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| Vor 50 Jahren: Erster Motorrad-WM-Lauf auf dem alten Sachsenring |
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| Text und Fotos: Günter Geyler |
![]() Ernst Degner, MZ ![]() Degner begutachtet Hailwood´s Honda ![]() Das MZ-Team ![]() Ernesto Brambilla aus Italien ![]() Luigi Taveri aus der Schweiz
erstes Sachsenring WM-Programm![]() Horst Fügner begutachtet eine Honda |
Die internationale Motorradsport-Kommission FIM bescherte den Freunden des Sachsenrings einen erfreulichen Höhepunkt, denn erstmalig liefen auf dem sehr aufwändig präparierten 8,7 Kilometer langen Kurs – die Straßen wurden teilweise verbreitert und bekamen einen einheitlichen Asphalt-Belag - die Rennen für Solomaschinen als Weltmeisterschaftslauf. Mit ganz wenigen Ausnahmen weilte die internationale Spitzenklasse in Hohenstein-Ernstthal. Es gab ein Wiedersehen mit vielen hervorragenden einstigen Privatfahrern, die inzwischen auf Werksmaschinen um Weltmeisterschaftspunkte kämpften. Der Rhodesier Gary Hocking, den die italienische Firma MV Agusta nach seinen 1959er WM-Siegen von MZ wegkaufte, erschien mit zwei Vierzylindermaschinen (350 und 500 ccm) von MV Agusta als „werksunterstützter Privatfahrer“. Die Klassen bis 125 und 250 ccm überließ der italienische Rennstall kampflos der fernöstlichen Streitmacht Honda, die am Sachsenring sechs Werksfahrer einsetzte. Für die 125er Klasse hatten die Japaner einen hochdrehenden Viertakter entwickelt. 23 PS bei 14 000 U/min leistete der Zweizylindermotor. Die 250er Vierzylindermaschine gab 45 PS bei 14 000 U/min ab und konnte bis auf 18 000 Touren hochgedreht werden. Bianchi (Italien) und Jawa (CSSR) starteten in der 350er Klasse ebenfalls mit Viertaktmotorrädern. Beide Fahrzeuge erreichten knapp 50 PS. Unter der Leitung von Ingenieur Walter Kaaden konzentrierten sich die Erzgebirgler von MZ aufgrund des zur Verfügung stehenden Fahrerpotentials vorwiegend auf die Leistungssteigerung der Achtellitermaschine und erreichten nach mühevoller Arbeit endlich die Führung in der Weltspitze! Mit 25 PS bei 10 500 U/min zeigte sich der luftgekühlte Zweitakter aus Zschopau auf reinen „Maschinenstrecken“ der Konkurrenz eindeutig überlegen. Fahrer Nummer eins war nach wie vor der Leichtgewichts-Jockey Ernst Degner. Ihm zur Seite standen der Engländer Alan Shepherd, der Ungar Laszlo Szabo und die beiden Ostdeutschen Werner Musiol und Walter Brehme. Natürlich erwarteten die 200 000 Zuschauer in der 125er Klasse erneut einen Degner-Sieg, hatte der Chemnitzer doch bereits den WM-Lauf in Hockenheim gewonnen und einige vordere Plätze bei weiteren vorangegangenen Rennen belegt. Allerdings war seine Sturzverletzung vom WM-Lauf in Assen – dort brach er sich den rechten Arm – noch nicht restlos auskuriert. Vom Start bis ins Ziel führte Degner auf der Achtelliter MZ unangefochten und holte sich mit einer halben Minute Vorsprung seinen vierten Sachsenring-Triumph. Sein ärgster WM-Rivale, der Honda-Fahrer Tom Phillis aus Australien, behauptete mit etwas Glück den zweiten Platz, denn sein schlecht gestarteter Markengefährte Luigi Taveri aus der Schweiz kämpfte sich an Phillis heran und lag in der letzten Runde in der Nötzoldt-Kurve bereits auf Platz zwei – schlechte Stallregie – doch in dieser Phase machte sich bei Taveris Motorrad eine Lenkerhälfte selbständig, er musste am Queckenberg geradeaus fahren, umfuhr die Kurve und wurde wegen Verlassen der Rennstrecke disqualifiziert. Der kleine japanische Honda-Mann Kunimitsu Takahashi startete ebenfalls sehr schlecht. Bei seiner Aufholjagd fuhr er die schnellste Runde des 125er Laufs und erreichte nach dem unglücklichen Luigi Taveri als Vierter das Ziel, bekam aber Rang drei zugesprochen. Erstmalig stellte sich in Hohenstein-Ernstthal der Engländer Mike Hailwood vor. Er ging als dreifacher Sieger (125, 250 und 500 ccm) des schwersten Motorradrennens der Welt, der englischen Tourist Trophy, an den Start. Zusammen mit seinen Honda-Kollegen Tom Phillis und dem Rhodesier Jim Redman führte er in der WM-Wertung der 250er Klasse. In diesem „Honda-Rennen“ gab es von Anfang an auf den Plätzen eins bis drei keine Veränderung: Mit augenscheinlicher Leichtigkeit dirigierte Hailwood sein Fahrzeug vor Redman und Takahashi um den Kurs. Nach dem Vierten, Tom Phillis, belegten die MZ-Fahrer Shepherd, Musiol und Szabo die Plätze fünf bis sieben. Als Sieger war Hailwood mit seiner Viertelliter-Honda schneller als der Gewinner der 350er Klasse, Gary Hocking auf MV Agusta.
Hocking distanzierte bei den 350ern mit seiner überlegenen Maschine, aber auch mit seinem bestaunten Fahrstil – er bildete mit seinem Motorrad eine Einheit, auch in den Kurven – seine Gegner Frantisek Stastny (CSSR) auf Jawa und dem Bianchi-Fahrer Bob Mc Intyre (England). Er dominierte auch im Rennen der Halbliterklasse. Seiner als „privat“ gemeldeten MV Agusta mit 70 PS standen eine BMW und neunzehn Nortons gegenüber. Die besten Norton-Leute, Mike Hailwood und der Österreicher Bert Schneider, konnten die einsame Führung des Rhodesiers nie gefährden. Dabei schraubte Hocking den absoluten Rundenrekord auf 163,2 km/h. Im Ziel lag der ebenfalls phantastisch fahrende Mike Hailwood über zwei Minuten zurück, und Bert Schneider als Dritter rettete sich gerade noch vor einer Überrundung. Die ostdeutschen Motorsportfreunde hätten sich auch über ein Rennen der Seitenwagengespanne gefreut, doch infolge der internationalen Vorherrschaft der westdeutschen Seitenwagenakrobaten verzichteten die Motorsport-Oberen der damaligen DDR bewusst auf diese Kategorie. Keinesfalls sollte das "Deutschlandlied" am Sachsenring erklingen, was dann aber 1971 passieren musste - Dieter Braun lässt grüßen! |
![]() Honda-Werksfahrer Phillis und Redman ![]() Bob McIntyre ![]() Mike Hailwood auf 500 cc Norton ![]() Paddy Driver aus Südafrika ![]() Laszlo Szabo, mit MZ unterwegs ![]() von links: Hailwood, Hocking, Schneider ![]() ![]() Als Werksfahrer noch selber schraubten |
![]() ![]() ![]() ![]() Rudi Thalhammer (Österreich) - Alan Shepherd (England) und Bob McIntyre (Schottland) - Gary Hocking (Wales/Rhodesien) - Franta Stastny (damals noch CSSR) |
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