Motorrad Grand Prix 1979 in Brno

und einige seiner Helden
Teil 2 - die Seitenwagenklasse / Sidecars
Vielleicht wird so mancher Besucher dieser Seite erstaunt sagen: ...ist das nicht der... im linken Bild. Ja, der ist das. Wenn ich in dieser Rückbetrachtung auch eigentlich nur auf die aktiven Helden jener Tage verweisen will, so sei mir bitte in dem Fall eine Ausnahme gestattet. Etwa in dieser Zeit begann nämlich die Karriere eines Journalisten, der, und das muss man neidlos anerkennen, sich um die Berichterstattung im Motorradrennsport große Verdienste erworben hat.  Auch wenn mir oftmals der Stil dieses Mannes nicht so gefällt, sein Fleiß, seine inzwischen erlangte Fachkenntnis und sein Durchhaltevermögen verdienen allemal höchste Anerkennung. Wer sich schon etwas länger mit der Rennszene befasst weis natürlich jetzt, dass es sich um den Österreicher Günther Wiesinger handelt, seines Zeichens Chefredakteur der wohl am meisten gelesenen Motorsportzeitung für den Rennsport, "Motorsport aktuell", mit Sitz in der Schweiz. Nicht verschweigen möchte ich allerdings, dass der Herr Wiesinger scheinbar kein großer Freund der Sidecars war und wohl auch noch nicht geworden ist, respektive werden wird - leider.

In 1979 bestand ja das "Kuriosum", dass es das erste und einzige mal in der Seitenwagenklasse zwei Weltmeister gegeben hat. Der Unterschied der beiden Klassen bestand im technischen Reglement der beiden Klassen, die man in B2A und B2B aufteilte. Einer der eifrigsten Verfechter für die neue, moderne Klasse war der Schweizer Rolf Biland mit seinem Beifahrer Kurt Waltisperg (links). Er war bekannt dafür, technischen Neuerungen, die allerdings auch "in´s  Geld gingen", sehr positiv gegenüber zu stehen. Jetzt kommt das Lustige an der Sache:
Biland wurde nicht etwa Weltmeister in der "modernen" Klasse - das wurde sein Landsmann Kurt Holzer mit Beifahrer "Charly" Karl Meierhans - sondern in der "altmodischen" Klasse. Als Biland´s schärfste Konkurrenten entpuppten sich dabei "Altmeister" Rolf Steinhausen mit Beifahrer Ken Arthur aus England (Foto unten), sowie der Engländer "Dick" Richard Greasley (rechtes Bild zusammen mit Biland) und dessen Beifahrer John Parkins. Irgendwie scheinen beide Fahrer mit dem gerade beendeten Rennen und dem Ergebnis daraus zufrieden zu sein. Konnten sie auch, denn
Biland hatte gerade die "Sidecars" im tschechischen Brno gewonnen und Greasley hatte als Zweiter die Zielflagge gesehen, gefolgt vom deutschen Gespann Werner Schwärzel mit Andreas Huber im Beiwagen (Foto unten links). Pech für die deutsch/englische Paarung Steinhausen / Arthur, denen die Defekthexe einen Streich spielte. Dabei hatte am Start alles noch so gut ausgesehen (Foto unten)

Ganz offenbar ist es bei den Seitenwagenpiloten wie beim Wein: jedenfalls sind die beiden Fahrer oben ein beredtes Zeugnis dafür. Im linken Foto sehen wir "Oldie" Siegfried Schauzu mit Lorenzo Puzo als Passagier . Immerhin errang das Gespann noch einen hervorragenden 4. Platz in der Weltmeisterschaft mit 2 zweiten Plätzen als beste Einzelresultate.
Ähnliches wie bei Schauzu lässt sich auch für den Schweden Göte Brodin sagen, mit Beifahrer Billie Gällros. Ein exzellenter 7. WM-Platz im Endklassement wurde noch überboten vom Laufsieg am Salzburgring, dem ersten Rennen des Jahres. Übrigens war später Billie Gällros mit eigenem Gespann durchaus erfolgreich unterwegs (Foto oben rechts).


Jock Taylor / Benga Johansson, bereits ein Jahr später nach diesem Foto waren sie Weltmeister und wieder ein Jahr später verunglückte Jock Taylor in Finnland tödlich. Benga Johansson überlebte diesen Unfall schwer verletzt.

Jock Taylor aus Schottland, zusammen mit dem Schwede "Benga" Bengt-Göran Johansson waren als "junges Gespann" auf dem Weg nach oben. Der kleine Schwede hatte auch gute Resultate als Solofahrer in der Achtelliterklasse. Er löste James Neil im Beiwagen ab, der die ersten Rennen mit Taylor 1979 gefahren war.

In jener Zeit waren die Gespannrennen eine Domäne von Fahrern aus der Schweiz, England und Deutschland. An dieser Feststellung ändert auch nicht die Tatsache, dass hin und wieder natürlich auch Spitzenfahrer anderer Länder, wie beispielsweise der Franzose Alain Michel oder der Niederländer Egbert Streuer in diese Domäne eindrangen oder sogar anführten. Sicherlich hat das auch etwas mit Tradition zu tun, denn auch schon in früheren Jahren waren Fahrer oben genannter Länder in der Weltmeisterschaft der Seitenwagenklasse dominierend.
Auf dem linken Foto ist das Gespann vom Engländer John Barker zu sehen, mit Beifahrer Neil Cutmore.

Vor dem Start sehen wir im Bild oben links das Schweizer Gespann von Gerald Corbaz mit Rolf Gabriel im Seitenwagen. Ganz oben rechts ist der Engländer Bill Hodgkins mit seinem Beifahrer Ken Williams zu sehen und im Bild darunter das Gespann von Walter Ohrmann mit seinem Passagier Erich Schmitz aus Deutschland.


Vielversprechend aus deutscher Sicht war das Gespann von Max Venus mit seinem Beifahrer Norbert Bittermann. Wie bei so vielen Talenten verhinderte es das fehlende Geld, um eine erfolgreiche Karriere starten zu können. So zog es Max Venus vor, seinen Meisterbrief im KFZ - Handwerk zu erwerben und sich selbständig zu machen.
Übrigens war Max Venus in gewisser Weise erblich vorbelastet, denn sein Onkel Karl gehörte einst ebenfalls zu den sehr guten Gespannfahrern aus Deutschland.


Recht gut dabei bei der Konkurrenz waren die Deutschen Otto Haller (Bruder von Herbert Haller) mit Beifahrer Rainer Gundel (Foto oben und rechts am Start). Sie fuhren zwar einige Resultate in den Punkterängen heraus, scheiterten aber letztlich an fehlenden Sponsoren, damit auch fehlender Technik und damit fehlende Spitzenresultate.

Eigentlich ist es nur mit viel Glück möglich, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Das Gespann Albert Giesemann mit Beifahrer Bernd Riedel (links) kann davon "ein Lied singen".


Für Jesco Höckert, oben im Bild mit Harald Mathews, trifft das zu, was schon oben zu den fehlenden Sponsoren gesagt worden ist. Wer unter solchen Umständen in Reichweite der Punkteränge gefahren war oder sogar ab und an in die Punkteränge gekommen war, verdient allerhöchsten Respekt.

Als viertbestes deutsches Gespann konnte Hermann Huber (Bruder von Andreas Huber, Schwärzels Beifahrer), zusammen mit Bernd Schappacher auf eine doch recht gute Saison 1979 zurück blicken.



Etwas verpokert hatte sich im 79er Jahrgang der Franzose Alain Michel (Foto oben in der "alten" Klasse). Er hatte voll auf die "moderne" Klasse gesetzt, konnte dort auch zwei Rennen für sich entscheiden, aber der Rest waren Ausfälle. Noch schlimmer erging es ihm in der "alten" Klasse. Nur einmal kam er in die Punkteränge. Dabei war er vor Saisonbeginn unter den Favoriten gehandelt worden. Dem Engländer Derek Jones (links unten) mit Beifahrer Brian Ayres erging es ähnlich: zwei dritte Plätze bei den "Modernen" und nur ein Resultat in den Punkten bei den "Alten". Zu wenig für seine Qualitäten. Links oben noch zu sehen der Belgier Serge Vanneste.

Oben sehen wir zwei Gespanne aus den Niederlanden, die auf ganz unterschiedliche Karrieren zurück blicken können. Während links oben Egbert Streuer (im Bild noch mit Beifahrer van der Kaap) es von 1984 bis 1986 zu drei Weltmeistertiteln brachte, konnte der sich oben rechts im Bild zu sehende Cees Smit (hier mit Beifahrer Vroegop) zwar im Feld der Sidecars achtbar behaupten, alleine die Erfolge eines Egbert Streuer erreichte er nicht. Möglich das da auch fehlende Sponsoren für bessere Platzierungen eine Rolle spielten.

Zum Ende dieses kleinen Rückblicks noch zwei Fahrer aus Ländern, bei denen nicht gerade eine große Seitenwagentradition vorherrschte: Finnland und Italien. Für Italien möchte ich allerdings einschränkend bemerken, dass dort schon bis etwa Mitte der fünfziger Jahre Weltklassepiloten in der Seitenwagenkategorie beheimatet waren. Deren letzter Vertreter war wohl der legendäre Albino Milani.
Oben links der Finne Kalevi Rahko mit Beifahrer Kaari Laatikainen und rechts der Italiener Amedeo Zini mit Beifahrer Andrea Fornaro.

Vielleicht hat Ihnen der Rückblick auf die Seitenwagen-Protagonisten des Jahres 1979 ein wenig gefallen? Alle hier nicht erwähnten oder nicht im Bild dargestellten Fahrer möchte ich an dieser Stelle um Verzeihung bitten. Ganz besonders gilt das für den Weltmeister der "modernen" Klasse, dem Schweizer Bruno Holzer mit Beifahrer "Charlie" Karl Meierhans. Der Grund, warum ich hier einen Weltmeister nicht bildlich dargestellt habe ist leider ganz einfach: ich habe aus 1979 kein Bild von Ihnen beiden, sorry. Auf alle Fälle verdient ihrer aller Leistung meine größte Hochachtung und Respekt !!!
Vielen Dank für ihren Besuch.

Homepage Soloklassen zuletzt bearbeitet: 12.04.04