Wenn das Telefon klingelt so ist das ja nichts Besonderes. Wenn aber der Anrufer sich von der südlichen Hemisphäre unserer
Erdkugel meldet und seines Zeichens vierfacher Motorradweltmeister war und 25-facher Grand Prix Sieger, dann ist das wirklich
nicht unbedingt alltäglich.Das Telefonat geschah im Vorfeld der Feier zum 80-jährigen Jubiläum des Sachsenrings. Der Angerufene war Frank Bischoff, gebürtiger Waldenburger und wohnhaft in Hohenstein-Ernstthal am Sachsenring und bei dem Anrufer handelte es sich - bei den genannten sportlichen Erfolgen haben Sie es sicher schon erraten - um Hugh Anderson aus dem fernen Neuseeland. Leider war der Grund des Anrufs nicht so erfreulich. "Hi Frank, ich kann aus gesundheitlichen Gründen leider nicht am Jubiläum teilnehmen. Aber weil ich den Sachsenring so liebe, werden wir uns sicher bei nächster Gelegenheit am Sachsenring sehen. Versprochen". Leider also kein erfreulicher Anlaß dieses Telefonats. Hugh Anderson privat zu Besuch bei Frank Bischoff und am Sachsenring
Erstaunlich wie sich doch manche Dinge wiederholen. Drei Jahre später - erneut klingelt das Telefon und erneut war am anderen
Ende der Leitung Hugh Anderson. "Hi Frank, ich bin im Juni beim Oldtimer Grand Prix in Spa-Francorchamps und möchte gerne
anschließend zum Sachsenring kommen. Kannst Du mir ein Hotelzimmer besorgen und können wir uns sehen"?Die "Formalitäten" waren schnell erledigt. Im Folklorehof in Grüna bei Chemnitz war schnell ein Zimmer gefunden. Das Ehepaar Hofmann als Betreiber des Folklorehofs hat ja reichlich Erfahrung mit der Unterbringung von Gästen aus dem Rennsportbereich, die, nebenbei bemerkt, allesamt zufrieden ihre Übernachtungsstätte verlassen haben (auf dem Foto rechts sehen wir die Hofmann´s mit ihrem prominenten Gast). ![]() Am 15. Juni anno 2010, konnte also der Kurzbesuch von Hugh Anderson bei einer seiner Lieblingsstrecken beginnen. Ein gut gelaunter Mister Anderson erinnerte sich natürlich auch an den Gedenkstein des legendären Briten James Guthrie, der hier beim Großen Preis von Deutschland 1937 tödlich verunglückt war. Als Lieblingsstrecke bezeichnete Hugh den Sachsenring nicht nur, weil er den Kurs von seiner Streckenführung her einfach gemocht hat, sondern auch, weil er hier als Suzuki-Werksfahrer in der 125 ccm Klasse zwei GP - Siege 1963 und 1964 eingefahren hatte und auch 1962 beim Rennen der erstmals ausgetragenen 50 ccm Klasse als Dritter auf dem Podest stand.
Im an der Nahtstelle alter / neuer Sachsenring gelegenen Motorradhaus Unger kam es dann auch noch zum "Treffen der Generationen".
Zwei Weltenbummler in Sachen Motorradrennsport fanden natürlich sofort Gesprächsstoff. Patrick Unger auf der einen Seite,
selbst vor kurzer Zeit noch Fahrer und jetzt "Data Recording" Mann im modernen Grand Prix Geschehen und eben ein "Oldie", der vor
vielen Jahren vier WM - Titel auf sein persönliches Erfolgsbanner geschrieben hatte.
So ein Besuchstag geht ja leider immer ziemlich schnell vorbei und da stand ja auch noch "ein Besuch" in Chemnitz an. Ach ja,
die einstige Bezirkshauptstadt wurde ja zu Anderson´s Zeit noch Karl-Marx-Stadt genannt und ein Bild,
zusammen mit dem Denkmal des Schutzpatrons für "Arme und Geächtete" wäre ja auch noch wünschenswert.Wie sagt man so schön: "ein Mann, ein Wort". Als Hugh einst am Telefon wegen Krankheit seinen Besuch zum Sachsenringjubiläum absagen musste und von seiner Lieblingsstrecke sprach, glaubte keiner so recht daran, dass er doch noch einmal hier zu sehen sein würde. Immerhin liegt ja Neuseeland nicht gerade "um die Ecke rum". Weiterhin alles Gute Hugh... |