Die Motorradweltmeisterschaft 1956Text und Fotos: Günter Geyler |
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Für die Teilnehmer an der
Motorradweltmeisterschaft standen vor 50 Jahren sechs Läufe auf dem Programm. Die
vier besten Resultate eines jeden Fahrers kamen für die WM-Endabrechnung in die
Wertung. WM-Läufe fanden 1956 in England (Tourist Trophy auf der Insel Man),
Holland (Assen), Belgien (Spa Francorchamps), Deutschland (Stuttgarter Solitude),
Irland (Dundrod) und Italien (Monza) statt. Die Rennen in England, Holland,
Deutschland und Irland liefen auf den so genannten „Fahrer-Strecken“, in
Belgien und Italien fuhren die Akteure auf „PS-Pisten“. Bei allen sechs
Weltmeisterschaftsläufen starteten die Soloklassen bis 125, 250, 350 und 500 ccm
und dazu die Seitenwagengespanne.Die Punktvergabe 8 – 6 – 4 –
3 – 2 - 1 änderte sich auch 1956 nicht. Aufgrund der geringen Anzahl der WM-Rennen konnten die Grand-Prix-Teilnehmer zusätzlich noch an der nationalen Meisterschaft ihres Landes und an internationalen Veranstaltungen teilnehmen, die nicht zur Weltmeisterschaft zählten. |
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Klasse bis 125 ccm: Titelverteidiger Carlo Ubbiali (Foto unten) aus Italien dominierte in dieser Klasse mit der Einzylinder MV Agusta. Er gewann die WM-Rennen in England, Holland, Belgien, Irland und Italien.
Lediglich beim Großen Preis von Deutschland musste er sich von seinem Landsmann
Romolo Ferri, der die Zweizylinder Gilera steuerte, geschlagen geben. Die
Weltmeisterschaft konnte dem MV-Piloten Ubbiali keiner mehr nehmen. Der Sieg auf der Solitude und
ein zweiter Platz beim Ulster Grand-Prix in Irland genügten Ferri für den
zweiten WM-Rang. Der Schweizer Luigi Taveri holte auf einer weiteren MV Agusta in Holland Platz zwei und
passierte in Belgien und Italien jeweils als Vierter die Ziellinie. Damit kam
er auf WM-Platz drei. Beste deutsche Piloten in der WM-Wertung waren August Hobl als Sechster und
Karl Hofmann auf Rang acht, beide auf DKW.Klasse bis 250 ccm: Auch in der Viertelliterklasse glänzte Ubbiali auf MV Agusta mit Siegen in England, Holland, Belgien, Deutschland und Italien. Bereits nach dem Lauf in Deutschland war er Weltmeister. In Irland stürzte der Champion in der Schlussphase des Laufes. Dadurch gewann Taveri. Vor seinem Sieg in Dundrod erkämpfte Taveri zweite Plätze in Holland, Belgien und Deutschland. Der Schweizer MV-Pilot ereichte den zweiten WM-Gesamtrang. Der rennfahrende Ingenieur
Enrico Lorenzetti aus Italien belegte auf seiner privaten Moto Guzzi (noch 1954
war der Weltmeister von 1952 bei Guzzi Werksfahrer) in Monza Platz zwei und vorher
in Assen den dritten Platz. Diese Resultate genügten für WM-Rang drei. Das
beste Ergebnis eines NSU-Sportmax-Piloten war 1956 der zweite Platz des
späteren Trialkönigs Sammy Miller in seinem Heimatland Irland. Für Furore, aus
deutscher Sicht, sorgten der Schwabhausener Horst Kaßner (Foto links) und der leider noch im
gleichen Jahr tödlich verunglückte Reutlinger Hans Baltisberger. Sie platzierten
sich in der WM-Wertung mit ihren privaten NSU Sport-Mäxen auf den Rängen fünf und
sieben.Klasse bis 350 ccm: Die Einzylinder Moto Guzzi des britischen Weltmeisters Bill Lomas (Foto unten) erwies sich nicht mehr so standfest wie noch 1955: Auf der Englischen Tourist Trophy und im belgischen Spa Francorchamps gab der Motor den Geist auf. Zu allem Überfluss warf Lomas in Monza die Guzzi auf den Asphalt. Dennoch genügten dem Briten die Siege in Holland, Deutschland und Irland, um erneut Weltmeister zu werden. Seine
Konkurrenten, die auf den drei restlichen WM-Strecken gewannen, holten sich
jeweils nur einen Sieg: In England war es der Australier Ken Kavanagh auf
Guzzi, in Belgien der Brite John Surtees auf MV Agusta und in Italien der
Italiener Libero Liberati auf Gilera.Der Ingolstädter August Hobl erkämpfte auf der hochdrehenden Dreizylinder DKW in Belgien und Deutschland zweite Plätze, in Holland Platz drei. In Italien holte er als Sechster noch einen Wertungspunkt. Damit wurde er Vizeweltmeister, zusammen mit dem britischen Guzzi Werksfahrer Dickie Dale, der in Irland und Italien auf Platz zwei landete und in Deutschland Dritter wurde. Dazu kam noch ein sechster Rang in Holland. Klasse bis 500 ccm:Der britische Serienweltmeister Geoffrey Duke beteiligte sich aus Solidarität mit den Privatfahrern 1955 an einem Fahrerstreik und bekam dafür von der obersten Motorradsport-Behörde FIM für die Saison 1956 eine halbjährige Sperre
auferlegt: An den WM-Läufen in England und Holland durfte er nicht teilnehmen.
Danach fuhr er in Belgien wie ein erzürnter Gott, ließ seine Rivalen wie
Schulbuben aussehen und überforderte dabei den Motor seiner Gilera. Auch in
Deutschland musste er nach sechs Führungsrunden wiederum mit Motorschaden
aufgeben. In Irland stürzte er an der Spitze des Feldes. Nur in Italien gelang
Duke ein überlegener Sieg. Durch Dukes Missgeschick in zweifacher Hinsicht
gewann der englische MV-Pilot John Surtees (Foto oben) die WM-Läufe in England, Holland und
Belgien und "erbte" die Weltmeisterschaft. Nach seinem schweren Sturz in
Deutschland mit der 350er MV war die Saison 1956 für den Champion gelaufen.Der Bayer Walter Zeller (Foto rechts mit Bill Lomas) konnte mit seiner BMW auf der Insel Man den vierten Platz belegen, danach erkämpfte er in Assen und Spa Francorchamps jeweils zweite Plätze. Auf der Solitude und in Dundrod musste er den Boxer mit Motorschaden abstellen. Zum Saisonfinale in Monza wurde Zeller Sechster und Vizeweltmeister. Für den Norton-Privatfahrer John Hartle aus England brachte der Sieg in Irland und ein zweiter Platz in England den dritten Tabellenrang noch vor dem Solitude-Sieger Reginald Armstrong, dem Gilera-Werksfahrer aus Irland. Seitenwagengespanne: Siege bei den WM-Läufen in Belgien, Deutschland und Irland sowie ein zweiter Platz in Holland brachte den BMW-Werksfahrern Wilhelm Noll / Fritz Cron
(Foto unten) aus Hessen nach dem 1954er
Titelgewinn erneut die Weltmeisterschaft. Die Bayern Friedrich Hillebrand /
Manfred Grunwald, ebenfalls auf der Werks-BMW, gewannen in England und Holland,
wurden in Deutschland Zweite und in Italien Dritte. Damit lagen sie auf
WM-Platz zwei.Die britischen
Norton-Privatfahrer Peter "Pip" Harris / Ray Campbell belegten in England, Belgien,
Irland und Italien zweite Plätze und wurden mit dem dritten WM-Rang belohnt.
Bei ihrem Heim-Grand-Prix in Italien triumphierten die Brüder Albino und Rossano
Milani auf der Werks-Gilera. Trotz dieses einmaligen Sieges sollten auch
in den nächsten Jahren die Gespannrennen eine Domäne der BMW-Fahrer bleiben. |