird hier von Toni Mang verfolgt

Ein recht gutes Jahr war 1979 für den Franzose Patrick Fernandez. Vizeweltmeister in der Klasse bis 350 cc, dazu WM-Fünfter in der 250 cc Klasse, sowie ein Sieg beim Heim-Grand-Prix in der 350 cc Klasse - diese Bilanz kann sich wirklich sehen lassen (rechts)

Auf dem Weg zur Maschinenabnahme befinden sich hier Patrick Fernandez (oben rechts im Bild) und der Amerikaner Randy Mamola. Jawohl, es ist jener Mamola, der später in der Halbliterklasse sehr erfolgreich unterwegs war und noch heute bei den GPs als Boxenreporter tätig ist. Verblüffend sein in jenen Tagen noch relativ üppiger Haarwuchs. Er war übrigens 1979 Sechster in der 250 cc WM geworden.


Eine erstaunlich große Anzahl wirklich guter Fahrer kam in jener Zeit aus Frankreich. Neben den bereits weiter oben erwähnten Fernandez darf man dabei Jean Francois Baldè (rechtes Foto) ebenso wenig
vergessen wie im Foto oben mit der Nummer 30 Christian Estrosi. Zwar war er nicht so erfolgreich wie Baldè aber doch schon zur absoluten Spitze zählend. Letzteres trifft natürlich auch auf die sich im linken Foto duellierenden Eric Saul mit der 22 und Olivier Chevallier mit der 15 zu. Während es Saul immerhin zu einem Grand Prix Sieg brachte, verunglückte "Olli" Chevallier später tödlich.
Natürlich gab es noch weitere Franzosen von überdurchschnittlicher Qualität in 1979, die zumindest erwähnt werden sollen, auch wenn sie an dieser Stelle nicht bildlich dargestellt werden. Da wäre sicher der kleine Michel Rougerie erwähnenswert, ebenso der leider auch verunglückte Patrick Pons, sowie Hervè Guilleux.

Im Bild rechts bereitet sich Guy Bertin konzentriert auf sein Rennen vor. Diese Gewissenhaftigkeit zahlte sich aus. Am Ende gerade dieses Rennens stand er ganz oben auf dem Podest und hat seinen ersten GP-Sieg errungen.
"Das Maschinchen müsste man haben", scheint der Schweizer Roland Freymond hier zu denken. "Ob wohl dieses Gefährt das Geheimnis seiner Erfolge ist ?" Auch der Besitzer des Zweirades, der Franzose Jean-Francois Baldé zeigt sich richtig stolz dem Fotografen.

Aus deutscher Sicht war der Inninger Toni Mang sehr erfolgreich. Seine WM-Ränge 6 in der 250 cc Klase und 4 in der 350 cc Klasse waren schon beachtlich. Dabei

sollte die große Zeit des Toni Mang erst noch kommen.
Ungleich schwerer war es für Fahrer vom Schlag eines Harald Merkl. Für sie war der Erhalt eines Startplatzes im erlauchten Kreis der Weltklasse schon ein Erfolg.

Natürlich bestand die deutsche Rennszene 1979 nicht nur aus Toni Mang. Da wären noch die Waibel-Brüder Gerhard und Alfred zu nennen. Immerhin gelang Gerhard in der 50cc Klasse in dem Jahr sogar ein GP-Sieg. Auch Hagen Klein (Foto oben) sollte man nicht vergessen, wie auch Wolfgang Müller nicht oder Altmeister Rudi Kunz, Ingo Emmerich und Gerhard Singer.
Bei den 125ern war es vor allem Walter Koschine (rechtes Foto), der neben Gert Bender die deutschen Fahnen mit zwei dritten Plätzen bei den GPs in Deutschland und Spanien erfolgreich vertreten hat. Auch von Reinhold Roth war erstmals zu hören. In der Halbliterklasse waren Gustav Reiner, Josef Hage, Dieter Heinen und Gerhard Vogt bei GPs am Start.

Eine wirklich "gute Figur" haben 1979 die Fahrer der Schweiz abgegeben, nicht nur in der Klasse der Seitenwagen. Bestplatzierter Schweizer in den Soloklassen war dabei Rolf Blatter, der sich als Vizeweltmeister in der 50 cc Klasse prächtig präsentierte. Auch Hans Müller (Foto am Ende diese Rückschau) demonstrierte sein großes Können. In der Achtelliterklasse wurde er WM-Dritter und auch in der Viertelliterklasse zeigte er fabelhaftes fahrerisches Können.

Auch Roland Freymond (Bild oben), sowie Michel Frutschi (rechts am Start) wussten während des ganzen Jahres zu überzeugen. Leider verunglückte Frutschi im Frühjahr 1983 tödlich. Aus der Klasse bis 500 cc sollten auch noch Philippe Coulon erwähnt werden, der viele gute Resultate in der von Stars geprägten Klasse einfuhr, sowie Sergio Pellandini. Last but not least darf man natürlich auch nicht die beiden Etablierten Bruno Kneubühler (unten links) und Stefan Dörflinger (unten rechts) nicht vergessen.

Die kurze Vorstellung der Schweizer Rennszene wäre unvollständig, ohne den Oldie "Kroko" Reiner Koster (Foto oben) zu erwähnen, der Jahre später sogar in der Sidecarszene erschienen war.

Bewunderung für Rolf Blatter. Wer bei diesen Körpermaßen in den kleinen Klassen startet und dazu noch erfolgreich, verdient den ganzen Respekt.

Mit Wehmut erinnerte man sich, aus Sicht der Österreicher, auch in 1979 an die Zeiten, als mit Rupert Hollaus und Bert Schneider zwei Österreicher für ausländische Werksteams gefahren waren NSU und Suzuki) und mit Rupert Hollaus sogar ein Weltmeister sein Domizil in dem Alpenland hatte.

Um so erfreulicher war natürlich das Abschneiden einiger Piloten, die nicht nur auf dem fahrerischen Sektor Erfreuliches leisteten, sondern sich auch auf technischem Gebiet einen Namen machten. Allen voran Harald Bartol (linkes Bild), der in der 125cc Klasse sogar drei zweite Plätze einfahren konnte. Leider konnte die Standfestigkeit seiner getunten Motoren nicht mit deren Leistungsfähigkeit mithalten. 
Auch Hans Hummel verdient in dieser Richtung erwähnt zu werden. Sein Betätigungsfeld als Aktiver lag aber mehr in der Klasse bis 50cc.
Sicherlich eines der größten Talente, nicht nur in Österreich, war "Gustl" Gustav Auinger (rechtes Bild). Er hätte wohl vom Talent her nach Hollaus der zweite Österreicher mit WM-Titel werden können. Allerdings waren für ihn leider die Vorzeichen nicht so günstig wie bei Hollaus, der ja über einen NSU-Werksvertrag verfügt hatte. Immerhin gelangen Auinger in den Jahren 1985 und 1986 insgesamt 5 Grand Prix Siege.
Auch Edi Stöllinger (Foto oben rechts, in Führung vor Pentti Korhonen), mit einer schnellen Kawasaki ausgestattet, verdiente sich in 1979 durch seine exzellente Fahrweise den Respekt seiner Konkurrenz. Auch dem nicht im Bild dargestellten Max Wiener; der leider auch nicht mehr unter uns weilt, sollte man an dieser Stelle nicht vergessen.  Er war allerdings mehr in der 500cc Klasse unterwegs.


Die beiden Niederländer Peter Looyesteyn (links oben) und Rinus van Kasteren (darunter) waren an den GPs ebenso gern gesehene Gäste wie der in der 350cc Klasse startende Japaner Sadao Asami.


Keine Frage, der Südafrikaner Jon Ekerold gehörte in dieser Zeit ebenfalls zu den ganz hoch gehandelten Spitzenfahrern, was er auch mit seinem Sieg beim deutschen Grand Prix in der 350cc Klasse unterstrich. Er verwies dabei keine Geringeren als Toni Mang, Michel Frutschi und Kork Ballington auf die Plätze. Ein Jahr danach, 1980, verwies er im letzten Saisonrennen auf dem Nürburgring Toni Mang auf den zweiten Platz und wurde damit Weltmeister in der Klasse bis 350cc. Sein Sohn Jon fuhr später auch Rennen, aber leider ohne die Erfolge des Vaters auch nur annähernd zu erreichen. In ihrem sympathischen Auftreten sind sich aber beide Ekerolds gleich. Übrigens wohnen beide schon viele Jahre in Deutschland.


Von "down under" aus Australien beteiligte sich das Brüderpaar Jeff (links) und Murray Sayle (35) an den Grand Prix Rennen.


Einen hervorragenden zweiten Platz in der Klasse bis 350cc erreichte der Finne Pekka Nurmi (oben) beim Grand Prix in Jugoslawien, hinter Kork Ballington. Nicht so erfolgreich verlief für den Ungar Janos Drapal das Jahr 1979, denn er blieb ohne WM-Punkte.


Ein netter Typ und erfolgreicher Fahrer war der Spanier Ricardo Tormo . Es ist ganz sicher kein Zufall, dass der heutige Rennkurs in Valencia seinen Namen trägt. Leider war der Spanier einem Krebsleiden erlegen. Technisch betreut wurde seine Bultaco von den beiden Herren im Foto rechts unten: den Niederländern Jan Thiel und Martin Mijwaart. Vor allem Mijwaart hatte sich etwa 10 Jahre vorher auch erfolgreich als Fahrer an GPs beteiligt.


Der Italiener Maurizio Massimiani (Foto oben) durfte 1979 bei 4 Rennen (3.Plätze) dieses "Glücksgefühl " genießen, was am Saisonende, zusammen mit drei weiteren Punkteplätzen,  für den zweiten Rang in der WM der 125cc Klasse reichte. Gegen den Spanier Angel Nieto als Weltmeister dieser Klasse war er allerdings chancenlos im Titelrennen.

Ganz oben zu sehen der Franzose Patrick Plisson. Er war Vizeweltmeister bei den Fünfzigern und fuhr auch die 125er Klasse. Mit der 12 der Südafrikaner Alan North. Er hätte bessere Plätze verdient gehabt.


Mit den Bildern zweier Fahrer wie sie nicht konträrer sein können, möchte ich diese Rückschau auf einige Fahrer und den Rennsport vor 25 Jahren beenden. Da ist (linkes Bild) einmal der ruhige, fleißige und fahrerisch exzellente Hans Müller aus der Schweiz, WM-Dritter in der Achtelliterklasse und wie auf dem Foto zu sehen, auch schon mal eine Klase höher unterwegs. Im Gegensatz dazu der Schwede Per Edward "Bam" Carlsson. Nicht so ruhig und erfolgreich wie Müller und auch schon mal den "Freuden des Lebens" positiv gegenüber stehend, aber durchaus auch ein netter Typ. Aber das waren wohl die meisten der Fahrer in jener Zeit.
Vielleicht hat ihnen diese Rückschau ein wenig Freude bereitet. Natürlich erhebt dieser Blick zurück in die Geschichte keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Natürlich auch kann die Betrachtungsweise und die Auswahl der Bilder nur subjektiv sein. Erstens habe ich leider nicht von allen Fahrern Fotos und zweitens spielen bei einer solchen Rückschau die Erinnerungen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Da fällt schon mal ein Fahrer aus der Bildauswahl raus, weil er nicht so bereitwillig ein Autogramm gegeben hatte oder weil ich ihm gerade zu einem ungünstigen Zeitpunkt angetroffen habe und daher ein falscher Eindruck entstanden war und ist. Sei es wie es sei, ich hoffe sie als Besucher dieser Seite hatten trotzdem ein wenig Freude beim Betrachten der Bilder und vielleicht sind auch bei diesem oder jenem Besucher eigene Erinnerungen wach geworden.
Als nächstes ist ein solcher Rückblick für die Seitenwagenklasse geplant. Naturgemäß wird das dann kürzer ausfallen, eben weil es ja nur um eine Klasse geht. Auf der Startseite des Rennsports wird dann auf diesen Bericht verwiesen werden.
Vielen Dank für ihren Besuch.

Homepage Sidecars 12.04.04