Sicherlich nur relativ wenig Rennsportfreunde werden sich noch an das Rennen erinnern, zu dem hier
der Fahrer seine Maschine an den Start schiebt. Es war am Sachsenring 1955 und es liefen die Vorbereitungen
zum Rennen der Viertelliterklasse. Dabei waren viele der seinerzeit besten deutschen Privatfahrer, zum Beispiel
Hans Baltisberger, Helmut Hallmeier und eben auch der junge Mann auf dem Foto. Das Rennen selbst
entwickelte sich auch zu dem erhofften Spektakel, zu dem dieser Fahrer einen nicht unerheblichen
Beitrag leistete. In Führung liegend kam er in der letzten Runde die Abfahrt vom "Heiteren Blick" herunter,
dicht gefolgt von seinen beiden Verfolgern. Doch was war das...? In der Senke am Wasserwerk begann seine
Sportmax "zu husten". Zwar reichte der Schwung der Abfahrt noch aus, um die Zielgerade zu erreichen, aber
dann ging es nur noch mit der Kraft seiner Beine bis ins Ziel. Der Nürnberger Hallmeier hatte ihn
inzwischen überholt und wurde der Sieger dieses Laufes. Aber mit Muskelkraft gelang es ihm, sich mit
einem Vorsprung von 2/10 Sekunden vor Baltisberger ins Ziel zu retten - eine tolle Leistung des jungen
Mannes aus Hannover auf seiner Sportmax.Warum ich gerade jetzt diesen Bericht bringe? Einfach deshalb, weil in wenigen Wochen das 80-jährige Sachsenringjubiläum ins Haus steht und man sich zu solchen Anlässen gerne an solche großartigen Leistungen erinnert und weil jener, damals ganz junge Mann, am 1. Juni seinen 75. Geburtstag feiern darf und eine immer noch junge Erscheinung darstellt. Die Kenner der Materie haben es sicher schon "geschnallt" von wem hier die Rede ist. Es geht hier um den Hannoveraner Wolfgang BrandBegonnen hatte es mit seinen motorsportlichen Aktivitäten im zarten Alter von 16 Jahren. Er bevorzugte Sand- und Grasbahnrennen und gleich bei seinem ersten Start gewann er sowohl in der 350 cc Klasse als auch bei den Halblitermaschinen.So richtig zufrieden stellte ihn diese Form des Motorradsports aber nicht und es kam wie es kommen musste: er wechselte zu den Straßenrennen. Sein Talent und seine jederzeit kämpferische
Einstellung brachten ihm bereits 1950 einen Aufstieg, er wurde von der Ausweisklasse in die Lizenzklasse
befördert. Seine Konkurrenten waren nun nicht mehr "Müller, Meier oder Schulze" aus der Nachbarschaft,
sondern fortan mußte er sich mit den Haudegen der Rennszene messen. Da waren "Kaliber" dabei wie
Hein Thorn Prikker aus Bad Godesberg, Karl Lottes aus Marburg oder der Vorkriegsstar Ewald Kluge, um
nur einige wenige zu nennen. Doch klein beigeben gab es nicht für den jungen Mann aus Niedersachsen.Seine Einstellung zum Rennsport und sein Talent waren natürlich auch den damals Verantwortlichen bei NSU nicht entgangen. So wurde er 1952, zusammen mir rund 20 weiteren Nachwuchsleuten, zu einem Sichtungslehrgang eingeladen, und für gut befunden, mit Walter Reichert als zweiten Nachwuchsmann, für 1953 das Werksteam zu ergänzen. Ein weiterer Schritt auf der Karriere-Leiter, waren doch fortan seine Gegner vom Schlage eines Ubbiali, Sandford, Masetti, etc. Natürlich bestritt er nicht nur die WM - Rennen, sondern beteiligte sich auch an den seinerzeit zahlreichen weiteren Rennen in Deutschland, allesamt mit Bravour. Seine ganzen Erfolge zu nennen, würde den zur Verfügung stehenden Platz auf dieser Seite sprengen.
Bedauerlicherweise zog sich NSU Ende 1954 aus der Motorrad - WM zurück. Offiziell mußte zwar der
tödliche Unfall von Rupert Hollaus her halten, aber entscheidend waren wohl die zurück gehenden
Produktionszahlen für Motorräder. So verkaufte NSU noch eine größere Zahl an Sportmäxe - die
erfolgreichen Rennmäxe aber wurden eingemottet. Mit einer solchen Sportmax (werksunterstützt?) wurde der
unvergessene HP Müller sogar als Privatfahrer noch Weltmeister. Wolfgang Brand belegte dabei beim WM - Rennen
auf dem Nürburgring einen exzellenten zweiten Platz hinter dem siegenden HP Müller und leistete damit
hervorragende Abschirmarbeit gegen die ausländische Konkurrenz. Wie Wolfgang Brand meinte, fuhr er
seinerzeit gerne bei den zahlreichen Rennen im damaligen Osten. Die Begeisterung der zahlreichen Besucher
für den Motorradrennsport war da besonders groß. Auf dem Foto oben links sehen wir Wolfgang Brand
1955 auf Siegesfahrt im Leipziger Scheibenholz. Gerne erinnert er sich auch noch an ein Rennen auf dem
Hanseatenring in Wismar. Dort fuhr er mit seiner Sportmax sogar Tagesbestzeit, trotz der Konkurrenz
der hubraummäßig stärkeren Klassen.Insgesamt fuhr der Hannoveraner in seiner letzten Saison 1955 17 Rennen und sein letzter Start war bei seinem heimatlichen Rennen auf der Eilenriede in Hannover. Leider war sein Vater erkrankt und er hatte sich nun um das elterliche Geschäft zu kümmern. Es fehlte also einfach an der notwendigen Zeit für den Rennsport. Die deutschen Rennsportfreunde hatten ihn in den folgenden Jahren bei den Rennen sehr vermisst und auch sein immer bestens vorbereitetes und gepflegtes Maschinenmaterial. In den letzten Jahren war Wolfgang Brand immer gern gesehener Gast bei den zahlreichen Veteranenveranstaltungen. Im NSU - Team von Wolfgang Schneider zieht der "Jugendliche" noch ganz schön am Gaskabel. Nachdem er nun seine geschäftlichen Aktivitäten beendet hat bleibt den Hannoveraner endlich Zeit, sich wieder seinem geliebten Rennsport zu widmen. Bleibt mir zum Schluß nur noch die Hoffnung, daß die zahlreiche Fangemeinde Wolfgang Brand noch viele Jahre und bei bester Gesundheit zu den zahlreichen Veteranenveranstaltungen begrüßen dürfen. Alles, alles erdenklich Gute weiterhin... und nach 52 langen Jahren auf ein Wiedersehen zum Jubiläum auf dem Sachsenring!
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