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*** Ein Rückblick auf 6 Jahrzehnte Motorradweltmeisterschaft ***
Text: Frank Bischoff Fotos: Motor Cycle Photograph, Keith Bryen, Cromie McCandless, Günter Geyler Frank Bischoff, Jürgen Müller,
Stefan Schlegel und Rolf Eggersdorfer
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Als während des FIM-Herbstkongresses 1948 in London beschlossen wurde,
der seit 1924 ausgetragenen Europameisterschaft ab 1949 den Status einer
Weltmeisterschaft zu geben, war das - im Gegensatz zu einigen
Entwicklungen der Gegenwart - ein positiver Akt der Globalisierung.
Natürlich wirkten auch dabei fundierte wirtschaftliche Interessen mit;
Autos konnten sich damals nur wenige leisten, und das Motorrad war
absehbar weltweit das populärste - weil wirtschaftlichste -
Fortbewegungsmittel. Diese Popularität galt es zu stärken, und welch
besseres Werbemittel als den Spitzensport könnte es geben?!?
Bezogen auf die Austragungsorte und die Sieger der Rennen konnte man in
den ersten Jahren aber getrost auch von einer international
ausgeschriebenen Europameisterschaft sprechen. Die Anzahl der Läufe in
den verschiedenen Klassen (von 1949 bis 1961 waren das die Motorräder
bis 125, 250, 350 und 500 ccm sowie die Klasse der Seitenwagen)
differierte, und das Punkte-Bewertungssystem änderte sich zum ersten
Male bereits 1950.
Bekanntlich dürfen in der Schweiz seit der Katastrophe bei den 24
Stunden von Le Mans im Jahr 1955 keine Rundstreckenrennen mehr
durchgeführt werden. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es fast
kurios, dass im ersten Jahr der neuen WM nur in Bern alle Klassen
gefahren wurden. Ein logischer Grund dafür war, dass die Schweiz - vom
2. Weltkrieg verschont geblieben - die besten wirtschaftlichen
Verhältnisse hatte; schon damals kostete es Geld, Veranstaltungen
durchzuführen!
Selbst auf dem heute als "Mutter aller Kurse" angesehenen Circuit van
Drenthe in Assen wurden damals nur Rennen in drei Klassen durchgeführt.
Das ändert freilich nichts an der absoluten Ausnahmestellung des als
"Dutch T.T." bekannten holländischen WM-Laufes. Einzig und allein dort
wurde in allen 60 Jahren gefahren, ab 1955 auch auf Gespannen.
Deutschland - im Motorradrennsport der Vorkriegszeit eine d e r drei
Kräfte - war militärisch besetzt, politisch geteilt und außerdem auch
sportlich international noch "geächtet". So war es alles andere als eine
Überraschung, dass sich die Italiener und die Briten sowohl auf der
Maschinen- als auch auf der Fahrerseite in den ersten Jahren die Titel
teilten. Nello Pagani (Mondial), Bruno Ruffo (Moto Guzzi), Freddie Frith
(Velocette), Leslie Graham (AJS) und Eric Oliver/Denis Jenkinson
(Norton) waren die Titelträger des ersten WM-Jahres. Für ein erstes
"außer-europäisches" Achtungszeichen aber sorgte schon der Australier
Eric McPherson (Foto links). Er belegte auf einer 350-ccm-Velocette in Assen und
Spa-Francorchamps fünfte Plätze und wurde dank eines vierten Ranges in
Nordirland Fünfter der WM-Gesamtwertung.
1950, als Harry Hinton sen. als jeweils Dritter der 350-ccm-Klasse beim
Ulster Grand Prix und in Monza die ersten nicht-europäischen
Podestplätze holte, deutete sich bereits die Dominanz eines Mannes an -
die von Geoffrey Duke.
Duke, geboren 1923 in St. Helens, verpasste 1950 die WM-Titel der beiden
großen Klassen denkbar knapp. Schon in seinem zweiten vollen WM-Jahr
schrieb er 1951 als erster Doppelweltmeister mit seinen Nortons
Geschichte. Von der Natur mit einem sehr angenehmen Äußeren beschenkt,
legte er auch großen Wert auf dieses. Ein Ausdruck dafür war die erste
einteilige Lederkombi, gleichzeitig auch ein aerodynamischer Vorteil.
1953 wechselte der Engländer zu Moto Gilera, errang auf deren Maschinen
seine WM-Titel 4-6 und beendete seine Karriere 1958 auf privaten
Norton-Maschinen. Heute lebt er 85-jährig im "Mekka" des
Motorradrennsportes, auf der Insel Man.
1952 war auch ein historisches Jahr. Mit dem 1951 nach Europa gekommenen
Melbourner Thomas Kenrick "Ken" Kavanagh (Foto rechts 1953 beim Avon - Reifendienst in Silverstone)
trug ein weiterer Australier
wesentlich dazu bei, dass die Weltmeisterschaft ihren
Namen zu Recht
trug. Er gewann die 350-ccm-Klasse beim Ulster Grand Prix - erstmals
stand kein Europäer auf der höchsten Stufe des Siegerpodestes.
Nachdem der eine deutsche Staat, die Bundesrepublik, ab 1952 wieder
"salonfähig" war, ließen auch Erfolge aus dieser Richtung nicht lange
auf sich warten. Beim deutschen WM-Lauf auf der Stuttgarter Solitude
ging der Stern von Werner Haas auf. Eigentlich nur "Lückenbüßer" für die
gestürzten NSU-Werksfahrer Wilhelm Hofmann und Roberto Colombo, gewann
er sensationell vor Carlo Ubbiali und dem späteren Weltmeister Cecil
Sandford (beide MV-Agusta). Als Rudi Felgenheier (DKW) - begünstigt
durch Ausfälle der favorisierten Moto Guzzi-Fahrer - dann auch noch die
250er gewann, war nicht nur den über 400.000 Zuschauern klar: Italien
und England hatten wieder Konkurrenz bekommen! Felgenheier war übrigens
der erste Sieger eines WM-Laufes auf einem Zweitakt-Motorrad.
NSU beherrschte dann 1953 und - noch stärker - 1954 die Szene bei den
"Kleinen". Die Werksmannschaft letztgenannten Jahres - Werner Haas,
Rupert Hollaus, Hermann Paul "H.P." Müller und Hans Baltisberger - würde
heute als "Dream Team" bezeichnet. Leider endete das Intermezzo nach nur
drei Jahren aufgrund des Todessturzes von Rupert Hollaus (bis heute
einziger Solo-Weltmeister Österreichs) und darüber hinaus bestehender
wirtschaftlicher Zwänge.
Die NSU-"Sportmax" allerdings war noch über
Jahre hinaus die populärste und erfolgreichste Privatfahrermaschine,
H.P. Müller wurde 1955 auf einem solchen Motorrad sogar Weltmeister der
250-ccm-Klasse.
Nachdem Norton die ersten fünf Gespanntitel durch Oliver - im Beiwagen
mit Jenkinson, Dobelli und Dibben - 1949, 50, 51 und 53 sowie
Smith/Clements 1952 gewonnen hatte, übernahm BMW ab 1954 das "Zepter".
Die Dominanz der Münchner hielt im Prinzip bis 1974
an und wurde nur
1968 und 71 durch Fath/ Kalauch und Owesle/ Kremer bzw. Rutterford auf
der URS unterbrochen. Noll/Cron (Bild links), Faust / Remmert, Hillebrand / Grunwald,
Schneider / Strauß, Fath / Wohlgemuth, Deubel / Hörner, Scheidegger / Robinson
sowie Enders / Engelhardt bzw. Kalauch wurden für jeden
Motorradrennsportfreund zum Begriff. Erst die unbändige Leistungsstärke
der Zweitaktmotoren beendete diese einmalige Ära.
Zurück in die Fünfziger. Die Technik wurde immer ausgefeilter, und auch
auf dem Gebiet der Aerodynamik entstanden bemerkenswerte
Leistungshilfen. Zu diesem Zweck wurde beispielsweise in Mandello del
Lario - Moto Guzzis Heimat am Comer See - ein Strömungskanal gebaut, der
manchem Flugzeughersteller zur Ehre gereicht hätte. Ab Mitte 1953 waren
speziell auf schnellen Kursen Maschinen ohne Vollverkleidung zumindest
sehr gehandikapt. So brauchte Leslie Graham 1952 als Sieger der 500
ccm-Klasse auf einer nur teilverkleideten MV Agusta in Monza für die
201,6 km 1:10:40,3; Geoff Duke legte die gleiche Distanz 2 Jahre später
in nur 1:07:23,9 zurück. Die weit verbesserte Aerodynamik hatte daran
einen großen Anteil.
Schon 1956 wurden aber Sicherheitsbedenken geäußert, und ab 1958 waren
nur noch Teilverkleidungen genehmigt. Nimmt man Monza als
Hochgeschwindigkeitskurs zum Maßstab, so ist der beste Beweis für die
Wirksamkeit der Vollverkleidungen wohl die Tatsache, dass trotz aller
sonstigen Verbesserungen die von Liberati 1957 mit der vollverkleideten
500 ccm-Gilera erzielte Zeit von 1:04:49,3 erst von
Mike Hailwood 1961
auf einer MV Agusta gleichen Hubraums unterboten werden konnte.
Im letzten "Vollverkleidungsjahr" war die Meisterschaft dann endlich
eine wirkliche WM.
Der Australier Keith Campbell (im rechten Bild links, zusammen mit Keith Bryen) führte die
350-ccm-Guzzi-Tradition fort und wurde der erste Weltmeister, dessen
Heimat kein europäisches Land war.
Nahezu parallel zu DKW war es dem unter wesentlich schwereren
Bedingungen agierenden IFA- bzw. MZ-Team im sächsischen Zschopau
gelungen, die Entwicklung des Zweitakters voranzutreiben. DKW - speziell
in der 350er-Klasse mit der "Singenden Säge" unter August Hobl
erfolgreich gewesen - hatte sich Ende 1956 den ökonomischen Zwängen
gebeugt und die Rennabteilung auf immer geschlossen. Das Motorrad
dominierte im Osten Deutschlands aber weiterhin als primäres
Fortbewegungsmittel, und so hatte auch die zentral organisierte
Planwirtschaft Mittel für diese Spezies übrig. Allerdings muss man
feststellen, dass diese Mittel im Vergleich zu den beispielsweise in
Japan zu Verfügung stehenden spärlich waren. Nur die Ingenieurskunst und
der Enthusiasmus solcher Leute wie Daniel Zimmermann und Walter Kaaden
sowie das Engagement eines verhältnismäßig kleinen Teams konnten dieses
Manko in Grenzen halten. Ab 1958 waren die MZ-Maschinen ein permanenter

Faktor in der WM, und Horst Fügner - mit Ernst Degner (Foto links) den fahrerischen
Kern des MZ-Teams bildend - schob einen Keil zwischen die MV-Fahrer
Provini und Ubbiali. Die Vizeweltmeisterschaft der 250er Kategorie war
ein großartiger Beweis von Horst Fügners fahrerischer Klasse. Als
zweiter Fahrer der Rennsportgeschichte gewann er mit einer
Zweitaktmaschine einen WM-Lauf (Grand Prix von Schweden in Hedemora).
Nachdem schon DKW die Leistungsstärke des Zweitaktmotors nicht nur
angedeutet hatte, setzte dieser MZ-Sieg ein weiteres Zeichen dafür, was
in der Folge von dieser Technik bzw. Technologie noch zu erwarten sein
sollte.
Ab 1958 waren MV Agusta, MZ und Ducati sowie sporadisch Morini als
einzige Werksteams in der WM dabei. Mit steigendem Wohlstand wurde das
Motorrad als Fahrzeug immer mehr vom Automobil verdrängt, und selbst
gravierende Rennerfolge hätten daran nichts geändert. Nach NSU und den
englischen Werken 1954 folgten - wie schon erwähnt - 1956 DKW sowie 1957
Moto Guzzi, Moto Gilera und F.B. Mondial (die 1957 in einem letzten
Intermezzo den 125er und 250er WM-Titel gewonnen hatten). Carlo Ubbiali
und John Surtees belohnten Graf Agustas Engagement bis 1960 mit acht
bzw. sieben Titeln.
Welchen Hintergrund das Agusta´sche "Manöver" von 1961 hatte, als der
Aufkleber "privat" die Tanks seiner Maschinen "zierte", ist unklar. Gary
Hocking - nunmehr einziger Vertreter der italienischen Marke - hatte zu
Saisonbeginn noch einmal die 250er zum Sieg geführt. Danach reduzierte
sich seine Aufgabe darauf, mit den beiden "Großen" Rundenrekorde und
Siege zu erzielen. Er tat das überzeugend und wurde zweifacher Weltmeister.
Eindeutig klar war aber, was die Japaner beabsichtigten: die
Bekanntmachung ihrer Motorräder durch Rennerfolge. Honda, 1959 erstmals
zur TT präsent und 1960 mit neuen 125er-Zwei- und 250er
Vier-Zylinder-Maschinen vorerst nur als "Störenfried" unterwegs, war
ganz sicher auch für das 1961er Ende der kleinen MV Agustas zuständig.
Die offiziellen Werksfahrer hießen weiterhin Tom Phillis, Jim Redman (Foto rechts) und
Kunimitsu Takahashi. Zu deren nicht unbedingter Freude wurden aber auch
Leute wie der junge Stanley Michael Bailey "Mike" Hailwood und der
Jahrgang 1928 repräsentierende Bob McIntyre mit den neuen "Wunderwaffen"
ausgerüstet. Tom Phillis war am Saisonende mit dem 125er-Titel und der
250er-Vize-WM zwar bester Honda-Mann,
Mike Hailwood gewann aber vier der
elf Viertelliter-Läufe und die WM-Krone. In Monza, wo er Jim Redman den
Vortritt lassen musste, hielt er sich dafür aber anderweitig schadlos.
Auf MV Agusta gewann er die Halbliterklasse, wurde Zweiter der 350er,
1962-65 Weltmeister der 500er und absolvierte 1966/67 ein einmaliges
3-Klassen-Mammutprogramm auf Honda.
Die WM dehnte sich nun endlich auch bezüglich der Austragungsorte über
Europa hinaus aus. Am 15. Oktober wurde in Buenos Aires der "Große Preis
von Argentinien" erstmals als WM-Lauf ausgefahren. Tom Phillis (125 und
250 ccm) sowie der Argentinier Jorge Kissling (Matchless) hießen die Sieger.
Noch etwas zu MZ. Die 125-ccm-Maschine bewies in der Saison 1961, dass
ihr und dem engagierten Team der Titel gebührt hätte. Leider
verhinderten Umstände, die bereits aus den unterschiedlichsten
Perspektiven dargestellt und kommentiert wurden, dass in Zschopau die
verdienten Lorbeeren geerntet werden konnten. Deutschland war nun für
viele Jahre hermetisch in zwei Teile getrennt. Speziell unter diesem
Aspekt ist es ein Anachronismus, dass es ausgerechnet ab 1961 erstmals
zwei WM-Läufe in einem - wenn auch getrennten - Land gab. MZ aber bewies
auch in der Folge - an der permanenten WM-Teilnahme nun gehindert, dass
man unter eingeschränkten Bedingungen durchaus zur Weltspitze gehörte.
Der ganz große Wurf aber gelang - trotz der GP-Siege von Mike Hailwood
(Foto oben links noch als Privatfahrer),
Alan Shepherd, Silvio Grassetti und Peter Williams sowie glänzender
Platzierungen von Fahrern wie Werner Musiol und Heinz Rosner - leider nie.
1962 erhielt auch die 50-ccm-Klasse Weltmeisterstatus. Das Bild unten rechts zeigt
die Siegerehrung 1962 am Sachsenring mit Mitsuo Itoh (Japan), Jan Huberts (Holland)
und Hugh Anderson (Neuseeland). Mit Hilfe von
Ernst Degner hatte Suzuki ein "Gerät" auf die Räder gestellt, das unter
ihm nicht zu schlagen war und mit dem er erster Zweitakt-Weltmeister der
Geschichte wurde. Kennzeichnend für diese Saison waren aber leider auch
tragische Ereignisse. Zuerst verunglückte Tom Phillis während des
350er-TT-Rennens mit der neuen Honda tödlich. Und später im Jahr musste
auch Bob McIntyre, nun offizieller Honda-Werksfahrer, sein Leben dem
Motorsport opfern.
Für Gary Hocking waren diese Ereignisse (und wohl
auch die neue Konkurrenz im eigenen Stall in Form von Mike Hailwood)
Anlass zur Beendigung seiner Laufbahn. Ironie des Schicksals - während
eines Autorennens in Südafrika kam er Ende des Jahres ums Leben.
Die Japaner hatten nun eindeutig die führende Rolle übernommen. Für
Honda holten Luigi Taveri (125 ccm) und Jim Redman (250 & 350 ccm)
WM-Titel. Nur der 500er- (MV) und der Gespann-Titel (BMW) blieben
maschinenseitig in Europa. An dem in der Folge mit aller Kraft
angestrebten Versuch, auch die größte Klasse zu gewinnen, bissen sich
die Japaner bis 1975 die Zähne aus.
Und in jenem Jahr war es ein Fahrer
eines Fabrikates, das 1963 erstmals ins Rampenlicht rückte: Yamaha.
Diese ursächlich mit der Produktion von Musikinstrumenten befasste Firma
- daher auch das Markenzeichen der gekreuzten Stimmgabeln - produzierte
nun auch in Analogie zu Suzuki Zweitakter. 1963 war zwar noch ein
Experimentier-Jahr; aber Fumio Ito wurde Zweiter auf der Insel Man sowie
in Assen und "produzierte" mit Teamgefährten Yoshikazu Sunako einen
Doppelsieg in Spa. Der Wert von Ito´s drittem WM-Gesamtrang wird durch
den Verzicht des Yamaha-Teams auf die gesamte zweite Saisonhälfte erst
richtig deutlich. Einen einmal festgelegten Weg verlassen die Japaner
eben sehr selten - ein offenbar gutes Rezept!
1963 hatte Suzuki endgültig den Durchbruch geschafft, und mit Hugh
Anderson wurde als erster und bisher einziger Neuseeländer ein Mann
Weltmeister - und das gleich doppelt (50 & 125 ccm), dessen Fähigkeiten
z. B. von Jim Redman in höchsten Tönen gelobt werden. Dass diese
Einschätzung wohl fundiert ist, wird durch die 1964 (50 ccm) und 1965
(125 ccm) gewonnenen weiteren WM-Titel bewiesen.
Ab 1964 - Phil Read war von Yamaha unter Vertrag genommen worden, später
auch Bill Ivy (Foto mit der Nr. 106) - überließen die Japaner der "restlichen Welt" nur noch
den Halblitertitel. Honda versuchte zwar mit Jim Redman und Mike
Hailwood, sich auch diesen anzueignen, scheiterte aber weiter an MV
Agusta. Graf Agusta hatte mit Giacomo Agostini endlich einen
italienischen Siegfahrer gefunden; dieser widerstand den Honda-Angriffen
bravourös und beherrschte nach Hondas Rücktritt Ende 1967 das Geschehen
in beiden großen Klassen bis 1972 absolut. Yamaha und Suzuki taten es
den Landsleuten ein Jahr später gleich.
Werksbeteiligung gab es bis 1973 nur noch aus Italien, ansonsten
beherrschten japanische Maschinen die Rennstrecken. Als Yamaha 1973
wieder zum Großangriff auf den Halbliter-Titel blies, hatte sich der
Finne Jarno Saarinen in den Vorjahren als Nr. 1 empfohlen. Nachdem er in
Le Castellet und Salzburg "Ago" jeweils schlecht aussehen ließ, schien
der Machtwechsel Realität zu werden. Eine gerissene Kette in Hockenheim
verhinderte aber einen weiteren Yamaha-Sieg.
Furchtbar dann die
Katastrophe von Monza, wo es infolge desaströser organisatorischer
Verhältnisse zu einem Massensturz in der 250 ccm-Klasse kam; Renzo
Pasolini und Jarno Saarinen verloren dabei ihr Leben. Yamaha beendete
(vorerst) seine Rennbeteiligung, und Phil Read dürfte über den auf MV
Agusta gewonnenen Titel am Jahresende nicht absolut glücklich gewesen sein.
1973 war nach zwölf Jahren das erste Jahr ohne den zweiten deutschen
WM-Lauf auf dem Sachsenring. Den Höhepunkt, aber ganz sicher auch den
Todesstoß, erlebte der alte Kurs 1971, als der 125-ccm-Weltmeister von
1970, Dieter Braun, die Viertelliterklasse in einem mehr als
denkwürdigen Rennen gewonnen hatte. Deutschlandlied und Schwarz-Rot-Gold
ohne Hammer und Zirkel entfachten eine wahre Euphorie und entkräfteten
die Phrase von der sozialistischen Menschengemeinschaft.
Die Konsequenz:
der WM-Lauf wurde an die FIM zurückgegeben, ab 1973 waren die
sozialistischen Länder unter sich. In anderen Fällen wurde so etwas
Apartheid genannt - die FIM spielte bezeichnenderweise mit!!
Giacomo Agostini quittierte Ende 1973 den Dienst in Gallarate und
wechselte zu Yamaha. Er wurde 350-ccm-Weltmeister; eine Reihe
unglücklicher Umstände verhinderte aber den Titelgewinn bei den
"Großen", wo Phil Read (Foto rechts) für MV Agusta deren letzten Titel gewann. Ein
Jahr später aber war es soweit - "Ago" (Foto unten) triumphierte über seinen alten
Arbeitgeber und schrieb zudem Geschichte: Er wurde erster
500-ccm-Zweitakt-Weltmeister der Geschichte.
Bei den 50ern seit 1969 und später auch bei den 125ern war Angel Nieto
nun der Dominator, bei der Titeljagd nur hin und wieder von Fahrern wie
Jan de Vries und Kent Andersson "gestört". Längere Zeiträume vom ersten
bis zum letzten WM-Laufsieg weisen gegenwärtig nur Rolf Biland (22
Jahre) und Loris Capirossi (18 Jahre) aus; für Angel Nieto stehen in
dieser Rubrik mehr als 16 Jahre zu Buche. Aus den 50ern wurden dann 1984
die 80er; deren Jahre aber waren gezählt, und nach 1989 wurde die WM um
ein weiteres Glied ärmer.
1976 war Suzuki nun die dominierende Halblitermarke. Während Walter
Villa nach den Viertellitertiteln von 1974 und 1975 in besagtem Jahr
auch noch die 350er mit seiner Harley-Davidson dazugewann, holte sich
Barry Sheene die Halblitertitel 1976 & 77. 1976 war der erste wirklich
gute US-Amerikaner in die WM gekommen, Pat Hennen. Der Kalifornier wurde
1976 sowie 1977 WM-Dritter und wäre
1978 durchaus ein Titelanwärter
gewesen. Das Schicksal wollte es anders; er unterlag der Versuchung
eines Starts auf der Insel Man (seit 1977 hatte das "Mekka" aufgrund
seiner Gefährlichkeit keinen WM-Status mehr) und verunglückte sehr
schwer. Seine Karriere war zu Ende; heute lebt er zurückgezogen in
Kalifornien.
Scheiterte ein weiterer US-amerikanischer Yamaha-Mann, Steve Baker, 1977
noch an Barry Sheenes Klasse, so wurde sein Landsmann und Markenkollege
Kenny Roberts zum Dominator der Jahre 1978 bis 1980. Er fuhr dann noch
erfolgreich bis 1983, ohne aber den Titel noch einmal erringen zu
können. Im letzten Jahr unterlag er mit nur zwei Punkten Differenz dem
neuen Star, seinem Landsmann Freddie Spencer und dessen Honda. Die
folgenden Jahre wurden von Spencer und seinem Landsmann Eddie Lawson
beherrscht. Lawson holte 3 Titel für Yamaha und einen auf Honda (1989).
Freddie Spencer krönte seine Karriere 1985 mit der Doppel-WM 250 und 500
ccm. Und 18 Jahre nach Kel Carruthers´ WM-Titel in der 250er Klasse auf
Benelli wurde endlich wieder ein Australier Weltmeister - Wayne Gardner
1987 auf Honda.
Und endlich machte auch wieder ein deutscher Fahrer Furore - Anton
"Toni" Mang aus dem bayrischen Inning (Foto unten auf dem Siegerpodest -
von links: Mang, Ballington, Fernandez). 1976 gewann er auf dem
Nürburgring seinen ersten Grand Prix (125 ccm Morbidelli), wechselte
1978 in die Viertelliter-Kategorie und mischte in der Folge auf seinen
Kawasakis 250 & 350 ccm die Weltklasse auf. 1980 wurde er Weltmeister
der 250er und - in einem "Herzschlagfinale" gegen Jon Ekerold auf dem
Nürburgring - Zweiter der 350er. 1981 gelang ihm das Doppel,
und ein
Jahr später schrieb er Geschichte als letzter Weltmeister der ab 1983
nicht mehr im WM-Programm befindlichen 350er-Klasse. Fünf Jahre später,
1987, gewann er ganz überlegen noch einmal das 250er-Championat; in der
WM-Geschichte gelang nur Rolf Biland/Kurt Waltisperg, Helmut Fath und
Loris Capirossi das Comeback als Weltmeister nach einer längeren Pause
als dem Deutschen.
Eingangs war schon von der BMW-Dominanz in der Seitenwagenklasse die
Rede. Klaus Enders/Ralph Engelhardt (Foto unten rechts) beendeten 1974 eine Ära, schon in
besagtem Jahr nach einem harten Kampf mit der König-motorisierten Crew
Werner Schwärzel/Karl-Heinz Kleis und deren Markengefährten. Der vom
Neuseeländer Kim Newcombe - Vizeweltmeister der 500er 1973, im gleichen
Jahr in Silverstone tödlich verunglückt - für seine Tauglichkeit als
Antrieb von Rennmotorrädern "entdeckte" und auch weiterentwickelte
König-Bootsmotor dominierte die Gespann-Szene bis 1976. Weltmeister
wurden Rolf Steinhausen/Sepp Huber 1975 und 1976. Dann übernahmen die
Yamaha-getriebenen Gespanne die Regie. Damit gelang 1977 dem Engländer
George O´Dell mit Cliff Holland bzw. Kenny Arthur im "Boot" das
Kunststück, als einziger Rennfahrer der Geschichte ohne Grand-Prix-Sieg
Weltmeister zu werden. Ihm folgten Rolf Biland, 1978 mit "Passagier"
Kenny Williams, später ausschließlich mit Landsmann Kurt Waltisperg
(1979/81/83/92-94),
Jock Taylor/Bengt Johansson (1980), Werner
Schwärzel/Andreas Huber (1982), Egbert Streuer/Bernhard Schnieders
(1984-86), Steve Webster/Tony Hewitt (1987-89) /Gavin Simmons (1991),
Alain Michel/Simon Birchall (1990) und Darren Dixon/Andy Hetherington
(1995/96). 1979 war das Jahr, in dem die Gespanne in zwei - durch
differente technische Parameter gekennzeichnete - Klassen, B2A und B2B
genannt, gefahren wurden. Im Bild unten links zu sehen:
Michael Burkard, Alain Michel, Rolf Biland, Kurt Waltisperg, Bruno Holzer,
Charly Meierhans.
In der Klasse B2B siegte das Schweizer Gespann
Bruno Holzer/Karl Meierhans auf einem von Louis Christen konstruierten,
Yamaha-getriebenen Gespann. Es war der erste große Erfolg eines unter
der Bezeichnung LCR mittlerweile zur Legende gewordenen Fahrzeuges. Ab
1983 waren dann bis 1994 nur Teams auf LCR-Gespannen Weltmeister.
Dixon/Hetherington gewannen ihre zwei Titel auf Windle-Gespannen,
angetrieben von ADM-Motoren des Schweizer Konstrukteurs Charles Auf der
Mauer.
Mit der Herauslösung der Gespannklasse aus den Grand Prix drohte diese
höchst attraktive Kategorie in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Die
Industrie hatte keinerlei Interesse mehr, und so ist es dem fast
Fanatismus zu nennenden Enthusiasmus einer relativ kleinen Schar zu
verdanken, dass das nicht geschah. Ohne Zweifel kommt Louis Christen
dabei eine wesentliche Rolle zu.
Die FIM gestand den "Dreirädern" nicht mal mehr den WM-Status zu, und so
kämpften die Teams - zumeist auf Nebenschauplätzen - von 1997-2001 und
dann nochmals 2004 um Plätze im sogenannten "Side Cars World Cup". Von
2001-2003 und dann wieder ab 2005 erhielt die Klasse den WM-Status
zurück. Auf dem Sachsenring ist sie mittlerweile sogar
wieder in den Rahmen des Grand Prix zurückgekehrt. Der Existenzkampf
scheint sich gelohnt zu haben. Hoffen wir, dass es so bleibt.
Beginnend mit dem Jahr 1987, als die Großen Preise von Japan,
Argentinien und Brasilien das Programm bereicherten, waren die folgenden
Jahre der "Solisten" gekennzeichnet von einer immer stärkeren
Integration nicht-europäischer Schauplätze in die WM. Die Relationen
haben sich mittlerweile sehr verschoben. 1986 noch (oder wieder) rein
europäisch, waren es in der gerade abgelaufenen Saison 2008 immerhin 7
von 18 Läufen, die außerhalb Europas ausgetragen wurden.
In den späten 1980er und 90er Jahren dominierten vorerst weiterhin die
japanischen Motorräder (von deutscher Seite waren daran der 1990 schwer
verunglückte Reinhold Roth und Helmut Bradl beteiligt. Die Dominanz in
der 250-ccm-Klasse wurde allerdings ab 1994 durch die italienischen
Aprilias (1994-96 Biaggi, 1998 Capirossi, 1999 Valentino Rossi)
unterbrochen. Ralf Waldmann scheiterte 1996+97 knapp am Titelgewinn auf
Honda. Sieben der 125er Titel der 90er Jahre gewannen Honda- (1993 Dirk
Raudies), drei Aprilia-Fahrer. Einer der Letztgenannten war 1997
Valentino Rossi.
Die Halbliterklasse war und blieb maschinenseitig die Domäne der
Japaner. Wayne Rainey gewann die Titel für Yamaha 1990-92; am 5.
September 1993 verunglückte er in Misano auf dem Wege zum vierten
Titelgewinn schwer und ist seither an den Rollstuhl gefesselt.
Kevin
Schwantz gewann für Suzuki den ersten Titel seit Franco Uncini 1982. Dem
Australier Mick Doohan, Dominator der Jahre 1994-98, blieb dank
ärztlicher Kunst ein ähnliches Schicksal wie Wayne Rainey erspart. Gemäß
einer ersten Diagnose nach seinem Sturz in Assen 1992 sollte ihm ein
Bein amputiert werden. Vor allem dem Veto des mittlerweile legendären
Rennarztes Dr. Claudio Costa ist es zu verdanken, dass dies nicht geschah.
Der Spanier Alex Criville (Honda) - Doohan hatte seine Laufbahn nach
einem schweren Sturz endgültig beendet - sorgte gemeinsam mit seinem
Landsmann Emilio Alzamora (125 ccm Honda) und Valentino Rossi (250 ccm
Aprilia) dafür, dass wieder einmal alle Weltmeister aus Europa kamen.
Bis in das aktuelle Jahr 2008 hinein gelang es dann nur noch vier
Nicht-Europäern, WM-Titel zu erringen: 2000 Kenny Roberts jun./USA (500
ccm Suzuki), 2001 Daijiro Katoh/Japan (250 ccm Honda), 2006 Nicky
Hayden/USA (MotoGP Honda) und 2007 Casey Stoner/Australien (MotoGP Ducati).
Apropos MotoGP. Die Motorradindustrie produzierte serienmäßig speziell
in den großen Hubraumklassen nur Viertakter. Und so wurde vor allem aus
Japan auf Reglementsänderungen im Rennsport gedrängt. Das
Leistungsdefizit des Viertakters konnte aber nur durch größere
Kubikzahlen ausgeglichen werden. Kurz und gut (?!?) - 2002 wurde ein Mix
aus Viertaktern bis 999 ccm und Zweitaktern bis 500 ccm Hubraum gefahren
und ab 2003 die Zweitakter aus dieser nun "MotoGP" genannten Klasse
verbannt. Der MotoGP-Hubraum wurde mittlerweile auf 800 ccm reduziert -
der Leistung tat das keinen Abbruch.
Valentino Rossi dominierte von 2002 und 2003 auf Honda, 2004 und 2005
auf Fabrikaten von deren Erzrivalen Yamaha und 2008 feierte er ein
glänzendes "Thron-Comeback".
Die deutsche Bilanz der letzten 20 Jahre ist zwar relativ bescheiden,
aber durch Stefan Bradl (erster deutscher Grand-Prix-Sieger seit Steve
Jenkner 2003) gibt es Hoffnung auf Besserung.
Warten wir es ab, wo "der Zug hinfährt". Ab 2010 wurde die 250er-Klasse
durch eine weitere Viertakter-Kategorie ersetzt, die Moto 2. Es ist also nicht
viel übrig geblieben vom "Startkapital" 1949!!!
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Pekka Päivärinta (SF) mit Adolf Hänni (CH) - Valentino Rossi (I)
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 So sahen Autogrammfotos vor 60 Jahren aus. Hier der
Italiener Umberto Braga
 Die "Trucks" der Historie. Damit ging es vor über 50 Jahren kreuz und quer
durch Europa. Keith Bryens "Hotel" und "Werkstatt"
 Nello Pagani war der erste Weltmeister 1949 in der 125cc Klasse
und belegte auch in der Halbliterklasse einen exzellenten 2. WM-Rang.
 Das Norton-Werksteam mit Cromie McCandless, Dickie Dale, Joey Craig (Teamchef),
Johnny Lockett und auf Norton sitzend Geoff Duke

Rudi Felgenheier (rechts - mit DKW Urgestein Ewald Kluge) errang für DKW den einzigen GP-Sieg der WM-Geschichte
 Die Gilera-Werksmaschinen 1953 in Spa - Francorchamps
 Werner Haas, Deutschland´s erster Superstar
 Der Ursprung von MZ. Petruschke (vor dem Krieg erfolgreich für
DKW unterwegs und Horst Fügner, Vizeweltmeister für MZ
 Bill Lomas und Walter Zeller. Konkurrenten und Freunde
 Keith Bryen, Keith Campbell (beide Australien) und der Italiener
Libero Liberati auf dem Podest nach dem Ulster - GP. Liberati wäre ein guter Werbeträger für die
Zigarettenindustrie gewesen
 Der Italiener Alberto Gandossi machte die Ducati "hoffähig"
 John Surtees, einziger Weltmeister auf zwei und vier Rädern
 Der dreifache Weltmeister Luigi Taveri aus der Schweiz war der
einzige Fahrer in der WM - Geschichte, der in allen gefahrenen WM - Klassen die begehrten WM - Punkte
geholt hat. Bei den Seitenwagen geschah das im Beiwagen seines Freundes Hans Haldemann
 Der Autor dieses Berichts zusammen mit Mike Hailwood
 Einer aus der erfolgreichen Rennszene der früheren CSSR: Gustav Havel
 Heinz Rosner und die MZ auf der Isle of Man
 Hat seine niederländische Heimat in der WM erfolgreich vertreten: Rob Bron
 Deutschlands Hans-Georg Anscheidt verfolgt Stu Graham bei den "Tiddlern"
auf der Isle of Mann
 Dieter Braun, Volksheld am Sachsenring, hier beim "Ersatz-GP" im Mährischen Brno
 Takazumi Katayama, erster Weltmeister aus dem "fernen Osten"
 Die schönsten Momente - Renzo Pasolini, Jarno Saarinen und Dieter Braun
genießen die Siegerzeremonie
 Da geht´s lang - Kork Ballington (Südafrika) erklärt Gregg Hansford
(Australien) den Weg
 "Oldies" unterwegs - Rolf Steinhausen mit Wolfgang Kalauch
 Kenny Roberts blickt zufrieden
 Werner Schwärzel mit Andreas Huber in Aktion
 Stefan Dörflinger mit 4 WM - Titeln erfolgreichster Solofahrer
der Schweiz
 Eine Gedenktafel im belgischen Floreffe zum Gedenken an den
unvergessenen Fergus Anderson, der seine Liebe zum Rennsport mit dem Leben bezahlen mußte. An dieser Stelle
sei an alle bekannten und weniger bekannten Motorsportler erinnert, bei denen große Freude bei ihrem
geliebten Rennsport in tiefer Trauer endete.
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