75 Jahre Sachsenring

Geburtstagsfete einer legendären Rennstrecke 2002


Auf dem Tag genau vor 75 Jahren, am 26.Mai 1927, fand vor den Toren von Hohenstein-Ernsthal erstmals ein Motorradrennen statt. Keiner der damaligen Initiatoren wird wohl daran gedacht haben, dass es 75 Jahre später noch immer Motorsport - natürlich auf einer gegenüber damals veränderten Strecke - geben wird und zwar nicht nur von regionaler , sondern weltweiter Bedeutung.
Grund genug, ein solches Jubiläum gebührend zu feiern. Eine "Ehrenrunde" um den alten Kurs (Skizze links) hatte trotz schlechter Witterungsbedingungen 15000 Besucher an die traditionellen Streckenpunkte wie Badbergkurve, Nötzoldkurve usw. gelockt, die den vorbeifahrenden Tross auf ihren ehemaligen Maschinen stürmisch zujubelten. Dabei soll es bei manchem Besucher hier und da auch ein kleines Freudentränchen bezüglich der Erinnerung gegeben haben.
Danach durften dann die Zuschauer viele bekannte und weniger bekannte Fahrer auf dem neuen Grand Prix Kurs (Skizze unten) in Aktion bewundern und "sich vertrauter Klänge" erfreuen. Dabei kamen rund um den Sachsenring beheimateten zahlreichen Autogrammsammler voll auf ihre Kosten. So mancher "Ehemalige" wird wohl sein Handgelenk vom vielen Autogramme schreiben mehr gespürt haben als vom drehen des Gasgriffs. Es war, wenn ich das so sagen darf, einige richtige "Familienfeier". Natürlich gab es auch weniger gut gelungene Dinge, was aber der insgesamt guten Stimmung keinen Abbruch tat und nichts ist ja bekanntlich so gut, um es nicht noch besser machen zu können. Deshalb sollte man auch kritische Hinweise nicht als Nörgelei abtun, sondern als Hilfe und sich damit befassen.

Hier nun ein paar Erinnerungsfotos von der Jubiläumsveranstaltung

Um es gleich vorweg zu nehmen - die Veranstaltung war ein tolles Fest für Fans und Fahrer. Da wurden geduldig Autogramme geschrieben, die Fahrer waren immer für Erinnerungsfotos zu haben und es gab auch unter den Fahrern so manchen, der erstmals seit langer Zeit seine Kollegen aus "alten Zeiten"  wieder getroffen hat. Da wurde gefachsimpelt und in Erinnerungen geschwelgt und mittendrin die zahlreichen Fans.
(Foto oben links) Frank Perris aus England - hier noch ohne gebrochenem Schlüsselbein - mit meinem Freund Frank Bischoff. Auch Dieter Braun (Foto oben rechts), der Held vom Sachsenring 1971, stellte sich gerne für ein Erinnerungsbild zur Verfügung.
Der Holländer Aalt Toersen (rechts) kam mit guten Erinnerungen zum Sachsenring, hatte er doch hier vor 32 Jahren das Rennen der 50 cc Klasse gewonnen.
Mit zwei dritten Plätzen 1970 (250 cc) und 1972 (125 cc) hat auch der Schwede Kent Andersson (ganz rechts) eine erfolgreiche Bilanz am Sachsenring vor zu weisen.

Vater Ernst Hiller und Sohn Reinhard waren natürlich auch gerne der Einladung zum Jubiläum gefolgt. Schon in den fünfziger Jahren war er als einer der damals weltbesten Privatfahrer am Sachsenring gestartet. Leider ging sein hervorragender dritter Platz in der Halbliterklasse ein wenig unter in der Euphorie um Dieter Brauns Sieg in der Viertelliterklasse. 1973 beim Grand Prix auf dem Hockenheimring sorgten dann beide Hillers für Furore. Es war das bisher einzige mal, dass bei einem WM-Rennen Vater und Sohn gleichzeitig in die Punkteränge fuhren. Während Ernst Hiller mit seinem dritten Rang in der Halbliterklasse sogar auf's Podest fuhr, errang Sohn Reinhard immerhin noch den tollen  sechsten Platz. Diese Geschichte wird wohl einmalig bleiben.
Genau so lebenslustig wie 1956, als er in der 125 cc Klasse als Dritter einkam, präsentierte sich der Saarländer Willi Scheidhauer (ganz links), dessen Sohn ja auch zu WM-Punkten gekommen war.
Ein begehrter Gesprächspartner und interessierter Zuhörer immer und überall war Dieter Braun. Hier lässt er sich von Winni Scheibe offenbar etwas erklären. Daneben wartet schon der nächste Autogrammwunsch.

Es erhebt sich an dieser Stelle die Frage, ob es in der Region um den Sachsenring jemanden gibt, der keine Autogramme von Rennfahrern sammelt? Alle Fahrer staunten immer wieder, woher nur die vielen Bilder kamen.
Der Finne Teuvo Länsivuori (rechts) und auch Silvio Grassetti (Foto ganz rechts) aus Italien signierten nicht nur, sondern schauten sich auch interessiert die Fotos an.

Natürlich wurde sich auch zwischendurch um die mitgebrachten Maschinen gekümmert, wie es hier die beiden Holländer Cees van Dongen (ganz links) und Exweltmeister Jan de Vries tun.

Eine Pause tut auch mal gut. So denkt sich wohl der Neuseeländer Keith Turner, der 1971 am Sachsenring in der Halbliterklasse Zweiter geworden war, hinter dem grossen Agostini und vor dem eingangs mit Sohn fotografierten Ernst Hiller.
Aber auch der Einheimische Andre Friedrich (rechts) gönnte sich mal eine Pause.

An wirklich allen Ecken und Enden wurde erzählt - der Gesprächsstoff ging nie aus.
Im Foto ganz rechts haben sich gerade Friedhelm Kohlar, einstiger MZ-Fahrer und der Rennsportfotograf Werner Rehwagen in ein Gespräch vertieft, während rechts das Sachsenring Urgestein Hubert Schmid-Gigo und Jim Redman gerade ein Interview führen.

Während sich Ralf Waldmann offenbar riesig über seine "Gage" als "Aktiver auf Abruf" von MZ freut (rechtes Foto) und Heinz Rosner, der ehemalige, weniger gut bezahlte MZ-Werksfahrer und Hohensteins Oberbürgermeister sich für ein Foto bereit stellen, hält ein anderer "Ehemaliger", nämlich Heiner Vester, einst Beifahrer im Gespann von Luthringhauser und bei noch anderen Fahrern, mit seiner Kamera Ausschau nach immer neuen Motiven (Foto unten / oben).

Zum Schluss meines kleinen Bildberichtes über das 75-jährige am Sachsenring möchte ich feststellen, dass man die Veranstaltung, trotz einiger Mängel - wie schon eingangs festgestellt - als gelungen bezeichnen darf. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle auf eine Sache hinweisen, welche ich weniger schön gefunden habe. Im Foto rechts sehen Sie Peter Frohnmeyer vom "Historic Maico Racing Team", welches eine offizielle Einladung des Veranstalters hatte. Leider hatte Peter Frohnmeyer einen unverschuldeten Unfall und musste zur stationären Behandlung (Gehirnerschütterung, Rippenbrüche, Schulterverletzung) in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Es war glücklicherweise der einzige Unfall bei dieser Veranstaltung, welcher stationär behandelt werden musste. Nun hätte es seitens des Veranstalters aus meiner Sicht die Höflichkeit geboten - es war ja ein Jubiläum und kein "richtiges Rennen" - sich beim genannten Fahrer wenigstens einmal, telefonisch oder persönlich, nach seinem Befinden zu erkundigen. Nichts dergleichen ist geschehen. Wie ich finde, eine ziemlich "schwache Kür".

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